Polternder Philosoph #7

Das heutige textuelle Suchbild: wer findet, zwischen all den Plattitüden und Präsentationen aus dem Bereich Eigen-Marketing, unvoreingenommen auch nur irgendeinen Unterschied? ‚“Damit gibt die Gamescom allen recht, die Computerspiele nicht als Kunst oder Kulturform sehen wollen, sondern als Vehikel in den Untergang des Abendlandes.“ Originalzitat von Schiffer am Ende eines Textes beim Deutschlandfunk – diese Deutungshoheit,

Bestimmung was als „Kritik“ zu gelten hat, ihr Projekt der Anpassung an „mehrheitsfähigem“ Geschmack und Empfinden vollzieht seit Jahren mittels ganz ähnlicher Strategien Anfeindung, Verhöhnung und Ausgrenzung – wie ich am eigenen Leib feststellen darf: andersdenkende Gamer sollen dabei als Rassisten oder Sexisten diffamiert werden
Über Indies als bessere Spiele AAA-Titel zu beschimpfen nur der Anfang: es gilt fähige, funktionierende Körper und deren Sozialität gegeneinander auszuspielen, allen anderen abwechselnd Unreife oder Wehleidigkeit vorzuwerfen und sich selbst in der moralisch überlegenen Opferrolle zu inszenieren, bevor diese „Militarisierung“ noch schwerere rhetorische Geschütze wie Pathologisierungen oder „Godwin’s Law“ auffährt.‘

Nachlese

Replik(en): ‚Würde diese viel beschworene These vom Generationenkonflikt einen relevanten Gehalt aufweisen, hätten wir heute „belastbar“ eine ganz andere Wahrnehmung von Spielinhalten. Gebe zu: sie klingt gut, aber wenn die Games so etwas wie Rock’n’Roll wären…

Dann wären wir jetzt schon längst in den Achtzigern (die „Debatte“ ist mittlerweile gut dreißig Jahre alt), doch in den Achtzigern war Peter Kraus Teil der „Glücklichen Familie“. Und Pro Sieben setzt ein Counter-Strike immer noch tendenziell ab
Es ist grundsätzlich nicht „fernsehtauglich“: typische Szenen aus AAA-Videospielen würden immer noch Empörung hervorrufen
Was Games erreicht haben eine erwünschte Differenzierung: heute wird zwischen guten und schlechten Spielen stärker unterschieden, was als „gut“ oder „schlecht“ gilt hat sich dabei aber eher nicht verändert – im Übrigen ganz ähnlich wie bei der populären Musik: die Akzeptanz von Heavy Metal oder Hip-Hop immer noch begrenzt, Provokation – weniger Punk – sogar tendenziell rückläufig

(…)

Die Frage bleibt wie eine Publikumsmesse stattdessen anders aussehen müsste. Und übrig bleiben in jedem Fall die dazugehörigen normativen Grundlagen – wie was bei einer Verbreiterung für „junge Männer“ wäre, und was nicht. Angeblich… Repräsentation

Hier werden sich einerseits „junge Männer“ vorgestellt, andererseits wird idealisiert was „Kunst“ wäre – oder eine „Kulturform“ normiert. Warum soll militärischer Inhalt gar einen „juvenilen Charakter“ aufweisen – was ist das überhaupt für eine Logik?
Was den Games fehlt ist ein Festivalzirkus wie ihn die Filmwirtschaft hat, Festivals sind wenn dann No-Budget wie Gamejams, das heißt nicht orientiert am Handel. Aber diese Messen? Der kulturelle Hintergrund ist bei den Messen einfach ein anderer: viele Kreative begreifen sich selbst in erster Linie immer noch als UnterhalterInnen, und eben nicht als KünstlerInnen, wo genau diese Begriffe dabei hinderlich sind – weil sie eben das, wie für die „jungen Männer“, machen was darüber abgelehnt wird.

(…)

Das ist doch eine unglaubliche Finte die so geschlagen wird ^^ Mir wurde etwa schon mehr als einmal sinngemäß an den Kopf geworfen, dass ich mich privat doch nicht mit „diesen Spielen“ beschäftigen werde… Als „educated“ gilt heute eben nur zwischen

„guten“ und „schlechten“ Spielen zu trennen. Alles andere blieb so opportunistisch wie gehabt
Und ich könnte es mir da auch leicht machen und einfach sagen: ich spiele diese „platten, pubertären und sexistischen Gewaltspiele nicht in denen frustrierte Übergewichtige mit Windeln Frauen objektifizieren“, sondern vorzugsweise Indies und „Serious Games“. Mein Steam-Profil bestätigt das meistens sogar noch…
Der Unterschied zu den „Killerspiel“-Vorwürfen von früher ist und bleibt weiterhin marginal, falls überhaupt vorhanden – immer schon völlig unklar welche „Verbote“ gemeint sind. Eine billige Ausrede für politischen Missbrauch: zwischen Neokonservativen und Libertären auf der einen Seite, sowie „Liberalen“ und „Progressiven“ auf der anderen‘

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