Metastasen auf Knopfdruck wachsen lassen: Prix Ars Electronica zeichnet Videospiel aus

Wenn Betroffenheitskitsch unter naturalistischer Berufung auf „Sozialwissenschaft“ wie dem „Milgram-Experiment“ eine Symbiose eingeht: der Videospielsektor ist zweifellos voll von in Feuilletons als „unabhängige“ Alternativen viel gelobten, aber trotzdem absolut widerwärtigen und komplett geschmacklosen Produktionen. Wo keine verunglimpfte „Gewaltverherrlichung“, kein über diverse Seduktionstheorien ausgewiesener „Schund“ im (Ver-)Bildungskarusell je auch nur ansatzweise „mithalten“ kann.

Doch wohlfeilen Abstraktionen und „Management“-Ritualen sei Dank tut dies ihrer Zustimmung, ihrem angeblich Nachdenklich-Machen „im Unterschied“, also (auch) als „Differenzierung“, keinen Abbruch – sei es ob nun m „Prison Architect“ aus Gründen der „Gerechtigkeit“, oder des „Rechts“ (im Sinne von Gesetzeslage), elektronische Stühle fabriziert werden sollen, oder in einem „Defcon“ gleich die ganze Menschheit abstrahiert-ästhetisiert vernichtet wird.

Die Ausbreitung einer Krebserkrankung zu steuern, dem Krebs dabei eine gewissermaßen „ethische“ Entscheidungsgewalt zu geben, weist trotz humorvoll-kommerziellem „Surgeon Simulator“ vielleicht aber doch eine neue „Qualität“ der Perfidie auf, noch dazu da sie in Linz offenbar bewusst als Gegengewicht zu anderen, dort ausgegrenzten, Games und „Nachdenklichkeit“ prämiert wurde – der Standard berichtet (natürlich) völlig unkritisch darüber. Über diese „berührende“ (!) „Entscheidung“ – gegen alles das sonst als „gewaltverherrlichend“, militarisierend, „sexistisch“ usw. gilt.

Während traditionelle Games eben weiterhin abgelehnt werden, sei es wegen vorgeblicher Gedankenlosigkeit, einem Dafürhalten von „Krieg“, dem ansonsten als verwerflich empundenem Materialismus, expliziten Gewaltdarstellungen, oder unerwünschten „Sexualisierungen“: die eigene strukturelle Gewalt, argumentative Brutalität im Umgang mit Andersdenkenden, die ganze menschenverachtende Agitation, genuin fremdenfeindliche Deklaration, samt aggressiven Verleumdungen und dementsprechender Unterstellungen, TäterInnen-Opfer-Umkehrungen, einseitiger Körperpolitik, die Reduktion normativer Wellness-„Kultur“ und „Geist“ auf „Gutem“ und „Schönem“, zählen da nicht. Aber man wär‘ ja so „liberal“ und „inklusiv“, für „Diversität“ und „progressiv“. Im Adornoschen Sinn ja nur gegen „Reproduktionen“, ohne zu fragen was da über welche Episteme (und Ideologie!) erstmal überhaupt festgestellt worden wäre – auf Basis welcher Begriffe. Auf Twitter und sowieso überall, für „jeden“…

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