Kommentar zum „Ghostbusters“-Reboot

Rant: ‚Das sieht Bill Murray wieder ähnlich. Und ist weder als Konzept originell, noch innovativ oder auch nur irgendwie befreiend, sondern vielmehr ein politisch erzwungener Krampf der sowohl mit alternativer Vielfalt als auch vorgeblicher Liberalität nicht das Geringste zu tun hat.
Einfach nur peinliche und vorhersehbare Ideen sind: kaum auszudenken wie „hässlich“ selbst ein „Coyote Ugly“ heutzutage tatsächlich aussehen müsste, damit es gegreenlighted werden würde. Hauptsache die mittlerweile üblichen Vorbehalte können dabei bewahrt und geschützt werden – also eigentlich Konservativismus in autoritärer Reinkultur.
Und letztlich ein Denken das nichts anderes tut als ständig die eigenen Normen des Sollen-Seins und Können-Dürfens zu reproduzieren. In beständig ganz bestimmten, eingeschränkten Bahnen um ja nicht als „sexistisch“, „homophob“ oder „rassistisch“ zu gelten, diesbezüglich unter Umständen negativ aufzufallen.
Genauso wie jegliche Sexualität die nicht zur Repräsentation taugt gnaden- und rücksichtslos kriminalisiert und pathologisiert wird, siehe die letzte Nacht zu Ende gegangene und über den Klee gelobte zweite Staffel vom kryptokatholisch moralisierenden „True Detective“. Und offenbar auch das unschuldige Geisterjagen ist davon betroffen: es ist sich fortan nur mehr zu fürchten wohin sich dieses medikamentierte Amerika mit derlei Körperpolitik noch hinbewegen wird, wenn Hillary erstmal fast an der Macht ist.
Tiefste Reaktion und biederste Anpassung an gesellschaftlich normierte Vorgaben verpackt als angebliche Progressivität. Abscheulich.‘

Replik 11. August: ‚Durch Umkehrung von Stereotypen werden Geschlechterrollen nicht aufgebrochen, sondern weit eher nur zementiert. Das einzige wofür das taugt ist die künstliche Inszenierung eines Geschlechterkampfes, des Dualismus zwischen zwei Konstruktionen – es kann denk ich nicht einmal auf Missstände diesbezüglich aufmerksam machen: früher hatte man eben Männer die sich verkleideten, und eine weibliche Sekretärin – jetzt demonstrativ halt scheinbar einen männlichen Sekretär und Frauen die sich verkleiden. Alles im Dienste des „Realismus“. Auf der Strecke bleibt die nostalgische Erinnerung an die eigene Kindheit mit den „Ghostbusters“, egal ob als Junge oder Mädel, und wo es etwa die Frage ist ob die überhaupt was mit einer Realität von Geschlechtern zu tun haben sollte – wieso sich ein Mädchen mit einem Peter Venkman nicht identifizieren hätte können sollen, weshalb es da überhaupt an entsprechender Repräsentation bedürfen würde: kann mich auch mit Mary Poppins identifizieren, obwohl ich nicht wie Julie Andrews aussehe.
Einerseits wird beim sexuellen Ausdruck mit Verhüllungsgeboten gearbeitet, um die Würde von Frauen zu bewahren und deren Ausbeutung zu verhindern, andererseits wird deren Enthüllung gefordert wenn es um Kopftuchverbote geht: die Chefin der österreichischen Grünen hat gestern im hiesigen Fernsehen, konfrontiert mit Agitation, wieder etwas sehr kluges gesagt, nämlich dass auch ihre Großmutter in Kärnten ein Kopftuch trug. Genauso wie meine Großmutter.
Und bei solchen Geschichten wie mit den „Ghostbusters“ wird einfach geglaubt, das durch eine entsprechende Brille gewissermaßen erst performativ zu „richten“. Dasselbe gilt für das religiöse Erbe und dessen Einfärbung: Hollywood repräsentiert ja das säkulare Armerika, hetzt für gewöhnlich eher gegen etwa den als rückständig begriffenen Bible Belt, vertritt aber insgeheim in Filmen, Serien usw. dieselben „Werte“. Das ist eine riesengroße Charade die da betrieben wird. Und eine Hillary Clinton, die mit Kim Kardashian und andern Symbolen einer oberflächlichen Konsumgesellschaft posiert, gehört da als vorgebliche Repräsentantin dieses angeblich fortschrittlichen Amerikas für mich voll dazu – während die Straßen ansonsten von Obdachlosigkeit gesäumt werden http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/usa-2-5-millionen-obdachlose-kinder-a-1003489.html
Ich bin auch bekennender Katholik, dennoch will ich meine Werte nicht anderen aufzwingen. Wenn ich mich dementsprechend äußere sage ich das dazu – genau das geschieht da aber nicht: Motivation für Inhalte, Interessen und Gefühle werden zunehmend verschleiert – mit der Folge dass die Öffentlichkeit einer massiven Manipulation ausgesetzt wird und gewissermaßen gar nicht mehr wissen kann wie ihr geschieht – eben weil ein offener Diskurs dahingehend auch verhindert wird. Hauptsache Feindbilder und Verschwörungstheorien über all jene die dem nicht zustimmen werden aufgestellt, „hassen“ etc. würden. Und das alles halte ich weder für „gut“, noch „korrekt“ oder auch nur „sozial gerecht“: das einzige was das fördert ist letztlich eine allumfassende Doppelmoral und Unehrlichkeit, eine Gesellschaft der Begünstigungen und Vergünstigungen, aber keine die tatsächliche Vielfalt in Lebensentwürfen (wie auch Frauen die sich in erster Linie als Hausfrauen und Mütter verstehen) anerkennt.‘

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