Was feiert die Videospielpresse da eigentlich?

Dass Geoff Keighley darauf hingewiesen hat, dass der Konami-Konzern Hideo Kojima nicht an seiner Preisverleihung teilnehmen lassen wollte und der Designer dem auch nachkam (!), um keinen potentiellen Vertragsbruch zu begehen, war ein ethischer Mindeststandard – weder eine Großtat von Keighley, noch besonders mutig zu nennen.
Zumindest in einer Welt die nicht von Corporate Interests geprägt wäre, denn Seiten wie Gametrailers feiern den Auftritt und das Verhalten des Produzenten oder Moderators, dieses bestenfalls Mindestmaß an Ehrlichkeit: über andere Einflussnahmen hinter den Kulissen der Branche kann deshalb nur spekuliert werden, wenn Editorials bereits so aussehen können, und das Zeitalter eines Jonathan Swift lässt in der Videospielindustrie dabei scheinbar immer mehr grüßen: immer mehr wird dem Vernehmen nach abgewogen, was, in öffentlichen Interessen längerfristig besser nicht publiziert werden sollte, verhindert usw.

Man vergleiche etwa die „Satire“ der „GTA“-Franchise mit dessen zumindest tatsächlich unabhängigeren Gegenstück: „NotGTAV“ auf Steam. Die vermeintliche Hommage offenbart nämlich vor allem die Schwächen des scheinbaren Vorbilds, denn während ein GTA mit seinen Abstraktionen und/oder Verfremdungen Realität vor allem verschleiert, letztlich (auch) Selbstzensur bedeutet, kann dahinter genauso gut die Akzeptanz von Markenschutz und die Wahrung von Marktinteressen vermutet werden – also auch UrheberInnenrecht das selbst im Sinne von „Satire“ so durchgesetzt wird, wobei es dann schon deren Parodie (wie „NotGTAV“) bedarf um das (wieder) zu entlarven. Es liegt die Vermutung nahe, dass diese oberflächlich-zurückhaltende Form des Kommerz – abgesehen von ihren eigentlichen Inhalten – im Marketing demnach einer Charade gleichkommt: wer was will und eigentlich (nicht) durchzusetzen gedenkt, bleibt unbekannt. Darüber hinaus werden dadurch keine Vorurteile und Ressentiments gegenüber dem kommerziellen Charakter der Ausdrucksform verhindert, wenn etwa mit Bedacht auf mögliche Klagen (ob von Lindsay Lohan oder Manuel Noriega) Ähnlichkeiten vermieden werden.
Dass in „GTA“ origineller Weise keine Kinder anzutreffen sind mag dabei zwar eine (noch) freie Designentscheidung gewesen sein – genauso wie im unzensierten „Fallout 2“ noch welche vorhanden waren, in „Fallout 3“ und „Skyrim“ diesen aber keine Gewalt mehr angetan werden konnte – wie die Freiheitsstatue, New York, Kalifornien oder Apple-Produkte darin aussehen, dafür längst nicht mehr. Und die Satire um ihrer Selbst Willen sehr angreifbar.
In Videos auf YouTube wird etwa durchaus glaubhaft darauf hingewiesen, dass schon in „Ground Zeroes“ – also etwa ein Jahr vor Publik-Werdung der Querelen im letzten März – Hinweise auf die kritische Situation bei Konami enthalten waren:

Ich habe bislang zwar immer noch nur die ersten Minuten von „The Phantom Pain“ gespielt, aber wer ein Videospiel schon mit Cioran beginnt, über das Thema Sprache offensichtlich Syntax und Erbrechen zusammenbringen will, sollte sich persönlich nicht unbedingt am Gängelband irgendwelcher Firmen befinden, um – bei aller gleichzeitiger Neigung zum lustvollen Humor – ernstgenommen zu werden.

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