Ergänzung zu VR und Sexualität

Kommentar: ‚???

Nach ein paar Tagen scheint auch dieses journalistische Interview bereits längst wieder vergessen worden zu sein… Aber Hauptsache das naturalistische Weltbild hat über entsprechend technokratische Konzepte populäre Experimente als „sozial“ vorgestellt.
Ganz nebenbei erneut über Religion bestimmt und den expressionistischen Gehalt von Ausdruck in diesem Bereich in einem Nebensatz ganz einfach weggewischt. Alles auf der Grundlage von Normen die (offenbar) eben nicht belastet, „hinterfragt“ werden (sollen!).

Das Reflektionsvermögen geht anscheinend gerade soweit wie dieser empirische Ballast seine versteckte Polemik trägt. Sexualität bleibt trotzdem so vielfältig, dass sie experimentell keineswegs erfasst werden kann: die Mär über negativ gefährlich gedachte Fantasien verläuft weiterhin ganz ähnlich wie etwa bei Horrorfilmen als „Gewaltvideos“, wenn nicht parallel – das gedankenpolizeiliche Anliegen bleibt währenddessen immanent.
Oder welche Kreative sollen über die sexuellen Fantasien ihres Publikums gar Bescheid wissen? Innenleben, Fantasien sind dermaßen individuell, dass deren Erfassung ohne individueller Introspektion – wie zwischenmenschlicher Interaktion in Form eines Gesprächs das Kreative mit jeder einzelnen Person aus ihrem (potentiellen) Publikum erst führen bräuchten bevor (!) sie sich an die Erschaffung ihrer VR-Welten machten – vorerst komplett ausgeschlossen ist. Alles andere an Gedanken- sowie in letzter Konsequenz Informationskontrolle (wie einem Orwellschen Verbot von Orgasmus, soviel jedenfalls zur „Existenz“) bleibt glücklicher Weise bis auf weiteres jedenfalls Science-Fiction.

Eine, nicht nur ökonomisch, tatsächlich völlig absurde Situation! Das einzige was (so anders) angestellt werden kann sind kollektiv(istisch)e Vermutungen.
Wobei Übergriffe in virtuellen Realitätsräumen nicht anders zu bewerten sein werden als in realen Chaträumen, dasselbe gilt für den Diebstahl von Nacktfotos: als Mensch mit Behinderung weiß ich natürlich um die dem zugrundeliegende Körperpolitik, welch klassistisches Modell erwünschter Sexualität da dahintersteckt – wer in dieser Repräsentation nicht über den „richtigen“ Körper und die bessere, liebsamere soziale Position verfügt gewinnen oder verlieren wird.

Doch „Pornografie“ ist und bleibt auch Fiktion. Da kann ihr fiktionaler Charakter gegenüber „Realität“ noch so sehr geleugnet werden.
Sexuelle Inhalte bereit zu stellen ist dort einfach, viel schwieriger wird es hingegen schon diese überzeugend zu vermitteln – was hier überhaupt nicht berücksichtigt wird, denn um Qualität oder Produktionswerte geht es hier offensichtlich nicht. Gerade dabei, bei Qualität, ginge es jedoch um alles andere als die bereitgestellten sexuellen Inhalte, sondern das gesamte Drumherum das in industriellen Erzeugnissen aus diesem Bereich oft nur allzu gern ausgeblendet wird – nicht zuletzt weil es mögliche Ausbeutung offenlegen könnte, vor allem aber da sexueller Ausdruck über entsprechende Vorstellungen von Sexualität, Realität, Fantasien und Geschlechter ideologisch halt nicht anerkannt werden soll.‘

Nachlese

24. November: ‚“(…) gilt als Technologietreiber“… Dann wäre es endlich mal an der Zeit diese Geltung zu belasten, anstatt dazu ständig Plattitüden auf Basis fragwürdiger Statistiken abzuspulen: setzt eine 100-Mrd.-$-Industrie bis 25 gerade mal 1 Mrd. mit VR um,

dann zeigt das doch eher wie wenig innovationsfreudig diese Branche ist: im Gegenteil – bis auf wenige Nischen wurde in den letzten Jahrzehnten immer billiger für die breite Masse produziert
Das betrifft gerade auch VR, wo ein Geschehen nur allzu gern auf das Gesichtsfeld reduziert wird – nicht einmal von 360° kann dort vielfach eine Rede sein
Hinzu kommt durch die Krise und Tubes die immer geringere Bereitschaft im Publikum, für sexuellen Ausdruck auch zu zahlen – spontane Umsatzeinbußen von 50% und mehr waren um 2008 keine Seltenheit. Trotzdem erscheinen immer wieder, wie zuletzt auch beim Spiegel, diese dubiosen Mindgeek-Artikel welche einerseits VR sensationalisieren – andererseits, warum auch immer, völlig falsche Eindrücke vermitteln.‘

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