Stellungnahme zu „Criminal Girls“

Plauderei aus dem Nähkästchen – im VDVC-Forum: ‚Ich weiß ja nicht wer die „for UNCUT!“-Ankündigungen auf Steam macht, aber dort wurde doch schon korrekt geschrieben dass das Spiel für den westlichen Markt bereits vorab zensiert wurde!?
Würde deshalb eher die Informationen des Publishers anzweifeln: auch 4players enthüllt, dass die sich mit der deutschen Gesetzgebung eher nicht auskennen (…)
Rechtspositivismus anzuwenden halte ich deshalb einmal mehr für sehr unangebracht, wobei ich persönlich das ja ziemlich peinlich von NIS finde: da zensieren sie Jahr und Tag sämtliche „Criminal Girls“-Spiele und schieben dann noch eine solche Meldung hinterher… Gehe eher davon aus, dass es sich etwa um Darstellungen handeln wird die Sony schon dazu bewegt haben „Twisted Metal“ für die PS3 in ganz Europa zu zensieren – also höchstens im Ansatz sexuelle Gewaltdarstellungen, die vielleicht als „sexualisiert“ interpretiert wurden. Aber Pornografie schließt die Politik des Publishers schon selbst praktisch aus – ansonsten sehe ich vor allem diesen gefordert, dass er erklärt was er an sexuellen Inhalten da trotzdem integriert hat und betroffen gewesen wäre. Abgesehen von der Marketing-Intention News-Meldungen zu produzieren – neben der Lust am vermeintlich Verbotenem.
Scheinminderjährige meint im Übrigen, dass Erwachsene Minderjährige performen – nicht dass wer etwa „so aussieht als ob“. Das konnte vor ein paar Jahren zwar auch befürchtet werden, habe mich damals selbst dorthin verstiegen, war aber wohl unbegründet.
In Zeiten des Internets bestimmen auch eher die Kreditkartenfirmen was erlaubt ist und was nicht – bevor sich ein Staat überhaupt einmischen braucht. In den letzten zehn Jahren kam es diesbezüglich zu einer Quasi-Selbstregulierung des sichtbaren Netzes. Eine Ausnahme stellt nur japanische Pornografie dar – mangels mancher Übersetzung und damit verbundenem Verständnis.
Internetseiten die mit solchen Fantasien gearbeitet haben sind verschwunden, oder Firmen haben ihren Geschäftsbereich verlagert. Auch der BDSM-Sektor wird diesbezüglich kontrolliert – mit inszenierten Vergewaltigungen etc. kann dort eigentlich nicht mehr geworben werden.
Vor fünf Jahren gab es wegen der Lanzarote-Konvention da mal eine Moralpanik. Zudem existiert in Nordeuropa eine entsprechende Gesetzgebung. Vorsorglich wurde deshalb „Dead or Alive – Dimensions“ für den 3DS (USK-12) in Skandinavien nicht veröffentlicht, doch selbst die dortige Exekutive meinte daraufhin dass das Spiel doch nicht betroffen gewesen wäre.

Tauchen in „South Park“ (vermeintlich) sexuelle Inhalte auf, liegt ein Vorwurf der Kinderpornografie eigentlich immer nahe: von Scheinminderjährigen zu sprechen ist bei virtuellen Darstellungen (Zeichnungen etc.) nicht angebracht, Minderjährige sind dort immer Minderjährige. Und die Figuren in „South Park“ sollen ja sogar Grundschüler sein…

Formal entlastend (wie 2014 als Ubisoft obige Szenen aus einem Spiel für Europa, Afrika und den Nahen Osten – EMEA – entfernen ließ) wäre lediglich der Umstand, dass die Sprecher Erwachsene sind. Doch genau so verhält es sich interpretatorisch ja nicht:

erstens ist die Ästhetik von „South Park“ nicht naturalistisch, und zweitens sind die Grundschüler über Zuschreibungen wie „männlich“ etc. hinaus kaum je sexualisiert.

