Heute neu: erhebliche Störung der Konsumidylle

Erklärung einer schönen Welt. Beim VDVC: ‚Wer hat hier „ein Problem“? „Auch wenn manche Publisher die Verbreitung von Screenshots und Videos dulden, haben sie die Nutzer jederzeit in der Hand.“
??? Das stimmt doch nicht, zumindest ist dieses Verhältnis in der heutigen Zeit keineswegs mehr relevant: im Gegenteil missbrauchen die Publisher ihre Fans und deren Begeisterung (mindestens ebenso wie ihre Ablehnung) doch weit eher als billige, weil kostenlose Transportmittel zu Marketing-Zwecken (und damit zur Profitmaximierung).
Jedes Mal wenn im Marketing-Sprech, auch eines diesbezüglich völlig unterworfenen Journalismus, pseudosozial etwa von „Communities“ die Rede ist. Der allermeiste öffentlichkeitswirksam verbreitete Inhalt (neudeutsch „shared content“) erfolgt dahingehend doch nicht nur im Einverständnis, sondern sogar zu Werbezwecken – Plattformen stellen im Rahmen ihrer Kommunikationsstrategie entsprechende Funktionen als Features zur Verfügung und die KonsumentInnen nutzen sie dann.
Das sollte einer VerbraucherInnenorganisation doch bewusst sein: RezipientInnen heutzutage kollaborieren mit und profitieren von den Publishern. Ein andere Beziehung existiert dort vielfach doch gar nicht mehr!

Hier wird aber, offenbar auf der ideologischen Basis einer DRM-freien (Linux-)Welt vom PC her, eine idealtypische und demnach eigentlich (bestenfalls!) längst vergangene Welt fantasiert in der zwischen Einzelpersonen und „Recht“ sich lediglich der Staat und dessen Gesetze befinden würde – hier in einer globalisierten oder internationalisierten, von multinationalen Interessen bestimmten Welt, absurder Weise noch dazu ein einziger Staat, nämlich der deutsche ^^
Das hat doch nichts mit der Realität zu tun! Dieser einseitige Tauschhandel, wo jemand gegen Geld eine mediale Ware erhält und diese dann für sich oder höchstens eine Privatheit nützt, hat in dem Moment doch schlagartig aufgehört, sobald gesammelte Erfahrungen breitenwirksam öffentlich präsentiert werden können – mehr noch die Nutzung gleich übertragen werden kann: der gesamte transformative Prozess welcher das Gaming, zusammen mit sämtlichen anderen elektronisch transportierbaren Medien, seit dem letzten Jahrzehnt in Richtung Dienstleistung auszeichnete, scheint hier mal wieder völlig ignoriert zu werden.

Die Frage bleibt: warum? Wenn die Realität etwa die ist, dass YouTuberInnen als (österreichisch) EPUs oder sonst was in Wahrheit keine unabhängigen Kreativen sind, sondern praktisch Angestellte des Google-Konzerns, das heißt nicht nur auf seine Infrastruktur angewiesen, sondern als UnterhalterInnen auch auf dessen Inhaltspolitik. Wird dort etwas veröffentlicht das den Richtlinien widerspricht, wobei sich auch urheberInnenrechtliche Beschwerden externer Firmen in erster Linie an die Plattform, also in dem Fall wieder Google, richten – dort „geflaggt“ werden.
Ähnlich verhält es sich mit anderen Kanälen. Egal ob das jetzt Screenshots auf Steam sind (wo etwa keine Nacktheit erlaubt ist), das Miiverse (wo gleich ganze von Nintendo lizenzierte Spiele wie „Senran Kagura“ bewusst keinen Platz haben), die Share-Funktionen bei PlayStation (die nicht nur aus Gefälligkeit die Daten der KundInnen zu schützen, sondern schon auch aus lizenzrechtlichen Gründen – erst kürzlich bei einem Lied in der japanischen Demo von „Yakuza 6“ erlebt -, Inhalte gleich noch vor der Aufzeichnung blockieren), oder bei Upload von Microsoft der Fall ist.
Diese „sozialen“ Medien sind doch alle schon vollständig durchreguliert und die Verbreitung ist für die meisten Privatleute doch erst dort interessant, weil sie nur darüber etwa schnell die erwünschte Reichweite erzielen können (und diese Inhalte wiederum mit ganz woanders dann vielleicht sogar weiter verknüpfen können). Warum berichtet ihr also nicht über diese Situation, wird nicht berücksichtigt WER bei einer solchen Umfrage da eigentlich gefragt wird?‘

Nachlese

Replik vom 10. Dezember: ‚Diese Unterwerfung auf Plattformen wie YouTube gewährt doch erst recht keine Sicherheit: „sicher“ ist dort doch nur, dass eine weitere Instanz – wie eben Google – dazwischen geschaltet wird, samt deren Interessen, Politik und Selbstverständnis. Während woanders, wie auf Steam oder im Miiverse wo Screenshot-Galerien Teil des Kaufangebots sind, erstellte und dort eingestellte Medien den Regularien des Plattforminhabers (Valve oder Nintendo) unterworfen sind. Absurder Weise bis dahingehend, dass das was dort eigentlich angeboten wird in Form von übertragenden Medien wie Screenshots oder Videos dann nicht einmal ausgestellt werden darf – und zwar aus Jugendschutz- oder Marketing-Gründen nicht, keinem UrheberInnenrecht. Deshalb meine Frage an wen die Feststellung dieses „Problems“ gerichtet sein soll.‘

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