Neues zu Capcom

Bei Webedia: ‚Ich habe über Zensur in Videospielen promoviert und wüsste echt gern was es da zu „verwechseln“ gäbe: das ist im Gegenteil geradezu ein Paradebeispiel für Selbstzensur. Zensur meint in diesem Sinne Informationskontrolle und die allermeiste Zensur ist Selbstzensur, sowie geschieht nicht im Sinne von Staaten, sondern im Sinne einer normiert gedachten Gesellschaft die unerwünschte Meinung oder Information auszusortieren gedenkt.
„Street Fighter 5“ drückt mit dermaßen unerwünschten Darstellungen eine normabweichende Sexualität aus und bedient damit Gruppen welche die Branche (zumindest im Westen) auszugrenzen sucht, oder mit Verschwörungstheorien wie „GamerGate“ zuzuschütten. Und die damit vertretenen Positionen referieren klarer Weise die bekannten dagegen gestellten puritanisch-autokratischen Frauenbilder – wie misogyn und sexistisch diese auch selbst immer sind, oder wie menschenverachtend und behindertenfeindlich ich diese als von dieser Form des Journalismus und Politik unmittelbar betroffene Person ebenfalls empfinden mag: sie halten nichts anderes als ein ungesittetes Verhalten vor, definieren zumindest indirekt jene „Leben“ (Lebens“formen“ und Lebensweisen) die sie als „vollwertig“ ansehen, nur gelten lassen wollen, spielen dahingehend Mehrheiten gegen Minderheiten aus und kehren damit ihre eigenen Ideale der Inklusion praktisch um: bevor andere sexuelle Orientierungen erst erlaubt werden, machen sie vorsichtshalber gleich alle zunichte, denn es könnte ja jemand denken »Das ist absolut nicht in Ordnung«.

Das Statement drückt nur eines aus, nämlich dass Identifikation, Lust und Begehren verweigert werden sollen. Es führt auch eklatant vor Augen was in dieser Industrie mittlerweile los ist, alles falsch läuft, denn nicht etwa die Gewalt in „Street Fighter“ betrifft das, sondern die Körper und deren Bewegungen müssen vor (oder nach) den Kämpfen verhüllt oder verschleiert werden, dürfen anderen Körpern nicht präsentiert werden (jenen vor den Bildschirmen oder mit den Helmen) – die sich, wie ich, vielleicht nicht so bewegen können wie sie. Mit einer von Zucht und Ordnung geprägten „Realität“ als scheinbar einzigen Maßstab.
Das einzige dem allenthalben applaudiert wird, rundum Begeisterung zufliesst, ist ein Leistungsethos von „Fähigkeiten“ und ein naturalistisches Gefühl für „Überleben“ gepaart mit selbstgerechter Justiz, das „gute“ und „schöne Leben“ aus Werbespots, Seifenopern und Wellness-Sendungen: die vorgebliche „Vielfalt“ eines Lebensstils der letztlich doch nur „mehrheitsfähige“ Einheit und kollektivistisch-kommunitaristischen Gleichklang bedeutet. Alles Vorgaben der (anderen) Breitenmedien, denen sich jetzt halt auch Videospiele so bemüssigt fühlen anzupassen.

Und das zeigt mir nur wie hier zusammen mit der Ideologie „Videospiele für alle“ manipuliert werden soll: wenn zu einem Thema oder einer Darstellung etwa „in sich gegangen“ wird und danach beschlossen Inhalte zu verändern, geschieht dies demnach klarer Weise aufgrund einer befürchteten Außenwahrnehmung, also aus Angst dass Inhalte abgelehnt werden könnten, „Kritik“ diesbezüglich erfahren werden kann oder schon zu erwarten wäre – also in vorauseilendem Gehorsam als zustimmende Reaktion und sehr wohl in Hinblick auf Druck von außen. Was denn sonst?
Darüber hinaus ist die Begründung absurd: wenn „von vorne“ angefangen werden möchte, weshalb wurde dann für die Figur Rainbow Mika dieses Design, oder dieses Kostüm, überhaupt gewählt, und soll das weiterhin offenbar nicht ausgetauscht werden, wenn doch mit Traditionen (diesbezüglich) gebrochen werden soll? Doppelmoralisch, denn eine höchst kommerziell orientierte Franchise wie diese setzt natürlich vor allem auf Wiedererkennungswert(e), egal ob im Marketing – oder dem Spiel selbst.‘

Advertisements

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter "Kritik", Allgemein, Alltäglichkeiten, Almrausch-Urteile, Almrauschen, Alternative Lebensweisen, Amerika, Arbeitswelt und Realismen, Ästhetische Belange, BärInnendienste, Biologismus, Chauvis, Denkanstöße, Der Mayer ging zur Presse..., Deutschland, Die Welt wird auf der Erde verteidigt, Freiheiten, In eigener Sache, Kapitalistische Verschärfungen, Post vom Mayer, Retrospektiven, Wirtschaft und Kulturelles, Wort zum Alltag abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s