Teils scharfe Kritik an neuem Entwurf des deutschen Jugendmedienschutz-Staatsvertrages

So kritisiert etwa ein „Vater“ nicht, dass die freiwillige Installation von „Jugendschutzprogrammen“ nur wenig verhindern würde, sondern im Gegenteil dadurch „viel zu viel“ verboten: mit den damit initiierten privaten Internetsperren von YouTube und Co. zeichnet er eher das Bild von Deutschland als eines autoritären Entwicklungslandes, als das eines modernen Rechtsstaates. Während ein Journalismus einem immer noch einreden will, dass es um „Verbote“ gar nicht ginge – erstens bei einer von Industrie und Politik forcierten Software welche öffentliche Medien“verbote“ ja eigentlich verhindern soll, und zweitens obwohl sich der Entwurf ausgesprochen offen und konziliant gibt.
Der VDVC kritisiert etwa die nach wie vor vorhandene Bedeutung von Begriffen wie „Rundfunk“ und „Sendezeiten“, angewendet auf das Internet. In einer vierteiligen Stellungnahme der AK Zensur (Alvar Freude) heißt es zudem, dass die „plötzlich offenbare Medienkonvergenz“ nicht bedeute, „dass das Internet zu Fernsehen oder Kino wird“. Zustimmung kommt derweil vor allem von den „üblichen Verdächtigen“, wie dem Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg, das mit seinen Expertisen in der Vergangenheit gewissermaßen als notorischer Nutznießer von Regulierungen in Deutschland – aus meiner Sicht naturgemäß negativ – aufgefallen ist: einmal mehr scheint dieser Staatsvertrag weniger öffentliche als vielmehr Lobbyinteressen zu vertreten, Medienkonzerne die sich mit der damit einhergehenden Rechtssicherheit ausstatten wollen, während eine Demokratisierung jenseits einseitig autoritärer Medienproduktion, vollzogen von Personen mit zum Beispiel Presseausweis, und durch jede (andere) Person gestaltete Medien dadurch eher vor nachhaltigen Hindernissen gestellt wird – zwischen Empörung über potentiell „unangemessene“ Inhalte, Information, Berieselung und „Zwangsbeglückung“ (Rundfunk-Kultur und Kultur-Rundfunk). Explizit kritisiert, oder auch nur wahrgenommen, wird diese Form der Diskriminierung, also eine Benachteiligung tatsächlich Privater, allerdings noch immer nicht.
Die Erklärung der AK Zensur wirkt zum Beispiel etwas umständlich auf mich, auch weil sie in der Sache zwar offenkundig eine Veränderung von Medien und Welt mitteilen möchte, dabei aber weiterhin an einem aus meiner Sicht längst überkommenen Medienbegriff festhält: so ist es etwa fraglich ob Internet überhaupt noch Medium im engeren Sinne ist, genauso wie ein Gartenzaun kein Medium ist über dem sich zwei Nachbarn unterhalten. Der Gartenzaun für Inhalt, Wirkung und Wertung des Gesprächs nicht unbedingt relevant ist, selbst dann wenn er es technisch, ökonomisch und gesellschaftlich bedingt. Doch eine Situation in den strikten Medienwissenschaften, wo vielfach immer noch reaktionär-normative Konzepte von McLuhan und Co. in Hinblick auf Wirkung und Wertung von und durch Medien referiert werden, hilft natürlich nicht dieses Denken zu ändern.

Advertisements

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter "Kritik", Alltäglichkeiten, Almrausch-Urteile, Alternative Lebensweisen, Arbeitswelt und Realismen, Ästhetische Belange, BärInnendienste, Chauvis, Denkanstöße, Deutschland, Die Welt wird auf der Erde verteidigt, Freiheiten, In eigener Sache, Kapitalistische Verschärfungen, Wirtschaft und Kulturelles, Wort zum Alltag abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s