Einmal Nachrichten im österreichischen Privatfernsehen…

… und nie wieder! Gestern lehrte mich Puls 4 den ORF wieder zu schätzen: eine offenbar dringliche Lektion.

 Gestern traute ich mich einmal eine komplette Nachrichtensendung bei einem Privatsender zu verfolgen. Das Ergebnis dieser Mutprobe machte mich so fassungslos, dass es meine eigene gedankliche Raserei später sogar noch schaffte mich in Erstaunen zu versetzen. Hätte ich das Ergebnis, DEN Inhalt rezipiert zu haben, etwa erwarten sollen? Autopsie 5.5.17, Sendung von Donnerstag, dem 4.5.

Egal ob es nun um Hetze gegen Kopftücher (inklusive militaristisch Gewehr bei Fuß folgender, halbgarer Relativierung) oder Gemeinsamkeiten zwischen vermeintlich Konservativen, Liberalen und normativen Geschlechter(rolle)n in dieser Frage ging, Selbstiblder von „Männern“ und „Frauen“ – wie auch „das Gute“ an Russland dass dort die „Zeugen Jehovas“ verboten worden wären -, die gesamte Agitation der Sendung, mit Gallopsprüngen zwischen „rechter“ und „linker“ Positionen – oder waren es doch „Gallupsprünge“ , war getragen von manipulativsten Emotionalisierungen. So als ob es sich um eine Neuinszenierung des Schwarzen Kanals durch das Boulevard handelt.

In meinem ganzen Leben habe ich kaum je etwas abscheulicheres wahrgenommen, als diese Nachrichtensendung.

Das allerschlimmste daran war jedoch gar nicht die Sendung selber, sondern die Aussicht auf die Vermutung dass es dort – bei Puls 4 – jeden Abend derlei menschenverachtend zugeht: offenkundige Fremdenfeindlchkeit gepaart mit Entrüstungsübungen, moralischer Empörung, und das ganze wahrscheinlich noch für „politisch korrekt“ gehalten. Pfui Teufel!

 Über jeden einzelnen Beitrag könnte und sollte ein Absatz geschrieben werden – etwa wie unser Herr Bundespräsident angegangen wurde oder wie einseitig und ohne jegliche Selbstreflexion da ein offenbar bestellter „Sektenbeauftragter“ in Erscheinung trat, die Meinung Andersdenkender, oder gar „Vielfalt“, zählte – trotz oder gerade wegen (!) aller gegenteiligen Beteuerungen zwischendurch – nicht das Geringste. Von Neutralität, oder auch nur Sachlichkeit in der Berichterstattung, fehlte jede Spur.

Kaum eine Sendungsbotschaft könnte unaufrichtiger, unehrlicher wirken.

Und was in der Wissenschaft, oder dem öffentlichen Dienst, (hoffentlich!) überall eine Selbstverständlichkeit ist, scheint im meinungsgetriebenen Journalismus und da noch dazu in der Privatwirtschaft umso mehr, längst obsolet geworden zu sein: da zählt nur mehr wer besser aussieht und den noch größeren Sermon von sich gibt – gepaart vielleicht mit der üblichen Stuss-Zutat an „Fakten“, „Wahrheiten“ wie sie von empiristischen „Politikberatern“ und anderen Talking Heads erzählt werden, deren Naturalismen nicht nur an Privatunis das Interesse an Menschen gegen das an Zahlen längst ausgetauscht haben.

Im Grunde bestand die ganze Sendung aus einer einzigen Aneinanderreihung von Ressentiments und Doppelmoral: spätestens der Moment in dem von Frau Richtar auf das Schicksal der geflüchteten Menschen im LKW kurz eingegangen wurde, war an zynischer Heuchelei kaum mehr zu überbieten. Denn deren Schicksal war in der österreichischen Öffentlichkeit in letzter Zeit überhaupt kein Thema! Die Themen Asyl und Migration wurden im Gegenteil, abgesehen von Kleidungsvorschriften und der Vorstellung von Anpassungsschwierigkeiten, vor allem mit Kriminalität, schweren Verbrechen wie Vergewaltigungen, in Zusammenhang gebracht. Und politisch ging es dabei in erster Linie um die Wiederentdeckung von Gemeinsamkeiten – zwischen dem rechten Rand und dem linkspopulistisch-neoliberalen Eisenbahn-Kanzler im Nadelstreif.

„Die Festung Europa“ immer selbstverständlicher aus einer „Mitte“ heraus imaginierend. Der Zug für Solidarität und (Mit-)Menschlichkeit scheint dabei längst abgefahren zu sein.

 „Gut“ gekleidet geht die Welt zugrunde: derlei Berichterstattung sollte jedenfalls sinnhafter Weise zivil– und strafrechtlich verfolgt werden können!

Ich bin römisch-katholisch. Wollen Sie auch meine Kirche „verbieten“, Frau Richtar?

Ich halte mich jedenfalls für so aufgeklärt und selbstkritisch genug, dass ich guten Gewissens Gesellschaften die meine Religion gebären kann (und diese nachweislich auch schon hervorgebracht hat) nicht als anderen Sekten (dermaßen) überlegend denke, nur weil sie über eine längere Tradition oder mehr MitgliederInnen verfügen (und damit tendenziell eher „mehrheitsfähig“ sind). Prophetisch und apokalyptisch veranlagt sind auch andere Denominationen, und abgesehen von allein meiner Konfession ging für mich während der Sichtung dieser Nachrichtensendung auch schon die Welt unter. Sogar mehr als nur eine.

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