Letzte Stellungnahme beim VDVC

Wieder zu einer wenigstens indirekt angenommenen Vielfalt. Replik: ‚Das noch zu wiederholen ändert nichts daran, dass darüber ein Diskurs erst gar nicht stattfindet. Das ist bestenfalls die Rezitation einer eigenen Selbstgerechtigkeit, derselbe Egoismus welcher den „Ego-Shootern“ für gewöhnlich vorgeworfen wird. Und damit wird eben kein Ausbruch von Vorbehalten verhindert, keine Vielzahl an Ressentiments eingedämmt, angegangen, nicht einmal herausgefordert.
Das Problem ist nicht der „Kölner Aufruf“, oder die „Arbeiterfotografie“, sondern alles was sonst publiziert wird und sich vom „Kölner Aufruf“, oder der „Arbeiterfotografie“, trotzdem kaum unterscheidet. Im Gegenteil: Texte wie dieser
http://www.deutschlandfunk.de/gamescom-2016-es-dominieren-immer-noch-martialische-ego.720.de.html stoßen in genau dieselbe Richtung. Etwas anderes existiert in der Öffentlichkeit gar nicht mehr: früher gab es wenigstens noch Beschwichtigungsversuche, ich denke da etwa an Mathias Mertens, aber selbst diese Zeit ist längst vorbei. Der einzige Unterschied liegt in der Sprache und/oder vereinzelter Wortwahl.

Doch wo bleibt dann die Nicht-„Polemik“: wo sind die Inhalte aus „Killerspielen“, aller traditionell inkriminierten Videospiele, tatsächlich erwünscht, anerkennt etc.? Das alles, diesen Anpassungsprozess, zu ignorieren, oder tendenziell gleich zu leugnen, die weitaus größere „Polemik“.
Es ist bestenfalls ein Nebeneinander-Vorbeireden, im deutschsprachigen Raum politisch flankiert zwischen BuPP in Wien, etwa relativ aufgeschlossener oder besonders restriktiver CSU-Programmatik in Bayern, und der BPjM in Berlin. Dasselbe gilt für „Killer-Games“ in der Schweiz: alles andere als ein Gespräch auf Augenhöhe, sondern ein Immer-wieder-nur-noch-weiter-Ausgrenzen (im schlimmsten Fall perfider Weise noch verpackt als Pseudo-Inklusion), angefangen bei GamerGate (ein gegenseitig Fertigmachen-Wollen, zwischen vorgeblich „konservativ-reaktionären“ und angeblich „liberal-progressiven“ Kräften).
Den Ton geben weiterhin in die Jahre kommende Intellektuelle wie Haller oder Schwarzer an. Der Rest ist Schweigen und/oder schon Zustimmung.

Doch was geschieht wenn diese „kritischen“ Stimmen erst verstummen, ungeachtet eines sich wie auch immer eingebildeten Generationenkonflikts? Welche Selbstdarstellung kommt dann – in der nächsten (Internet-)Generation?
Welches Vakuum entsteht dann? Verzögerung schafft keine substantielle Klarheit – weder inhaltlich, noch ideologisch, oder wissenschaftlich.‘

Nachlese –

Zweite Replik, vom 26. August: ‚Diejenigen welche gegen „Killerspiele“ auftreten lehnen für gewöhnlich auch die Psychoanalyse ab. Das verläuft analog zu einer Ablehnung von „Pornografie“: gut herausgearbeitet hat das dort schon vor Jahren Laura Kipnis.
Widersprüchlich ist eher, dass dabei dennoch auf empirische Forschung zurückgegriffen wird – als Beleg für ihre Thesen, zwecks „Beweisführung“ – denn ihr Denken, siehe die anti-aristotelische LaRouche-Bewegung (etwa mit Dave Grossman), wendet sich für gewöhnlich auch gegen positivistischen Realismus: ich gehe deshalb aus ideologiekritischer (und wissenschaftstheoretischer) Sicht zunehmend davon aus, dass ihre Forschung nur Mittel zum Zweck ist und sie eigentlich wissen, dass sie nichts taugt und beliebig verwendbar ist. Sie glauben aber, und meiner Meinung nach zurecht, dass sie ihre politischen Ziele wenn dann nur darüber erreichen können.

Denn Grundlage ihres (platonischen) Denkens ist eben ein idealistisches Menschenbild, in dessen Zentrum Konzepte wie Unschuld und Würde stehen. Figuren wie Friedrich Schiller oder Jean-Jaques Rousseau werden dort hoch gehalten, neben Ideologen wie Anton Semjonowitsch Makarenko. Wobei sich die (neo)liberale, kapitalistische Welt dagegen verschworen hätte – sie hätte sozusagen (erst) damit begonnen, die Jugend zu verderben: meiner Meinung nach ist das, ihr Denken, aber keineswegs „extrem“, sondern über Ideen aus dem Wellness-Bereich, Dispositive (im Sinne von Deleuze) in Zusammenhang mit Gesundheit und Sicherheit, wunderbar kompatibel mit dem was heutzutage im Mainstream sonst noch präsent ist.

