Einflüsse: der Einzelne nichts, die Gemeinschaft alles?

Die Gesellschaft der Schwarmintelligenz definiert sich über das Recht der Stärkeren: ihr Unrecht bestimmt wer Recht hat und wer nicht, was Gefühle wie „Hass“ und „Liebe“ wären, wer „Opfer“ sein darf und „Täter“ wäre – gütig sei, oder nicht.

Sie diagnostiziert amerikanische Präsidenten (mitunter sehr fern), sagt welche Wahlen wo angemessen seien. Welche Inhalte dem Namen nach als „Kritik würdig“ zu denken.

Ihre, für gewöhnlich absolut gottlosen, Götzen heißen Normalität und Gesundheit. Ihre Motive? „Fortschritt“ und nachhaltige Profitabilität, also versteckter Kapitalismus – nur mehr oder weniger längerfristig gedacht. Alles was sie für „gut“ hält, oder sogar besser, für „richtig“ und nicht für „falsch“ – überall dort wo die Reste einer anderen Ideologie noch zu finden sind, andere Ideale sich erhalten haben. Darin besteht scheinbar ihr Glück.

Und sie ist es auch die moralische Werte wie eine Monstranz vor sich her trägt, daran verbissen festhaltend – bei allem Naturalismus und Empirismus metaphysisch klammernd. Doch auf welcher ethischen Basis?

Was für einer „Vernunft“? Welcher „Vielfalt/Diversität“?

Was macht ihre Güte richtig? Ihr angeblicher „Humanismus“ kann es nicht sein, da immer noch einzelne Menschen die anders denken auch existieren und ihre erwünschten oder abgelehnten „Bilder“ immer nur einzelne Menschengruppen, nicht aber die gesamte Menschheit betreffen: ihr Blick schweift zwar vom Gleichgesinnten zum (womöglich nur virtuell) Nächsten, aber – all ihrer sozialen Einzäunungen sei Dank – nur selten darüber hinaus weiter weg.

So kann sie in ihrer Wirklichkeit kaum etwas dazulernen, wahrhaft Neues entdecken, und beschränkt sich für gewöhnlich dann sogar darauf sich dafür zu schämen was sie ist – oder sonst halt „fremd“, dafür was der andere – wie der einzelne Mensch – ist: dem antrainierten und keineswegs natürlichen Schamgefühl sei Dank.

Dieses bestimmt schließlich auch was dem anderen zustünde, wie sich alle menschliche Welt verhalten solle. Zu verhalten habe.

„Die Natur“ bietet dafür nur bedingt eine Grundlage. Ihre „Kultur“ ist vielmehr geprägt von Konformität, dem Drang zur Anpassung, der Neigung zum Gleichklang. Bedenklicher Weise alles was sie, zu allem Überdruss noch dazu, „auf Seiten der Aufklärung“ wähnt.

Ihr Wesen ist kein sozialer Dienst. Kein echtes Mitgefühl, kein Perspektivenwechsel, keine Frage nach der Herkunft von Dingen die sie (angeblich) nicht versteht oder herzhaft ablehnt, zurückweist. Sondern eine „Aufklärung“ wie im Falle der „Skeptikerbewegung“: alles was nicht in ihr Bild passt bleibt belächelt oder wird erst verächtlich gemacht, verhöhnt.

Von der Kirche des Säkularen. Letztlich die eigene Naturwissenschaft und Technik, das eigene Medium des Gestells, zur Hermetik/Esoterik – insgeheim versteht sich. So soll es zumindest sein – und nach außen hin, jedenfalls, nicht.

Alles andere „Verschwörungstheorien“.

Öffentlich, aber vermutlich auch privat, bestimmt von Enthüllungsverboten und Verhüllungsgeboten – oder Enthüllungsgeboten und Verhüllungsverboten, etwa wenn das Patriarchat über derlei, seine ureigensten Normen in einem nur mehr sogenannten „Feminismus“ paradoxer Weise seine Erfüllung findet. Sexuell – kulturell.

Oder bei clean food: das Private wird so nicht nur politisch, sondern das Politische geht darüber überhaupt erst im Privaten auf. Im Moralkapital. Und dennoch hält sie sich für „inklusiv“, „liberal“ – ja sogar „weltoffen“ und, als Gipfel des Zynismus, noch für „tolerant“. Die Gesellschaft der Schwarmintelligenz.

Sie tituliert und kategorisiert, steckt alle die nicht zu ihr gehören in Schubladen. Sie stempelt ab, ruft höchstens zu – verhält sich jedenfalls nie neutral, denn ihre Bürgerlichkeit erkennt längst nicht jedeN BürgerIn an.

Doch was erträgt und erduldet sie? Von „Freiheit“ ganz zu schweigen.

Nichts, oder wenigstens kaum etwas. Also genau den Wert welchen sie, die Gesellschaft der Schwarmintelligenz, dem Einzelnen zuschreibt.

Dem Störfaktor, den sie ignorieren kann – über dessen Perspektiven sie spotten kann, mit „Mitleid“ bedacht haben. Als Phrase. Der aber auch immer noch ein Faktor ist mit dem sie nicht rechnet und der ihr Weltbild ins Wanken bringen kann, ihre weitere Verbreitung letzten Endes vielleicht sogar, hoffentlich, verhindern. Zum Umdenken, oder erst einmal Nachdenken, bewegen.

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