Behindertenfeindlicher LiBRO

Ein kleiner Fehler und schon war es passiert: ich vergaß in einer LiBRO-Filiale die Abgabe eines Gutscheins, den ich für meinen Einkauf eigentlich noch hatte. Erst zurück im Auto vor dem Geschäft bemerkte ich mein Missgeschick und ging also zurück um die Rechnung korrigiert zu bekommen, doch: keine Chance.
Das wusste ich vorurteilsweise bereits, denn eine Rechnung habe ich von der Firma noch in keinem Fall ausgebessert bekommen – höchstens für das (davon unabhängige) Club-Konto ein paar Punkte nachgetragen.
Ich bin froh, dass ich Geschäfte ohne Rollstuhl oder fremde Hilfe erreiche, zumal manche mehrstöckig ohne Lift sind. So oder so muss ich mich immer sehr konzentrieren, und etwa auch aufpassen dass ich nicht das Gleichgewicht verliere, wenn ich an Kassen Geld und/oder Karten aus meiner Tasche nehme und dabei mit den Krücken klarkommen soll, diese anderen nicht im Weg sind oder umfallen – so wie sie es bei den glatten Oberflächen der meisten Industriearchitektur für gewöhnlich tun. Es war deshalb vermutlich bloß eine Frage der Zeit, bis mir ein solcher Fehler unterlief.

Ein leuchtendes Beispiel und zweifelhafte Datenabgabe

Wieder zurück im Auto überlegte ich mir was und entschloss mich erstmals für den radikalen Weg: ich wusste, dass ich bei ungeöffneten Produkten vom Kauf zurücktreten könnte, ging also nochmal zurück und verlangte gleich mein ganzes Geld wieder. Sicher wäre mir auch geblieben den winzigen Betrag um den es ging, einfach zu vergessen, doch so wurde ich nicht erzogen und ist es auch nicht meine Art: dio perdona… io no! Am wenigsten mir selbst.
Zugegebenermaßen moralisch vereinfacht hat die Situation, dass ich meinen kleinen Einkauf ausnahmsweise bar bezahlt hatte – also keine elektronischen Abbuchungen meinerseits bereits erfolgten und ich der Kassa theoretisch kein anderes Geld wegnahm als mein eigenes: mangelhafte Kulanz im Verkauf will ich dabei gar nicht vorwerfen, auch wenn ich hörte dass ich nur ausnahmsweise selbst „fünf Minuten“ nach meinem Einkauf das Geld zurückbekommen hätte. Im elektronischen Medienbereich der Kette sind im Einzelhandel die meisten Videospielverpackungen Attrappen oder leer – wird Neuware ähnlich wie im Gebrauchthandel üblich ausgestellt, das heißt nur Musik und Filme direkt verkauft. Ich kannte demnach schon die rigiden Bestimmungen, welche die Unternehmensführung mitunter vorsieht: für das Geld durfte ich dann aber auch meine Daten genau angeben und eine dementsprechende Erklärung unterzeichnen – was ich schon ziemlich seltsam fand und bislang nur davon kannte, wenn ich etwas verkauft habe.

In der Folge fuhr ich weiter und ging mit meinem Sonnenbrand aus dem Urlaub vom nächsten Behindertenparkplatz dorthin wo ich sonst nicht hingehe, nämlich den weiten Weg zur anderen Filiale der Stadt, die ich allein und ohne Rollstuhl überhaupt kaum erreiche.
Dort kaufte ich die gleichen Produkte noch einmal, nur diesmal halt mit dem besagten Gutschein, den ich während meiner ersten Überlegungen im Auto aus Ärger bereits einmal zerknüllt hatte: die Firma LiBRO verfolgt anscheinend eine Politik, die selbst bei ihren KundInnen keine Fehler erlaubt, da ich wohl oder übel davon ausgehen muss, dass diese Unternehmenspolitik auf derselben gedanklichen Grundlage kapitalistischer Unmenschlichkeit und autoritärer Vorgaben basiert, von der ich im Vorfeld (nicht nur des steirischen Wahlkampfes) einen Eindruck gewinnen konnte.

Denn ich kenne das kleinliche, mir aus zum Beispiel dem Lebensmittelhandel völlig unbekannte, Verhalten der Firma (Papier- und Medienhandel mit rechtlich übertriebenen Jugendschutzbestimmungen) ja leider schon länger: und da stört mich erfahrungsgemäß auch das Buch, welches von Taus und Co. jetzt sogar auf der Online-Startseite beworben wird. Ein Sammelband in dem Taus, als Herausgeber mit Hannes Androsch, wirtschaftliche Interessen darlegt.
Einen der „Werte“ welche Liessmann zuletzt am Parteitag ansprach, nämlich den Wert „Leistung“, hat mir diese Kleinigkeit einer Begebenheit so glaube ich auch schon erfahrbar gemacht: „Leistung“ die offenbar keine Fehler erlaubt. Von den Liessmannschen Ästhetizismen, die jemand wie ich – ob mit oder ohne Sonnenbrand – sowieso nicht erfüllen können wird, ganz zu schweigen.

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