Das „Raumschiff Enterprise“ landete auf GOG.com

Heute war es endlich soweit: nach mehreren „Star Wars“-Specials und einigen digitalen Erstveröffentlichungen aus dem Hause LucasArts, deren IPs nunmehr allesamt zum Disney-Konzern gehören, wurden die ersten drei „Star Trek“-Spiele auf GOG.com veröffentlicht – naturgemäß als „digitale Premieren“, da ältere „Star Trek“-Titel für das digitale Zeitalter bislang überhaupt nicht neu aufgelegt wurden. Den Auftakt bildeten dabei die bekanntesten Beiträge von Interplay, zwei frühe Grafikadventures und der „Wing Commander“-Verschnitt „Starfleet Academy“ aus dem Jahr 1997. Mit dabei offenbar auch der wirklich sehr seltene Talkie von „Judgment Rites“ (Longplay): eine echte Rarität, deren Neuveröffentlichung den Wert mancher Sammlungen schmälern dürfte – hierzulande wurde auch auf CD-ROM erfahrungsgemäß nur die Floppy-Version des Spiels mit dem Roten Baron im Weltraum publiziert.
Anders als bei „Star Wars“ waren an „Star Trek“-Videospielen viele verschiedene Firmen beteiligt, die jeweils gänzlich andere Strategien mit der Marke verfolgten, denn als die Fernsehserien noch produziert wurden verkaufte CBS/old Viacom/Paramount die Lizenzen ebenfalls serienweise: nach ersten Versuchen zum fünften Kinofilm 1989 (die, anders als beim NES, tatsächlich veröffentlichte PC-Version von „The Final Frontier“ war mit 256 gleichzeitig dargestellten Farben eines der ersten Spiele in das akkurat digitalisierte Filmfotos eingearbeitet waren), Anfang der Neunziger zunächst eben an Interplay, welche fortan die Originalserie (und mutmaßlich die ersten sechs Kinofilme) verwenden durften. Ein drittes Grafikadventure erschien zum Niedergang des Genres gegen Ende des Jahrzehnts übrigens nicht mehr, und wurde so legendäre Vaporware: „Secret of Vulcan Fury“. Hier YouTube-Material aus einer Zeit, als die E3 noch in Atlanta war:

Nach Interplay und dem Wechsel der Kino-Crew bekam das MicroProse-Label, welches alsbald unter dem Hasbro-Spielwarenkonzern firmierte, die Rechte an „The Next Generation“, während die „Deep Space Nine“-Lizenzen ihrerseits gesondert an die Software-Abteilung des dann konzerneigenen New Yorker Buchverlages Simon & Schuster ging, der nebenbei unter anderem auch noch zwei „interaktive Filme“ in den anderen, damals ja ständig vorhandenen Serienkulissen fabrizierte – „Klingon“ und „Borg“ – kurzum: die Neunziger waren eine Zeit in der, an allen Medienfronten, wirklich sehr viel „Star Trek“ produziert wurde.
Irgendwann übernahm dann auch noch Activision die Lizenz von Hasbro und das vielfältige Erbe, sowie ließ für das Jahr 2000 mit dem ersten „Elite Force“ zur „Voyager“-Serie das vielleicht erfolgreichste „Star Trek“-Spiel entwickeln. Nur zur „Enterprise“-Prequel-Serie erschien kein Computer- oder Videospiel mehr.
Alles in allem dürfte gerade diese umständliche Situation Re-Releases von Games jedoch nicht gerade vereinfacht haben und zumindest im Videospielbereich die Vielzahl an „Star Trek“-Spielen auch zu deren über die Jahre oft zu Unrecht erworbenen schlechten Ruf ihren Beitrag leisten: „Secret of Vulcan Fury“ war etwa auch nicht das einzige angekündigte, aber letztlich nicht-veröffentlichte Projekt – wie dieser Teaser zu „First Contact“ zeigt, einem Sequel zu dem wohl missglückten Shooter-Hybrid „Generations“ auf Basis der Unreal-Engine (die später noch in „Klingon Honor Guard“ tatsächlich verwendet wurde – unmittelbar nach dem eigentlichen „Unreal“-Release 1998), und ein Spiel von dem es ansonsten scheinbar nur einen einzigen Screenshot gab.
Die Geschichte der „Star Trek“-Computer- und Videopiele ist allerdings noch älter, als es kommerzielle Lizenzierungen nahe legen: wie der dosgamesblog letztes Jahr in einem Video zeigte, gab es genau vierzig Jahre lang „Star Trek“-Videospiele. Dazu gehört auch eine meiner seltsamsten Kindheitserinnerungen, die dankenswerter Weise ebenfalls jemand auf YouTube geladen hat: das Amigaspiel einfach gleichlautenden Namens – eine krude Mischung aus Weltraumsimulation und dem berüchtigten „E.T.“-Spiel von Atari, wenn das Shuttle aus dem Hangar manvöriert werden sollte – warum auch immer, an Aufträge oder eine Handlung des ominösen Autoren „Trekking Tobi“ kann ich mich nicht erinnern:

Wieviele der offiziellen „Star Trek“-Spiele GOG veröffentlichen (können) wird, wird sich so erst zeigen. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass die drei Interplay-Titel eine Eintagsfliege waren – das Nebenprodukt eines, wenn auch in denkbar kleinem Rahmen, in den letzten Jahren wieder umtriebiger gewordenen (auch) längst ehemaligen Branchenriesen.

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