DCP 2015: wohl Normalisierung angesagt

Das Ergebnis des diesjährigen Deutschen Computerspielpreises ist eigentlich ziemlich erfreulich, auch wenn die Entscheidung einen „Souls“-Klon wie „Lords of the Fallen“ als bestes deutsches Spiel auszuzeichnen – während im erstmals vergebenen, internationalen Publikumspreis nebenan eines der Originale gewinnt – als Verlegenheitslösung erscheint, annähernd ähnlich wie vor fünf Jahren mit dem doppelten „Anno 1404“ – wegen der damals nicht vertretbaren Gewaltdarstellungen im internationalen Bereich.
Heuer dominierte dafür zweifellos der Wille zur Normalität, wenn in einem überaus schwachen Jahrgang zumindest das deutsche Spiel prämiert wurde, welches international ziemlich Eindruck machte: business as usual bei den vermeintlichen Spielen für Minderjährige – als Kinderspiel gewann mit „Fire“ einmal mehr ein Daedalic-Titel, den ich mir nun natürlich auch nochmal genauer ansehen werde. Ebenso wie das beste „Jugendspiel“, bemerkenswerter Weise vom auf japanische Nischen spezialisieten Rising Star veröffentlicht: „TRI“. Beide Games sind schließlich im unteren Preissegment auf Steam erhältlich und deshalb leicht zugänglich, aber nicht unbedingt kategorisch klar, oder auch nur nahe liegend.
Wenigstens ein Bild gibt es jetzt von der besten „Innovation“, dem „Spiel des Friedens“: es scheint sich (doch?) um eine (neue?) Form von Brettspiel(-Umsetzung?) zu handeln. Die größte Überraschung liefert jedoch die Kategorie „Serious Games“: der Preis für „Utopolis – Aufbruch der Tiere“ ist aus meiner Sicht noch wesentlich mutiger als damals der für „Crysis 2“ als bestes deutsches Spiel. Jedenfalls eine eindeutige Niederlage für den Utilitarismus.

Denn „Utopolis“ ist ein herkömmlich vertriebenes, kostenloses Mobilspiel, das es noch dazu nicht einmal nur bei Apple gibt. Sogar bei der Nemetscheck-Stiftung heißt es ausdrücklich, dass es sich dabei um kein Lernspiel handelt.
Wäre das erwartungsgemäß ebenfalls prämierte „This War of Mine“ aus Deutschland, es könnte sich vielleicht gar gute Chancen auch in dieser für gewöhnlich vom großen Rest der Videospiele so stark abgetrennten Segregationskategorie für den (demnach nicht mehr allein) institutionalisierten Bildungsbereich machen. Und werden die Jahrgänge wieder stärker, das heißt nicht nur quantitativ (so wie heuer), sondern auch qualitativ, könnte dem Leid gebeutelten Preis der (unter anderem) deutschen Bundesregierung doch noch eine strahlende Zukunft bevorstehen.
Also, liebe Jury und Videospielindustrie, nur weiter so. Sehr brav!

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