Die Ungeheuer und die Übergangenen: Kommentar zur (US-)Filmwirtschaft, Oscars und Himbeeren

Bei Webedia: ‚Bekommt jemand eine ganze Reihe dieser „Negativpreise“ wird deren Bedeutung demnach plötzlich wieder in ihr Gegenteil verkehrt und wäre die vermeintliche Schmähung dann eine Ehre. Diese Logik finde ich doch interessant.
Ich glaub aber eher, dass bei dem Output den Hollywood übers Jahr so liefert und der bei den zunehmend lächerlicher werdenden Oscarverleihungen prämiert wird, solche Negativpreise immer schon eine „positive“ Auszeichnung gewesen sind: zumal sie gewissermaßen ja das „repräsentieren“ sollen was dort übergangen wurde, nur halt nicht sonst auch politisch genehm ist – oder respektabel wäre.

Der schwarze Bevölkerungsanteil in den USA liegt zwischen 10 und 15%, ist damit ähnlich hoch wie der von Menschen mit Behinderungen wie mir – dennoch wurden zum „Ausgleich“ für alle Nicht-Nominierten daraus über 20% der PräsentatorInnen gewählt. Quasi als „Black Lives Matter“-„Kompensation“ im Rahmen dieser Viktimisierung. Denn ähnlich sieht es bei der Geschlechterrepräsentation aus, oder wo sind die Filmkomponistinnen? Warum gibt es eher weibliche Cutter als männliche Masken- und Kostümbildner?
Menschen wie mich sah ich jedoch weder auf der Bühne, noch im Publikum sitzen. Hinzu kamen unhaltbare Behauptungen wie von Sam Smith und anderer, die sozial ohnehin akzeptiert sind. Schließlich variierte der Vizepräsident den unsäglichen „rape culture“-term: ja, „die Kultur“ gehört tatsächlich geändert, und zwar diese Kultur moralischer Überlegenheit.
Denn die Oscars waren in diesen Jahren rassistischer denn je, und zwar gegenüber allen Menschen die keine Lobby haben und nicht von pressure groups supported werden, die diesbezüglich an ständig neuen Werturteilen und Ausgrenzungen arbeiten – für alle die eben nicht „dazugehören“, deren Körper und Gedankengut nicht in ihre Schemata passen. Und weshalb Charlotte Rampling heuer auch verloren hat, in einer Gesellschaft welche beständig unfreier wird – genau diese Unfreiheit aber als positiven Wert verkaufen will, Vorurteile und Vorbehalte noch als „Inklusion“ im Sinne von Diversität: auf Kosten all jener die nicht das richtige Geschlecht, nicht die richtige Hautfarbe haben – ausreichend „funktionierende“ Körper aufweisen oder anders denken.‘

Nicht nur die dementsprechend politisierten Showacts, sondern auch die Akademiepräsidentin und damit eigentliche Gastgeberin der Oscarverleihungen Cheryl Boone Isaacs selbst entspricht körperlich nicht den „kritisierten“ Verhältnissen. Dennoch repräsentiere die Veranstaltung über „soziale Bewegungen“ wie #oscarssowhite traditionelle Rassismen, werden andere Gründe abgelehnt bis als selbst problematisch problematisiert verworfen – allesamt typische Muster der Umkehrung politisch-moralischer Macht und Gewalt, um sich mit anderen Klassenbeziehungen nicht beschäftigen zu brauchen. Das einzige was scheinbar weiterhin zählt ist die Oberfläche von Äußerlichkeiten, von Schuld und Sühne, Ursache und PR-Wirksamkeit.

Dieser Kommentar entstand anlässlich des Tages der seltenen Krankheiten 2016.

Nachtrag zur vorgeblichen „Ausgeglichenheit“: ‚Die möglichen Gewinne, nicht die Preisvergabe selbst. Der Rest völlig unverhältnismäßig politisiert. Der einzige Trost war, dass die mehr oder weniger eingeladenen Boykottierenden noch moralisierender gewesen sind. Anstatt andere Menschen, wurden mit
über 20% „entsprechende“ Präsentation bestellt. Sogar Quincy Jones und Louis Gossett Jr. wurden reaktiviert.
Letztlich lief es genau darauf hinaus, worauf es schon immer hinausgelaufen ist, dass die Schwarzen die Weißen unterhalten sollen, oder sie bedienen – und sei es ihnen eine solche Statuette zu überreichen…
Und als Mensch mit Behinderung sah ich mich überhaupt nicht vertreten, weder auf der Bühne – noch im Publikum – obwohl der US-Bevölkerungsanteil mit 15% ähnlich hoch ist. Dass die Akademie weiß und überaltert ist hat jedenfalls ganz andere Gründe als die Hautfarbe, aber alle welche die Präsidentin – welche das festgestellte „Problem“ keineswegs repräsentiert – auch nicht ändern kann, oder mit ihren Ideen auch nur ansprechen wird.‘

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