Grundsatzkommentar zur Nachhaltigkeit bei Computer- und Videospielen

Beim VDVC: ‚Diese Informationen über Sony, die leider auch in der Presse so weitergegeben wurden, sind ziemlich dubios: PS2-Emulation bietet Sony wie beschrieben seit Jahren eigentlich nur für die PS3 (!) an. Seltsamer Weise hat sich darüber bislang nur niemand aufgeregt – warum auch…
Momentan sind acht PS2-Titel für die PS4 verfügbar, auf der PS3 waren es insgesamt etwa zwei Dutzend die im Laufe mehrerer Jahre dort veröffentlicht wurden. Und alle auf der PS4 sind, nachdem ich das für diesen Kommentar extra verifiziert habe, dahingehend neu: dachte zwar dass einer davon, „Dark Cloud“, bereits für PS3 veröffentlicht wurde, aber offenbar habe ich mich da geirrt – die auf der PS3 kürzlich veröffentlichte Version von „San Andreas“ ist der von der 360 her bekannte Mobilport.
Wie dem auch sei sind diese PS4-Veröffentlichungen von der PS2, anders als eben auf der PS3, jedoch nicht nur einfache Emulationen, sondern technisch an die PS4 und das PSN angepasst worden, hochauflösend oder bieten Trophy-Unterstützung. Und darüber wie Sony dieses neue Service in Zukunft versorgen wird, oder das Angebot weiter entwickelt, kann des Weiteren gegenwärtig nur spekuliert werden: etwa ob es auf der PS4 einmal überhaupt mehr PS2-Spiele sein werden als auf der PS3.

So zu tun als wäre es eine (weitere) kostenpflichtige Abwärtskompatibilität empfände ich jedoch in jedem Fall als populistisch und unseriös, sowie verhindert eher neue Angebote, als dass es sie fördern würde: die zwei Dutzend PS2-Titel waren auch auf der PS3 nicht sonderlich viel – ich hätte mir schon da wesentlich mehr gewünscht. Hinzu kommt, dass die Herkunft von Veröffentlichungen aufgrund der zum PC homogeneren Technik beider Konsolen von Sony und Microsoft auf PS4 und One undurchsichtiger geworden ist: so handelt es sich bei der kürzlich erfolgten Veröffentlichung von „Final Fantasy VII“ auf der PS4 auch um keine PS1-Umsetzung, wie noch auf der PS3, sondern einen PC-Port – die Portierung eines Re-Releases, der aus wiederum ganz anderen Gründen erfolgte: zur Erinnerung – die ursprüngliche PC-Version von „Final Fantasy VII“ (1997) aus dem Sommer 1998 erschien mit Glide-Unterstützung, das heißt basierte in vollem Umfang auf einer Technik die heutzutage so oder so völlig obsolet ist.
Und ob Sony, anders als Microsoft, dafür „nochmal“ bezahlen lässt, lässt sich darum gar nicht erst sagen – die einzigen Spiele welche bislang dafür in Frage kämen sind an das „Star Wars“-Konsolen-Bundle gebunden und werden vorerst nicht (einzeln) verkauft. Alle bis auf „Super Star Wars“, da liest man dann sogar öfter dass das (auch) ein PS2-Spiel wäre – was völlig inkorrekt ist: „Super Star Wars“ war bislang nur ein SNES-Titel.