Also etwa sonst in den Zeitungen so drinsteht, vor allem im Feuilleton. Deshalb habe ich vorgeschlagen sich eher darauf zu konzentrieren, als sich immer wieder nur selbstgerecht gegen den „Kölner Aufruf“ und Co. zu wenden.
Und Hintergrund ist das was allgemein als „Werterelativismus“ bekannt ist. Dessen Ablehnung kann religiöse Gründe haben, es können aber auch andere Ideale dahinter stehen – über den Marxismus etwa alles das als „dekadent“ begriffen wird.‘

Dritte und letzte Replik (27. August): ‚(…) sehe das eben (…) so, dass kein Diskurs stattfindet – sowieso nie stattfand, sondern – aus Sicht der „Medienkritik“ – auf der anderen Seite höchstens Beschwichtigungen oder Rechtfertigungen standen. Es ist jedoch so, dass heutzutage nicht einmal diese mehr zu erwarten sind, da nach der Verbreiterung oder Diversifikation des Mediums in den letzten Jahren sich beide Seiten zunehmend vermischt haben. Diejenigen welche beim Rundfunk oder in den großen Zeitungen einen Platz (teilweise sogar eigene Ressorts) gefunden haben und der spielenden Zunft angehören vertreten jedenfalls größtenteils ganz bestimmte „Haltungen“ – sie wollen dass etwa Indies auf Messen ein Vorzug gegeben wird, gegenüber dem Geschmack der Masse: unliebsame Spiele in der Repräsentation/Sichtbarkeit zurückgedrängt werden sollen, weil sie dort „stören“ – den nützlichen, „guten“ Spielen usw. sogar Schaden zufügen würden.
Und ich finde, ich dränge sogar darauf und fordere: das sollte berücksichtigt werden! Es ist in der Situation einfach absurd so zu tun, als gäbe es weiterhin nur die Leute um den „Kölner Aufruf“ welche unliebsamen Spielen am Zeug flicken.
Wesentlich sind heutzutage die Gebotsforderungen, nicht die Verbotsforderungen – und erst recht nicht irgendwelche verschwörungstheoretischen Spinner die da schreien, sondern das sind – teilweise ganz prominente – Gesellschaften mit Macht und Einfluss, die es sich auf Twitter und Co. gemütlich gemacht haben und ihre Einstellungen sich von niemandem, garantiert niemandem, streitig machen lassen. Wesentlich sind diese meinungsbildenden Pop-Autoritäten, auf die vor allem auch viele Gamer hören. Ist deren Manipulationsgehalt, sind deren einfache Losungen und ist ihr Populismus: und denen wird es wahrscheinlich gelingen werden, über kurz oder lang, alle Spiele welche die nicht haben wollen aus der Welt zu schaffen. Zumindest so weit an den Rand zu drängen, dass sie im Jahresrhythmus nicht mehr relevant erscheinen. Sogar mit Hilfe vieler Gamer, denn die Ressentiments gegen etwa „Call of Duty“ und Co. sind schon länger unüberhörbar. Und am Ende nennen diese ihr getanes Werk dann zynisch noch – ein bisschen so wie beim Vollverschleierungsverbot/Gesichtsgebot – „Liberalisierung“.

Wobei die Hermetik im Zuge dessen ebenfalls brüchig wurde. Nur ein Beispiel: früher konnte beobachtet werden, dass etwa auf Weiß vor allem Regionalzeitungen eingestiegen sind – jetzt wurde er doch zum Focus eingeladen? Und nicht als Teil eines Panels, sondern als alleiniger Repräsentant von, ich sage mal, bestimmter Anliegen gegen einen Vertreter der Videospiele – Anliegen die sich über all die Jahre nunmal nicht geändert haben. Dort hätte er sich, noch dazu, sogar als „Verbotsgegner“ präsentiert – hat es zumindest geheißen, sollte ebenfalls im Forum nachlesbar sein.
Ich finde das alles könnte schon zu denken geben, wobei ich mit selbstgerecht vor allem meine, dass trotz dieser Entwicklungen immer noch das gleiche Studientango wie anno 2009 vollzogen wird. Dieses Doktorspiel: ich zeig dir meine Studie, du zeigst mir deine. Früher hätte auch ich gemeint, dass da am Ende mal (hoffentlich!) was Gescheites dabei rauskommt, aber so war es nunmal nicht und wird es nach all den Jahren auch nicht mehr sein denke ich: dennoch halten sich alle immer noch gegenseitig ihre Ergebnisse vor. Sicher ist es legitim, aus meiner Sicht aber auch „sinnbefreit“ – wie es neudeutsch so schrecklich heißt.‘

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