Bild und Bedeutung

Weitere Replik beim VDVC: ‚Ein Gamer der Krieg am eigenen Leib erlebt hat könnte diese Frage doch beantworten? Ich frage mich vielmehr ob Militärspiele überhaupt den Krieg darstellen: in „Battlefield 3“ war Krieg für mich das abschnittsweise zwar vernehmbare, aber doch ferne Geschrei eines Babys. Krieg war nicht das überladene und trotz allem „Fotorealismus“ in der Darstellung deshalb spielzeughaft wirkende „Schlachtfeld“.
Und seitdem sind derlei Titel noch überladener geworden, noch mehr auf Überwältigung aus: interessant ist was derlei Texte ja ständig suggerieren, nämlich was diese Spiele statt „Spaß“ transportieren sollten – wie ein Mahnmal „gegen den Krieg“ zu sein: sie sollten „für Krieg“ höchstens sensibilisieren, betroffen machen usw. Doch die Normen und Rollenbilder welche damit einher gehen interessieren offensichtlich nicht, sie sind weder Gegenstand einer „Kritik“ diesbezüglich, noch werden sie auf die Probe gestellt – sie „gelten“ einfach nur als „Wahrheit“, aber ohne deshalb unbedingt authentisch zu sein – geschweige denn wirklich zwingend: zuletzt sah ich mir mit meiner PSVR etwa diverse Videos der Huffington Post aus Kriegsgebieten an, und war davon einfach nur angewidert – nicht ob des Gegenstands, sondern der damit einhergehenden, politisch einseitigen Manipulationskraft des Inhalts. Einer Macht (und Gewalt) die ich einfach nur geschmacklos nennen kann – anders als jedes „Battlefield“ oder „Call of Duty“: jede Übertreibung, alle Brachialität wirkt dagegen überzeugend auf mich. Im Gegensatz zu einem Film wie „Le Petit Soldat“ (1963) eines unverbesserlichen Ditakten wie Godard ist Authentizität heutzutage nur mehr ein Mittel zum Zweck, wobei dieser Zweck eine möglichst schlichte Botschaft ist – sowie die erwünschte Emotionalisierung eines politisch bestenfalls normativ gedachten Publikums. Fotos wurden zwar schon früher zu bloßen Symbolen umgeformt, aber nicht so dass sie komplett unverhältnismäßig wurden – nur mehr pars pro toto sein sollten: was früher noch Ikonen waren sollen heute nur mehr Repräsentationen sein.
Das ist aber auch ein Populismus, ebenfalls eine Vereinfachung von Leben und Welt. Und das meinte wahrscheinlich auch ein Slavoj Zizek, wenn er – zumindest in der Vergangenheit – dagegen Figuren wie Zack Snyder so sehr schätzte.‘

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