Neuer Kommentar zu Sex

Wieder beim Standard (der aktuelle WASD-Artikel von Nina Kiel): ‚Weshalb soll angesichts von Gewaltdarstellungen dieser Mangel nicht verwundern? „Seduce Me“ ist im Prinzip eine Art glamouröses Kartenspiel, bei dem es nicht um Sexualität sondern darum geht „dazu“ zu gehören – in eine noble „Community inkludiert“ zu
werden. Wenn man nicht „hipp“ genug ist, das heißt beim Spiel verliert und/oder sich sonst irgendwie „falsch“ verhält, erniedrigt oder gleich beinhart ausgeschlossen. Dazwischen werden nur, wenn man Glück hat, ein paar Verrenkungen gestählter Riefenstahl-Körper gezeigt: im Übrigen fehlt mir da einiges. Nicht-Visualisierungen unproblematisch. Abstrahiert braucht in Japan nur wenig werden, im Westen die christliche Sexualmoral.
Oder auch, dass es auf Steam mittlerweile sogar etliche Erotikspiele gibt, selbst wenn die meisten Japan nur nachahmen. Doch auch bei „Coming Out On Top“ könnte zunächst etwa versucht werden eine zensierte Version zu veröffentlichen, und diese von den Devs selbst extern ausgebessert. A bissl Guerilla kann schon helfen.‘
Nachtragende Replik: ‚Zumal
es auf Steam mehr Otome zu geben scheint, oder überhaupt nur Otome gern veröffentlicht wird (schon aus politischen Gründen): der Artikel müsste dann auch darauf hinweisen, dass dort „Frauen Männer“ erobern sollen und die Männer den passiven Part übernehmen. Im Ansatz auch auf Konsolen (Hakuoki)
Es stellt sich ebenso die Frage was etwa bei Dating-Sims zu diesem Zweck sonst Sinn machen würde, wenn keine Überzeugungsarbeit mehr zu leisten wär. Das wären dann doch eher (gleich) Sex-Simulatoren auf Konsens-Basis, also etwas anderes
Einmal mehr spricht aus der WASD vor allem eines: einseitig vorgefertigte, dogmatisch konventionelle Ideologie. Viel ist richtig an dem Text, etliche Grundaussagen und Ausblendungen aber erneut (selbst) problematisch.‘

Update: als Ergänzung noch wenigstens drei Titel welche allesamt auch breitwirksam etwa auf Steam kommerziell erhältlich sind, trotz ihrer gezielt alternierenden, sexuellen Implikationen im Artikel jedoch keinerlei Erwähnung finden. Die normiert-repräsentatorischen Gründe dafür können sich selbst ausgemalt werden.

„Kitty Powers‘ Matchmaker“: die queere Dating-Sim mit Dev Rich Franke @AuntieRich als Drag Queen Kitty Powers ist auch als vollwertiger Mobil-Port auf Steam erhältlich.

„My Ex-Boyfriend the Space Tyrant“ ist eine stereotyp schwule Variation des alten MicroProse-Haderns „Rex Nebular and the Comic Gender Bender“ (1992) im Fahrwasser des nicht weniger klischeehaften Heteros „Leisure Suit Larry“.

Schließlich „HuniePop“ – diese Dating-Sim ironisiert in Kombination mit einem Puzzle-Game ihr Genre eher, als dass es sie weiter fortschreiben würde: etwa wenn mit alleinerziehenden Müttern konfrontiert wird – oder ihr Schreibstil an den DS-Starttitel „Sprung“ erinnert und damit eher an Eindrücken aus Frauenzeitschriften, als herkömmliche Männerfantasien.

Update 8. Juni: zum angeblich differenten Verhältnis von Videospielen in Hinblick auf weitere Ausdrucksmittel bei dem Thema: ‚Diese Behauptung ist in Hinblick auf andere Medien doch ein Mythos. Fraglich wie Sex so überhaupt definiert werden soll: Romantik verhindert eher der Umgang mit Konflikten. Im Film Sex meist nur Beiwerk – AutorInnen die das Thema trotzdem regelmässig

in ein Zentrum rückten, wie Breillat oder Brisseau, marginalisiert, galten schnell als diesbezüglich obsessiv
Selbst eine Schmonzette wie Fifty Shades wurde eher skandalisiert. Hinzu kommt, dass der internationale Literaturbetrieb keine Kennzeichnungen kennt. Sogar Comics in Deutschland können höchstens indiziert oder beschlagnahmt werden, werden sonst aber nicht reguliert. Dennoch eine Ausnahmeerscheinung sogar im „freien“ US-Kabelfernsehen: „Tell Me You Love Me“ hat sich nicht halten können
Auch ein „Hung“ thematisiert weniger Sexualität als die Repräsentation von Lebensentwürfen: goutiert werden vor allem „kritische“ Beiträge, die Sex eher kulturpessimistisch-negativ angehen, mit Missbrauch oder „Sucht“ assoziieren – denke nur an „Shame“

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