Weitere Kommentare zu Flaggen und „Brutalität“…

Ideologie und Darstellung. Bei „Südstaaten“: ‚Bevor Fahnen aus historischen Videospielen entfernt werden würde ich mich eher um
das gegenwärtige Mississippi kümmern. Wobei Phil Bryant schon unmissverständlich klar gestellt hat, dass die Fahne bleibt – obwohl es in der Rekonstruktion schonmal eine andere gab, also nach dem Krieg und bis in die 1890er (Magnolienfahne)
Weiterer Fall von (Nicht-)Repräsentation durch Empörung und künstliche Assoziationen: über Jahrzehnte wurde der rassistische Gehalt dieses Symbols verdrängt – bei gleichzeitiger Mythologisierung der Konföderierten als besiegte Underdogs
Für mich als Apple-User zeugt das Verhalten und diese Einstellung nur davon, welch autoritären Kurs Cook eigentlich fährt. Zumindest Valve scheint sich jedoch einmal mehr gegen derlei politische Ansinnen zu stellen: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1100842309943638
Replik: ‚Das erinnert noch mehr an die zentraleuropäischen Revisionismen zum Ersten Weltkrieg: kein militärischer Konflikt „praktisch unvermeidbar“, oder wie ein Naturereignis darzustellen. Das ist einfach widerlich, verantwortungslos und verkörpert nichts anderes als jene ausgrenzende „aus den Augen, aus dem Sinn“-Mentalität die leider wohl auch hinter diesen Zensurmaßnahmen steckt.‘

Bei Hetze gegen „Doom“: ‚Ich hatte auf neue Informationen in
der Sache gehofft, wurde jedoch – einmal mehr – bitter enttäuscht: die Äußerungen sind ja schon ein paar Tage alt. Doch erklären wieso ‚das neue „Doom“ so brutal ist‘ tun sie immer noch nicht: „Kontext“ bedeutet im Übrigen Zusammenhang, wobei zu sagen „is halt so“ gerade das nicht ist.
Die Frage vielmehr was durch weniger explizite, reduzierte Darstellungen und/oder Handlungsmöglichkeiten gewonnen wäre, wenn alle Spiele eine abstrakte oder minimalistische, „kindgerechtere“ Ästhetik aufweisen würden. Am ehesten Artikel wie dieser dann unmöglich, wenn die Gewalt zwar vielleicht nicht verschwunden ist, aber dafür nicht mehr sichtbar wäre: dann würde es keinen Sinn mehr machen Games, wie hier, ständig mit „Brutalität“ in Verbindung zu bringen.‘

Exklusive Illustrationen:
etwa „Gods & Generals“ (2003) stellt den Krieg und dessen „patriotische Freiheits“liebe ebenfalls aus Sicht der Obrigkeiten konföderierter Staaten wie Virginia dar. Anscheinend Grund genug für gewisse Leute, die Sujets (samt Kriegsfahnen) einschlägig zu verwenden – man könnte auch sagen zu missbrauchen. Dennoch sind derlei Streifen mit arivierten Folk-Akteuren wie Bob Dylan kein Gegenstand einer Entrüstung der Werte.
Das „Spiel“ in „Videospiel“ wird bei ernsten Themen immer noch zu dessen Nachteil ausgelegt, dient als expressives Stigma – tauglich für allerlei politische Aufladungen und der Vordringlichkeit einseitiger Interpretationen – zumindest dann, wenn es keinen Rückhalt aus der institutionellen Bildung gibt, sondern vielleicht nur irgendwelche Marketing-Behauptungen.
Die Situation zeigt ebenfalls, dass es für Ungleichbehandlung keine rechtlichen Grundlagen geben braucht (vergleiche lesenswerten Artikel auf GamePro.de hierzu, und zur Naziproblematik in Deutschland). Im Unterschied zum Nationalsozialismus halte ich es darüber hinaus für schwierig eine alternative Fahne in der Darstellung bei Videospielen zum Sezessionskrieg überhaupt zu finden (vergleiche Entnazifizierungen 1957). Immerhin gab es für das „Ultimate Generals – Gettysburg“ im Jahr 1863 ein glückliches Ende und konnte Apple zum Einlenken bewogen werden, auch wenn dafür erst viel Überzeugungsarbeit nötig war.

Abgesehen von meinen üblichen Beispielen wie „Super Mario Bros.“: „Brutalität“ im kürzlich veröffentlichten „Batman“-Spiel oben. In Deutschland hat es dafür offenbar wieder eine Jugendfreigabe bekommen – im Zusammenspiel mit seinem nicht-realistischen Comicsetting. Immerhin: in den USA ist es erstmals nicht mehr ab 13 Jahren. Im Unterschied zu Titeln wie „Medal of Honor“ ging dafür jedoch keine ästhetische Änderung im eigentlichen Gameplay einher – so ist während der Handlungen im Spiel selbst etwa praktisch immer noch so gut wie kein Blut zu sehen (was die journalistische Idee von „Brutalität“ für gewöhnlich erst ausmacht). Gemäß dem DC-Lore wird, quasi trotz seiner „Brutalität“, mittels Scans etc. immer noch suggeriert, dass Batman niemanden umgebracht hätte und ständig von „Bewusstlosen“ gesprochen: Batman schießt auch nicht wirklich – auf der E3 wurden bei Sony dennoch Szenen aus dem interaktiven Intro gezeigt, wo selbst auf potentiell Unbeteiligte mit Schusswaffen gefeuert wird: als gewöhnlicher Streifenpolizist – nicht als Bruce Wayne oder maskierter Vigilant. Einzelne Ausnahmen statischer Gewaltdarstellung bei der Inspizierung von Tatorten, im Film würde man wohl von „Gewaltspitzen“ reden, haben die ESRB dennoch dazu bewogen kein Teen-Rating mehr zu erteilen. Abgesehen von Hinweisen auf lebendige Nacktheit usw. ESRB.
Grundsätzlich positiv in Hinblick auf künstlerische Freiheit: es zeigt, dass Spiele nicht mehr in die eine oder andere Richtung entwickelt werden brauchen. Zumindest zwischen Teen- und Mature-Rating dürfte das ein erster Hinweis sein, dass die Freigaben ökonomisch nicht mehr als sonderlich relevant angesehen werden und den Studios diesbezüglich mehr Freiräume zugestanden werden könnten, das heißt auch ohne dafür auf plakative Änderungen im Spielprinzip zu setzen: so wurde bei Warner zuletzt „Injustice“ noch gezielt dahingehend entwickelt, auf die in „Mortal Kombat“ üblichen, grotesken Gewaltdarstellungen zu verzichten.

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