Also ich würde sämtliche dieser Veröffentlichungen deshalb eher mit diversen Spielhallen-Umsetzungen vergleichen, wo etwa ein „Metal Slug 3“ auf der PS4 als (noch) viel größere Abzocke wahrgenommen werden könnte, und sie garantiert nicht in die Reihe einer PC/Mac-Debatte stellen, dahingehend ob alte Spiele auf neuen Systemen noch lauffähig sind, oder weiterhin unterstützt werden: diese Re-Releases sind auf der PS4 weder eine Frage von Abwärtskompatiblität, noch von DRM-Maßnahmen – sondern einfach alte Spiele in neuem Gewand die mitunter eine andere Erfahrung bieten sollen (!). Sie bieten, auf relativ einfachem Wege, ältere Inhalte neuen Generationen an – nicht Konsolen oder Computern, sondern Menschen (!).
Anders bei Microsoft, doch auch dort zeigt die Situation dass es nicht wirklich Sinn macht Angebote zu vergleichen: Die Emulation der 360 auf der One kommt einem technischen Wunder der Microsoft-Ingenieurskunst gleich – nicht nur meine Meinung als Nicht-Techniker, sondern dem Vernehmen nach sieht das auch ein ausgewiesener Experte im Technik-Journalismus wie Richard Leadbetter ähnlich: nur waren manche 360-Spiele auf der 360 durchaus schon in der Lage 1080p auszugeben. Die 360-Emulation auf der One kann jedoch nur 720p darstellen und kommt demnach, etwa bei der 360-Umsetzung von „Perfect Dark“, einem technischen Rückschritt gleich, wenn ansonsten alles eine tatsächliche Emulation ist – also eine 1:1-Umsetzung sein soll (!).

Videospiele sind digitales Erbe und der Umgang damit erfordert erhöhte Aufmerksamkeit: Videospiele sind nicht wie die meiste (nicht-elektronische) Musik analogen Ursprungs, da kann sich in der Rezeption nicht darauf ausgeredet werden, dass es auf Vinyl sowieso besser klingen würde und deshalb auf Digitalität mitunter bewusst verzichtet werden – nicht nur in der Verbreitung oder dem Marketing, sondern bei praktisch jeder Form ihrer Wahrnehmung: und deshalb wünsche ich mir nicht, dass es auch auf Handhelds und Konsolen, oder im abgesicherten Mobilbereich, zu einer vereinheitlichten Beliebigkeit und unsozialen Relativierung wie am PC kommt, wo alles überall ständig verfügbar ist – zumindest wenn sich jemand mal darum „gekümmert“ hat und legale Dienste vermieden werden: im Rahmen von Piraterie kursieren schließlich auch die GOG-Pakete erfahrungsgemäß besonders häufig, nicht zuletzt weil sie so handlich sind und in gewisser Hinsicht perfider Weise dem ähneln was die Piraten nach ihren Raubzügen für gewöhnlich zur Verfügung stellen. Doch genau dem laufen Nintendo und neuerdings Sony mit ihren Angeboten an wiederaufbereiteten Spielen entgegen: sie bieten unverwechselbare Erfahrungen, welche neue Hardware mitunter berücksichtigen und im besten Fall trotzdem in der Lage sind ein altes Spielgefühl wiederherzustellen – ohne Inhalte technisch oder ästhetisch zu sehr zu verändern, wegen neuer Technik Gefahr laufen, dass Inhalte und Spielweisen verfälscht oder auf andere Weise manipuliert werden.
Auch ist ein Vergleich zwischen den beiden Angeboten von Sony und Microsoft diesbezüglich nicht unbedingt plausibel und erinnert eher an Äpfel mit Birnen: die PS2 entstammt noch einer Zeit vor dem digitalen Handel, das heißt während Microsoft auf der One nichts anbietet das sie nicht schon für die 360 verkaufen würden, sind sämtliche Veröffentlichungen bei Sony prinzipiell neu, denn Sony ist – abgesehen von ihrem Streaming-Dienst PlayStation Now – technisch überhaupt nicht in der Lage PS3-Titel auf die PS4 zu bringen. Die Verkäufe (samt Werbung) von Microsoft kommen für das Sony-Marketing deshalb nicht einmal in Frage.‘

Korrektur: „Grand Theft Auto 3“ wird als PS2-Emulation auf der PS3 doch angeboten (in Österreich seit dem 04.10.2012), und zwar um 5 Euro billiger als neuerdings auf der PS4. Im Rahmen von „Grand Theft Auto – The Trilogy“ gibt es ebenfalls emulierte PS2-Versionen von „Vice City“ und „San Andreas“ (seit 11.05.2015);

Update 17. Dezember: „Twisted Metal – Black“ ist für PS3 zwischenzeitlich um 2 Euro günstiger als die PS4-Version (wieder) erhältlich;

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