Von Gustave Courbet bis Jack Thompson, dem Rechtsanwalt…

Fünf weitere Repliken: ‚Die entscheidende Frage ist doch wieso das was Thompson in den USA, Näf
in der Schweiz, Pfeiffer/Spitzer/Haller in Deutschland und Österreich behauptet/n (haben) nicht als „analyse und kritik“ gelten soll – weshalb das dann weniger rational sein soll. Wenn es Beckstein angeblich schon nur um den Gemeinplatz „Sicherheit“ gegangen wäre…
Die journalistische Behauptung dass das eine „Verbote“ gefordert hätte, während das andere nicht, ist aus wissenschaftlich-historischer Sicht ohnehin unhaltbar, da es etwa in den USA größtenteils um Gesetzesinitiativen ging welche etwa in Deutschland spätestens seit 2003 Realität sind, andere längst darüber hinaus laufen. Diese hat in den USA der SCOTUS mit seiner Bestätigung von Games (vorerst) aus der Welt geschafft – ungefähr zeitgleich als Thompson die Lizenz entzogen wurde.

(…)

„Warum ist das bei der Killerspieldebatte böse, aber bei der Sexismusdebatte gut?“ Gute Frage. Das liegt ziemlich eindeutig an den jeweiligen politischen Hintergründen: Thompson hat aus seiner evangelikalen Gesinnung keineswegs je einen Hehl gemacht,
genauso wie bei Sarkeesian ihre Assoziation/Kompatibilität mit in Nordamerika dominanten Feminismen sogar ihr Programm ist. In den USA herrscht in der Gewaltfrage zudem eine relativ klare Links/Rechts-Dichotomie (Waffengewalt <-> Mediengewalt) und die Gamespresse übernimmt sehr viele nordamerikanische Meinungen
In Deutschland siehts schon anders aus: der „Kölner Aufruf gegen Computergewalt“ war etwa keineswegs konservativ, oder gar rechtspopulistisch orientiert – siehe Mey/Wecker/Werlhof
Kurzum: es geht um das „liberale“ Selbstverständnis, das sich mit Sarkeesian solidarisiert hat – aber nicht mit Thompson. Im Detail ist jedoch auch bei Gewaltdarstellungen eine ähnliche, friedensbewegte und konfliktlösungsorientierte Ablehnung feststellbar.

(…)

„Verschwörungstheorie.“ Die Industrie ist mit den eigenen
Worten eines ihrer „Jugendschutzbeauftragten“ in Deutschland nicht daran interessiert https://vdvc.de/blog/2016/09/03/gamescom-2016-martin-lorber-ea-zum-jugendschutz/
Kann auch persönlich (leider) nur bestätigen, dass es von dieser Seite (ebenfalls) keinerlei Unterstützung gibt (oder diese auch nur zu erwarten wäre). Im Gegenteil: die Industrie ist vielmehr daran interessiert zu beschwichtigen, das heißt Provokationen zu vermeiden oder über Relativierungen lediglich um Schadensbegrenzung bemüht. Das mag dann zwar für jene die es so hören wollen so rüberkommen als ob, aber die Ideen des „Kölner Aufruf gegen Computergewalt“ – etwa in Bezug auf die FH Köln – gehen nicht über andere neokapitalistische Verbandlungen mit Fachhochschulen hinaus…

(…)

Solange Kritik an Sarkeesian (die ihre Arbeit an dem Thema ohnehin längst eingestellt zu haben scheint) nicht anerkannt wird, sondern pauschal zumindest als „reaktionärer Reflex“ verunglimpft, sind alle Einwände mehr als
legitim. Dass es da (auch nur irgend)eine Meinungsverschiedenheit zwischen Interviewer und Interviewten gibt ist auf alle Fälle keineswegs anzunehmen – und gerade das ja das eigentliche Grundproblem: es werden keine anderen Meinungen zu den Themen Sex UND Gewalt transportiert, siehe nebenan wo wieder von „Superbrutalität“ (noch dazu erneut mit Hitler) die Rede ist. Das passt schließlich auch zur reißerischen Ästhetik von Schiffers Sendung(sbewussts)e(i)n
Einwände an der Industrie bleiben moralisch oder repräsentativ reduziert. Aber warum kam es damals zur Spaltung des VUD? Wie unterscheidet sich der BIU von der SPIO usw. Wenn der Herr sich doch auch als Politologe begreift, und nicht nur als Journalist im öffentlich-rechtlichen Interesse…

(…)

„Der Ursprung der Welt“
muss wohl bewacht werden. So what?
Die komische Schiele-Rezeption hierzulande ist allerdings schon ein Sonderfall – das stimmt… Die Musealisierung von Wiener Aktionismus und Co. trug ihr Übriges dazu bei, aber in Deutschland werden Kafka und „unser“ Bernhard schon länger (mit) pathologisiert – das Schielen ins öffentlich-rechtliche Deutschland verschweigt angesichts seiner Twitter-Seilschaften ja auch, dass es hierzulande der Herr Strache gewesen ist, welcher fast als einziger mal praktisch (und halbherzig) ein „Killerspiel-Verbot“ gefordert hat
Wobei in Österreich ja nicht nur (immer noch) ein einheitlicher Jugendschutz fehlt, sondern überhaupt jedwede gesetzliche Grundlage dazu. Trotzdem bleibe ich auch „Feminist“, wenigstens vorerst ^^‘

Der erwähnte neue Videospiel-„Standard“-Artikel mit Adolf Hitler als Aufhänger… Und wieder wird darin wohl eine „Ästhetisierung“ mit unterstellt: „Tötet der Spieler während einer Schleicheinlage einen Soldaten, aktiviert sich der Röntgenmodus und zeigt detailliert, wie Organe mit einem Messer durchstochen werden, Knochen brechen oder Innereien per Faustschlag in tausend Stücke bersten.“ Nur gut, dass sie einem (diesmal – noch) nichts über „Hodentreffer“ im Spiel erzählen. Im „Nahkampf“ und so – der explizite Sexismus in dieser Berichterstattung scheint (samt seinem vermeintliche Voyeurismen abmahnenden pornografischen Blick) vorerst noch in engen Grenzen abgesteckt daher zu kommen – immerhin werden dort keine Frauen viktimisiert…

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