Universal soll Künstler zensieren, wenn Deutsche und SchweizerInnen österreichische Politik nicht „verstehen“…

Bei der Kleinen Zeitung wird ein „Brancheninsider“ zitiert, wonach dieser „erkläre“ weshalb die Meinung eines volkstümlichen Sängers von seiner eigenen Plattenfirma zensiert wird. Es handelt sich offenbar um einen Manager des Sängers, welcher auch der Futurezone als Quelle dient.

So seien 70% der Facebook-Fans des Sängers Deutsche und SchweizerInnen: die hätten „gar nicht gewusst, worum es da geht oder um wen es sich da handelt“. Eine ähnliche Wahrnehmung hätte es schon in Zusammenhang mit dem Vorwurf eines Interessenkonflikts um Milchwerbung mit dem Sänger gegeben: damals kritisierte der Österreichische Bauernbund Werbung für luxemburgische Milch.

Jetzt hatte sich der Sänger auf Facebook über den Umgang mit einem Rechtspolitiker in einer Fernsehsendung empört. Darauf verschwand sein Posting, woraufhin er (und der Politiker) zunächst Facebook Zensur vorwarf – bis sich herausstellte, dass dazwischen seine eigene Plattenfirma einschritt: (eine Münchner Tochter von) Universal.

Dem Standard war die Information nur einen Nebensatz wert: „Laut Presseberichten hat seine Plattenfirma den Beitrag gelöscht.“ Politisch verwertet sollte anscheinend lediglich werden, dass der Sänger vermeintlich den Rechtspolitiker unterstützte – als ob das eine Neuigkeit wäre, wenn etwa Äußerungen zur Geschlechterpolitik der beiden verglichen werden.

Authentizität im Nirgendwo

Am bemerkenswertesten und schlimmsten ist jedoch, dass – wie die Futurezone mit Zitat belegt – der Sänger die Vorgangsweise seiner Plattenfirma jetzt als „Muss“ bezeichnet hat: also der Kreative wusste zwar nichts von seiner Zensur, weshalb nicht einmal von Selbstzensur ausgegangen werden kann, aber das was seine Plattenfirma tat sei trotzdem ein „Muss“ gewesen.

Offen blieb, ob diese politische Haltung nur die Schlagerbranche betrifft. Darüber gab der „Insider“ augenscheinlich keine Auskunft.

Ich fasse zusammen: nicht nur wird das eigene Publikum für so dumm gehalten, dass es sich mit der Politik anderer Länder nicht auskennen würde, nein, die Meinung der eigenen KünstlerInnen wird dementsprechend verzerrt. Auf Facebook spricht mit dem Namen eines real existierenden Menschen deshalb eigentlich eher eine Plattenfirma, deren Identität nicht einmal auf Anhieb klar ist. So findet sich auf der Facebook-Seite kein Copyright von Universal Music, oder sonst wen, und schreibt der Sänger als „Musiker“ scheinbar weiterhin ganz freimütig was ihn bewegt.

Die Seite ist verifiziert und verzeichnet über eine halbe Million AnhängerInnen. Mehrdeutig bleiben hingegen die standardisierten Angaben zur Verifikation durch Facebook: „Facebook hat bestätigt, dass es sich um eine authentische Seite für diese Person des öffentlichen Lebens, dieses Unternehmen oder diese Marke handelt.“ Eine Teilschuld an dieser Manipulation der Öffentlichkeit ist deshalb auch Facebook keineswegs abzusprechen.

Dennoch scheint sogar der Rechtspolitiker akzeptiert zu haben, wieder nachzulesen bei der Kleinen Zeitung, dass es sich nicht um Zensur handelt wenn Universal und nicht Facebook zensiert, oder wie in diesen Kreisen doch eher gesagt wird: „zensuriert“ – darauf deutet jedenfalls eine „Richtigstellung“ des Politikers hin (oder doch nur dessen Managements?).

Ich hatte mir, im Unterschied zu Andreas Gabalier, die „Diskussion“ zur Wienwahl am kommenden Sonntag als angebliche Debatte erst gar nicht angesehen, da mir schon im Vorfeld bewusst war wie einseitig das mit Herrn Strache und dem amtierenden Bürgermeister nur werden konnte.

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