Kommentar zum grauen Markt

Wieder im VDVC-Forum: ‚(…) die Frage ist schonmal warum es diese Produktkeys dann überhaupt gibt, geschweige denn von welcher Plattform – ich nehme mal an Steam – da überhaupt ausgegangen wird. Stores wie Humble oder GMG sind auch nicht zum grauen Markt zu zählen.
Das ginge theoretisch wirklich nur dann, wenn es nur mehr den digitalen Handel gäbe. Da ist man aber noch sehr weit davon entfernt – wobei gerade im Konsolenbereich die Bedeutung von Ketten wie GameStop in den letzten Jahren sogar eher zunahm, und die Deals mit denen für deren Aktionen gerade im AAA-Bereich eine wiederum ganz andere Sprache sprechen. Schön zu sehen jedes Jahr zur Gamescom-Zeit, denn dann werden die GameStop-Deals für den Herbst veröffentlicht.
Die alljährlichen „Assassin’s Creed“ und „Call of Duty“-Teile sowie Sportspiele betreffen nicht unbedingt erhöhtes Risiko, sondern möglicherweise auch gesichertere Tradition: dass große Publisher wie EA oder Ubisoft wesentlich weniger greenlighten als früher kann auch als Gegenbewegung zum Boom der kleineren Spiele vulgo „Indies“ aufgefasst werden. Und selbst dahingehend funktioniert diese einfache Lösung der Rechtsprechung in Richtung Grey Market nicht. Der graue Markt ist eine komplizierte Angelegenheit, da spielen persönliche Vorlieben und Politiken einzelner Devs ebenso mit hinein wie Günstlingswirtschaft und Marketing-Aktionen. Im Februar gab es auf Polygon eine umfangreiche und differenzierte Darstellung dazu: http://www.polygon.com/2015/2/9/8006693/the-truth-behind-those-mysteriously-cheap-gray-market-game-codes

Mit Untersagungen oder Verboten eines solchen Handels kommt man da nicht weiter. Die können höchstens kurzfristig eine Notbremse sein – so wie Ubisoft ihre digitalen Windows-Produkte aus Origin, dem EA-Store auf PC und Mac, nahm. Im schlimmsten Fall verhindert es eine Verbreitung der Bekanntheit von Spieleperlen und normiert den Markt (noch mehr).
Zudem widerspricht sich diese „Rechtsprechung“ leicht mit den hier wiedergegebenen Feststellungen vom Contract Drafting-Panel, die im Übrigen auch nicht unbedingt stimmig sind: so macht gerade CD Projekt sicher nicht „alles selbst“ – die könnten selbst etwa nie und nimmer den nordamerikanischen Retail-Markt beliefern. Deshalb haben sie Partner, wie früher in Europa Atari oder heute Bandai Namco. Letztere konnten auch „Project CARS“ an Land ziehen. In Nordamerika arbeiten sie für „The Witcher 3“ mit Warner zusammen. Ähnlich die Situation bei einem anderen polnischen AAA, „Dying Light“. Oder auch nur digital, etwa beim Kickstarter-finanzierten „Tesla Effect“ mit Atlus – das kürzlich aufgekauft wurde – ein anderer kleiner japanischer Publisher hinzugezogen wurde, der im Westen sonst kaum Fuß gefasst hat. Da gibt es auch neue Möglichkeiten für kleinere Publisher, nicht nur für die „Indies“ welche angeblich keine mehr bräuchten. Kritische Fragen wären auch ganz andere: wer profitiert von welchen Kooperationen, wo gehen Backer-Gelder letztlich hin usw. Worst Case Szenario – siehe Polygon-Artikel: wenn Devs dem Journalismus Codes zukommen lassen und dort dann widerrechtlich (oder auch nicht?) verkauft werden, die letztlich womöglich wieder weiterverkauft und dann vielleicht irgendwann am grauen Markt erscheinen. Und das schwächste Glied in der potentiellen Korruptionskette soll die Lasten tragen? (…)‘

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