Hauptsache autoritär: die politische Rechte kann viele Gesichter aufweisen

Kommentar zu den heutigen Landtagswahlen in Deutschland: dass der Wahlabend eher unspektakulär ausfällt war nicht unbedingt zu erwarten. Dafür legt die an Ignoranz kaum zu überbietende, formalistische Ausgrenzungspolitik des öffentlich-rechtlichen Fernsehens „gegen“ die AfD eine punktgenaue Landung hin, genau so wie in Amerika vermutlich erst die vielen vermeintlich „kritischen“ Stimmen einen wie Trump als „große Gefahr“ und „ernsthaften“ Präsidentschaftskandidaten einzuzementieren vermochten. Selbst in rechten Zentralorganen wie auf Fox News.

„Kretsch!“ stand dafür auf SPON. Dabei ist „Der Spiegel“ ungefähr so links wie die „Emma“ feministisch, also längst praktisch gar nicht mehr – dafür vor allem bürgerliche Werte vermittelnd: sei es moralchauvinistisch, sei es das neue Biedermeier betreffend – oder die Dienstleistungsgesellschaft. Hauptsache ein gemeinsamer Feind steht fest, pardon, ein gemeinsamer „Gegner“ – eine gemeinsame Botschaft, und sei diese selbst noch so sehr von eigener Ausgrenzung betroffen.

Die AfD ist dieser „Gegner“. Das kann – bei aller Bewahrung und jedem Sicherheitsdenken – schon übersehen werden.

Regelrecht absurd dabei einen Politiker wie Winfried Kretschmann als Antipoden zum „konservativen Stammland“ zu erklären. Vor mindestens einem Jahr schrieb deshalb ein User bei der Frankfurter Rundschau zum Bundesparteitag der deutschen Grünen 2014: „Kretschmann, der beste Ministerpräsident den die CDU in Baden-Württemberg je hatte. Die SPD ist in Sachen Asylrechtrecht immer wieder eingeknickt. Das toppt mittlerweile Kretschmann an Gewissenslosigkeit. Einst KBW, heute rechter Grüner, Hauptsache immer autoritär!“ Und das war wahrscheinlich sogar noch vor der heute konstruierten „Krise“ um fundamentale Menschenrechte so, vor absurden Unworten wie der Ablehnung eines „Durchwinkens“ (was auch immer das eigentlich heißen soll) hier in Österreich, usw. Bevor es zum rationalistischen Allgemeingut wurde, Migration mit Kriminalität zusammen zu bringen, Geflüchtete mit Kriminellen.

In einer Gesellschaft die sich gegenseitig rechts überholt, außer den eigenen Seilschaften immer weniger zu kennen (geschweige denn akzeptieren) scheint, „Toleranz“ im Sinne von „Erdulden“ und „Ertragen“ als Bürde reduziert ausweist, holt eine vormals linke Partei erstmals den Sieg mit einem Mann, in dem sich dieser als stand- und tugendhafter Unterstützer einer Frau im Bundeskanzleramt beweist, die Gesetz den Fall ihrer eigenen ja eigentlich auch eine Rechtspolitikerin gewesen wäre. Trotzdem wird von der bürgerlichen „Mitte“ nur das was so deklariert wird, auch so (nicht an)gesehen.

Sollte die Kommentarfunktion beim „Ersten“ mal überhaupt aufrecht erhalten bleiben, bemüht folgerichtig ein anderer heute dort Rüdiger Safranski ‚(…) in der ARD: „Das Hauptproblem ist die Verleumdung der Mitte, die Identifizierung der Mitte mit dem rechten Rand – und das würde ich den Regierungspopulismus nennen“‚. Wobei Figuren wie Kretschmann diesem dumpfen Gefühl (und Kalkül!) halt auch eher entsprechen, als dass sie ihm entsagen würden.

Hauptsache dieses Gefühl findet seine Personifikation. Und da scheint es egal, wenn dahinter es trotzdem gelingt, das heißt trotz aller unspektakulärer Modifikationen dennoch, einer neuen Partei mit aus dem Stand bis zu einem Viertel der Stimmen, sich in die etablierten Runden der Alten einzuschleichen. Vom Ost-West-Konflikt, der innerhalb Deutschlands damit weiterhin einhergeht, ganz zu schweigen.

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