„Street Fighter 5“: Capcom schneidet (unter anderem) den Popoklatscher von R. Mika raus

Änderungen gelten offenbar weltweit – anschauliche Vergleichsbilder gibt es im NeoGAF-Forum. Via Replik: ‚Dieser Logik nach müsste bei sämtlichen Otome-Titel die ich kenne deren sexuelle Konnotation gleich geleugnet werden. Nein.
Die Sexualitäten sind nur unterschiedlich: M/man(n) kann derlei Inszenierungen für plump halten, aber es ist nunmal so dass die (angenommene) Sexualität auf Nacktheit und explizite Darstellungen, suggestive Andeutungen eher reagiert als auf eine Sexualität über Umwege. Und wenn heterosexuelle Frauen die Zielgruppe sind ist es eher andersrum, werden gern feine Linien gezogen, wird vielmehr mit Mimik und Stoffen gearbeitet – eine ganz andere emotionale Bindung zu dermaßen (sehr wohl!) objektivierbaren Körpern aufgebaut.

Selbst Körperteile werden so verschieden wahrgenommen: Männer suchen nachweislich häufig nach Füßen von Frauen, auch ohne darin deshalb einen ausgeprägten Fetisch annehmen zu brauchen – während für Frauen oft Männerhände interessant sind. Der Hintern wäre eine Alternative welche das jeweilige Geschlecht oder dessen Konstruktion in den Hintergrund rücken könnte, das heißt auch im Sinne von Gender Mainstreaming und demokratisch von Vorteil, kann wie hier zu sehen ist aber auch (schon) problematisiert werden, wenn sexueller Ausdruck jenseits von sich „gleichwertig“ vorgestellter Repräsentationen überhaupt abgelehnt wird und etwa davon ausgegangen wird, dass etwas erst „sexualisiert“ (oder „objektifiziert“) werden bräuchte bevor es sexueller Ausdruck (oder objektivierbar) wäre.

Zusammengefasst: Szenen so zu interpretieren, siehe wieder diesen Artikel, heißt, dass etwas erst „sexualisiert“ werden müsste bevor es Sexualität aufweist.

Bei den Spielen für die Männer wird sich diese Mühe meist gar nicht gemacht. Auch Rüstungen werden oft eingesetzt, während ein direkt inszenierter Mann oft eher lächerlich wirkt und die erotische Spannung erfahrungsgemäß eher zerstört.
Die Folge dieser Interpretation könnte etwa sein, dass Frauenfiguren einmal so inszeniert werden wie die Männer in den Otomespielen – das wäre sicherlich ein interessantes Experiment, dessen Wahrnehmung ich wiederum spannend finden würde. Der Grundgedanke ist jedoch zweifellos folgender: das ist ein Kampfspiel in dem Sex keine Rolle spielen sollte, das heißt auch Asexuelle sollten dadurch nicht belästigt werden.

Und dieses Argument hat sicher etwas für sich, vergisst aber dass es sich hierbei um keine Kampfsportsimulationen handelt – auch „Virtua Fighter“ ist (oder SEGA sei Undank leider besser war) das nicht, obwohl repräsentativ früher oft behauptet – und Charakterisierungen im Prügelspiel immer schon aus einem Spiel mit Stereotypien und Erwartungshaltungen bestanden: von der häufig problematisierten Mai Shiranui in „King of Fighters“ bis hin zum vielfach gelobten Bob aus „Tekken“. Von Klischees in den Sidescrollern ganz zu schweigen.
Bemerkenswerter Weise wird sogar bei Noir-Spielen der Typus wie der einer „Femme Fatale“, obwohl in der Grundannahme von deren Fähigkeiten her formal überaus sexistisch, als Referenz noch akzeptiert – hier gelten diese Ästhetiken in Zusammenhang mit Verhüllungsgeboten für Frauen aber sehr schnell als anstößig. Warum?

Ein Grund könnte sein, dass wir in einem Zeitalter leben in dem der Nutzen und die Funktion zunehmend weit über die Form und das Gefühl gestellt werden. Sexualität taugt darin nur mehr zur Repräsentation. Ansonsten gibt es auf der einen Seite lediglich „Porno“, der „Pornografie“ (siehe diverse Artikel zur VR) wird irgendwo noch eine Funktion in Form eines Triebs zugeschrieben (die aber ähnlich wie die Toilette mit einer normierten Idee von „Kultur“ naturalistisch nur wenig gemein hat), auf der anderen Seite aber nur mehr (so interpretierten) „Sexismus“, der analog zu (anderen) Rassismen aus der Welt geschafft werden soll.
Bemerkenswert ist die Selbstverleugnung dabei: „Warum die Änderungen vorgenommen wurden, ist bisher nicht klar. Möglicherweise wollte man das Spiel jedoch dem hinsichtlich sexueller Inhalte eher prüden US-Markt anpassen.“ Da werden die Gründe allen Ernstes wieder mal auf „die Amerikaner“ geschoben, und das obwohl leichte Bekleidung andauernd (einfach zu belegen) auch in der eigenen Redaktion als „entwürdigend“ für Frauen interpretiert wird, als dementsprechend „einseitig“ skandalisiert und damit (als misogyn) abgelehnt. Weil im Sinne der Repräsentation nur mehr gleich fähige Körper objektiviert goutiert werden, gezeigt werden sollen, wie im „Witcher“ oder bei „Dragon Age“ – was ich als Behinderter, wie ich nicht müde werde ständig zu betonen und anzuklagen, trotz aller vorgeblichen Inklusion diskriminierend finde -, gegenüber all jenen die nicht unbedingt immer „Realität“ abgebildet sehen wollen usw. Ansonsten müsste ich etwa fordern, dass „FIFA“ im Rollstuhl gespielt wird, es wenigstens zwei Rolli-Teams dort gibt – was mir nur deshalb nicht zugestanden werden wird, weil ich eine Minderheit bin und meine Meinung nicht „mehrheitsfähig“ ist. Womit sich diese Ideologie des Realismus selbst entlarvt, ist diese Ideologie nichts anderes als fremdenfeindlich (gegenüber allen anderen die ihr nicht zustimmen, als unreif gelten usw.) und schlicht menschenverachtend: denn genau so wird über die Sexualität all derer hergezogen, die Gefallen an den Frauen in „Dead or Alive“ haben, sollen diese eingeschüchtert werden, werden ihre Interessen als „eklig“ beschrieben, weil sie nicht mehrheitsfähig sind – schwebt über allem der Elefant im Raum, dass es kein AAA-Otome gibt (weil die Geschlechterparität bei den AAA-Games größtenteils eine repräsentative Illusion ist), oder dass fast alle Spiele heteronormativ sind, sofern sie nicht nur auf (die vorgebliche) Repräsentation bedacht sind oder jegliche Sexualität aus ihnen verschwiegen/gestrichen/entfernt wird, aber in jedem Fall individuelle Sexualität, Alternativen, Fetische etc. – praktisch alles was jenseits von Normen und Repräsentationen liegt – nach Möglichkeit nur ausblenden (sollen).‘

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