Replik beim VDVC

Zu Kommentar: Allen Unzulänglichkeiten im Einstieg zum Trotz: Markus Böhm hat sich in in der Vergangenheit keineswegs wirklich mit völlig unüberlegten Texten präsentiert. So hier:
‚Erwähnen sollte man auch, dass die von der „FAS“ porträtierte Videonische kein Massenphänomen ist: Die teils Jahre oder Monate alten Videos haben mitunter nur Dutzende Klicks, viele dubiose Steam-Gruppen haben nur eine Handvoll Mitglieder. Auf Steam gibt es sogar zahlreiche Gruppen gegen Amokläufe.‘
So ein Absatz steht mittendrin da. Einfach so – „muss“ auch nicht sein, ist dafür lobenswert.

Dieses reflexartige „nur ein Spiel“, oder diese Reduktion auf materielle Kultur wie Modelleisenbahnen, deshalb mindestens so übel wie Games pauschalisierend bei Gewaltverbrechen mit Schuldzuweisungen zu belasten, oder Gamer gleich als Verbrecher zu verallgemeinern: Gewaltfantasien fiktional auszudrücken mag für einzelne Personen durchaus befreiend sein ohne dass dabei jemand zu schaden kommt – öffentlich kommuniziert werden sie aber schnell zu einem Problem. Dann kann die häufig negativ gedachte Gefahr wahrhaftig im Verzug sein.

Und das wurde schon in anderen Medienbereichen bemerkt, deshalb dort auch weitgehend abgestellt: Games sind hier noch jungfräulich, doch da etwa Mods zunehmend auch in den Konsolensektor drängen, wird dieses Problem (im Unterschied zu den Games selbst) in Richtung Massenmarkt wohl auch akuter. Und einer Öffentlichkeit die vielfach leider ohnehin schon ganze Genres als Gewaltfantasien wahrnimmt, sollte genau dieser Unterschied bestenfalls auch beigebracht werden.
Meiner Erfahrung nach beschreibt dieser Artikel höchstens die Spitze eines Eisberges und ich bin dafür auch dankbar – hier im Forum wurde diese Situation, vor allem in Hinblick auf tendenziell rechtsextreme Zirkel, im Ansatz ebenfalls bereits diskutiert (…) Ich finde es sehr bedauerlich, dass ein „kritischer“ Journalismus sonst eher nur nach einfachen Feindbildern, wie in der Vergangenheit etwa GamerGate, suchte und diese dann einer Ressentiment-beladenen Öffentlichkeit, deren Vorurteile bestätigend, vorstellte.

Hier ginge es jedoch darum tiefer zu bohren und auch Verstrickungen von Firmen wie Valve in diese Angelegenheiten endlich einmal zu beleuchten, ich behaupte: es hat einen Grund weshalb sich Videospiele (auch) mit Gewalt auseinander setzen – und keinen unbedingt negativen.
Ansonsten, wenn es sich damit tatsächlich so verhalten würde wie etwa mit Modelleisenbahnen, könnten sie sich ja auch mit anderen Themen beschäftigen – dieser Vergleich ist also bestenfalls kontraproduktiv und verhindert (oder verlagert) erst den öffentlichen Umgang zu Ungunsten ihrer vorhandenen Inhalte.

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