Die Vorstellung einer Sexualisierung geht allein sprachlich von einer Grundannahme aus, die besagt dass eine Darstellung (Gegenstand oder Lebewesen) nicht von sich aus einen sexuellen Charakter aufweisen würde, wobei um diese Behauptung abzuschwächen die Zuschreibung häufig auf eine „Übersexualisierung“ reduziert wird, also einem Zuviel an Sexualität (wohingegen „sexuelle Orientierung“ als egalitäres „Recht“ usw. asexuell beschrieben wird). Ideologisch erinnert diese heutzutage, teilweise mittlerweile auch rechtlich, angewandte Sexualpolitik stark an den Rousseauschen Naturzustand. Analog wären Figuren nicht von sich aus Objekte eines Begehrens, nein, sie würden erst dazu gemacht, das heißt in diese Richtung entwürdigt, werden. Und bei etwa Kindern ist diese Idee ja auch angebracht, wenn etwa davon ausgegangen wird, dass sie keine sexuellen Wesen wären, oder zwischen Ausbeutung und Selbstbestimmung dahingehend abgewogen wird.

Inhalte wie in „South Park“ führen diese Situation jedoch – wohl bewusst – ad absurdum…

Und in Hinblick auf „Criminal Girls“ würden sich vorerst sowieso noch ganz andere Fragestellungen ergeben

Nachtrag (7. August) zu „Criminal Girls 2“: ‚(…) ich gebe weiterhin zu bedenken, dass es sich hier um eine japanische Vita-Veröffentlichung handelt. Die Existenz von Nacktheit im europäischen Sinn ist bei dieser Veröffentlichung deshalb völlig ausgeschlossen – geschweige denn nackte Kinder…
Darüber hinaus hat der Publisher eben noch Maßnahmen ergriffen, die zu einer weiteren Entsexualisierung des Titels beitragen sollen – und allein deren Ergebnis kann der USK demnach vorgelegt worden sein, wurde, aus welchen Gründen auch immer, abgelehnt.
Bevor also in irgendwelchen Gesetzestexten gekramt wird, sollte sich besser mal informiert werden um welche Form von Spiel es sich hier eigentlich handelt. Diesbezüglich lese ich in diesem Forum aber praktisch nur Vorurteile.

Dabei scheint in diesem Fall eine relativ transparente Politik betrieben worden zu sein: (…) Wie branchenüblich wurde sich offensichtlich an der ESRB orientiert und der Publisher geht davon aus, dass die zusätzlich vorgenommenen Änderungen – neben der PEGI – für die Vermeidung eines AO-Ratings auch dort gut ankommen, der Titel also ein M-Rating erhalten wird:

(…)

Es ist zwar möglich, dass auch die Darstellung bekleideter Minderjähriger darunter fällt, wahrscheinlicher ist jedoch dass die USK – im Unterschied zur PEGI, wo da sehr positivistisch vorgegangen wird – Zensurierungen bei Gewaltdarstellungen über etwa Balken nicht anerkannt hat: die USK hat die Freiheit sich über die empirischen Gegebenheiten des Sichtbaren hinwegzusetzen und sich sozusagen eine eigene Meinung zu bilden. Bereits 2014 wurde beim „South Park“-Spiel die Jugendbeeinträchtigung aus sexuell interpretierten Szenen mit den Grundschülern anhand der Steam-Version damals deutlich höher eingestuft (USK-18) als ohne (USK-16), war also schon damals annähernd an der Grenze – hier dürfte sie jetzt dann ganz einfach überschritten worden sein.
Viele Vitaspiele werden ebenfalls nur digital veröffentlicht, aber alle am deutschen PSN müssen sich einer USK-Prüfung unterziehen. Dass auf Steam so oft kein Wert auf ein USK-Kennzeichen gelegt wird, das regelmäßig praktisch nur die großen Publisher dort tun (bei meist ohnehin parallel erfolgenden Konsolenveröffentlichungen), hat ganz andere Gründe, oft weil es dort Veröffentlichungen gibt die so klein sind, dass sich der Hersteller eine Prüfung vermutlich nicht einmal leisten könnte – hinzu kommt die zentrale Führung der im Vergleich zu Konsolenstandards immer noch relativ offenen Plattform und ein nur sehr niedriges Niveau an Qualitätskontrolle. Theoretisch würde der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sowohl den PSN als auch Steam betreffen, in der Praxis wird das durch die aus den USK-Kennzeichen erfolgende Rechtssicherheit bei ersterem aber übergangen.‘

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