E3 2017 – als Vorschau: E3 der Eitelkeiten und Unsicherheiten

Bildete die Bethesda-Konferenz letztes Jahr in der Nacht von Sonntag auf Montag, den 13. Juni 2016, noch eine Ausnahme – sind Veranstaltungen am Wochenende vor der E3 heuer erstmals die Regel. Und erstmals nahm ich mir für den Veranstaltungsreigen sogar Urlaub: los geht es bereits heute Samstag, den 10. Juni, um 21:00 MESZ mit Electronic Arts schon traditioneller Pre-E3-Show „EA Play“. Nur halt noch früher als gewohnt: wieder einmal versucht der Konzern mit einem neuen Basketball, nach diesmal nur einem Jahr Auszeit, am Genre-Thron von 2K zu kratzen. Gehofft werden darf zudem auf endlich erste Bilder aus dem narrativen „Star Wars“-Actionspiel von Motive, mit hoffentlich Amy Hennig und Jade Raymond auf der Showbühne. Allerdings wird es mit einem Release in diesem Jahr (parallel zum zweiten neuen „Battlefront“) eher nichts werden: EA dürfte wohl seine Lehren aus dem letztjährigen Experiment gezogen haben, „Titanfall 2“ gemeinsam mit „Battlefield 1“ an den Start zu schicken. Spektakuläre Neuankündigungen darüber hinaus sind von Electronic Arts zudem nicht zu erwarten – höchstens das kürzlich schwer beleidigte (und schon dezimierte) BioWare erbarmt sich mit der Ankündigung einer neuen Marke.

Mehr steht da am morgigen Sonntag um 23:00 MESZ auf dem Spiel (11. Juni), wenn der diesjährige E3-Höhepunkt ansteht: die Enthüllung der 6-Teraflops-Konsole durch Microsoft. Der gewohnte E3-Termin von Microsoft, am Montag um 18:30 MESZ, fällt damit flach.

Welche Spiele werden die Redmonder auf dem Gerät morgen zeigen (können), abgesehen von einem neuen „Forza“? Wird Windows 10 als Xbox-Plattform (und Steam-Konkurrenz) noch weiter forciert werden?

Und wird es dafür eine (weitere) Kooperation mit Oculus (Facebook) geben? Oder steht doch vorher noch die Marktreife von HoloLens an?

Die offizielle Einstellung der letzten japanischen Xbox-Entwicklung „Scalebound“ verhieß vor einiger Zeit vermeintlich genauso wenig Gutes, wie dass – mit Ausnahme der ewigen Hoffnung Rare – eigentlich kein First-Party-Studio bei Microsoft existiert, dass jetzt was veröffentlichen könnte. Außer das Team um Sam Lake in Finnland hat parallel zu „Quantum Break“ wirklich noch an einem anderen Spiel gearbeitet.

Zwar steht neben „Forza“ theoretisch auch ein echtes neues „Halo“ von 343 an, doch werden die beiden Titel allein kaum ein Konsolen-Upgrade verkaufen können – geschweige denn ein Weihnachtsgeschäft stemmen. Also dürften heuer bei Microsoft wieder verstärkt diverse Third Parties ranmüssen – so wie 2015 „Rise of the Tomb Raider“ und letztes Jahr noch „Dead Rising 4“: Weihnachten existiert nach wie vor, trotz aller Bekundungen dass das Interesse an neuen Spielen in dieser Zeitspanne (vor und nach dem Black Friday) nachlässt.

Devolver und „PC Gaming“ einmal mehr vernachlässigt, geht es dann am Montag (12. Juni) zum dritten Jahr in Folge um 04:00 MESZ zu Zenimax ins „Bethesdaland“: quasi geleakt ist dort ein neues „Wolfenstein“, vermutlich wieder von Machine allein. Der Titel „The New Colossus“ deutet auf Ähnlichkeiten mit „Titanfall“ hin.

Erwartet wird zudem eine Nachfolge zum Game „The Evil Within“ („Psycho Break“ in Japan), dem existenzialistischen Splatterdrama von Shinji Mikami (Resident Evil) aus dem Jahr 2014. Der Horror hat sich angeblich gut genug dafür verkauft, obwohl ich das ehrlich gesagt überhaupt nicht glauben mag.

Noch weniger glaube ich allerdings, dass nach „Dishonored 2“ und „Prey“ ein drittes Spiel von Arkane mit Harvey Smith kommen wird. Und für völlig ausgeschlossen halte ich es gar, dass die Game Studios mit Todd Howard ein neues „Elder Scrolls“ ankündigen werden – abgesehen von ihrem „Skyrim“-Port für die Switch -, da das „Morrowind“-Add-On für (T)ESO ja gerade erst veröffentlicht wurde und dessen Erfolg dort bislang offensichtlich niemand so recht gefährden wollte.

Wie Bethesda, das über so viele Studios nun auch wieder nicht verfügt, eine ganze Konferenz erneut zu füllen gedenkt, ist mir deshalb ziemlich schleierhaft. Aber ich lasse mich naturgemäß gerne überraschen!

Weiter gehts am Montag Abend mit Ubisoft um 22:00 MESZ, dem ersten von zwei traditionellen E3-Terminen: zu gewohnter Stunde im Jahr, aber dafür anscheinend ohne Aisha Tyler, wird dann mein ganz persönliches AAA-Highlight vorgestellt werden – das mediterran-antike „Assassin’s Creed“-„Prequel“. Erstmals sollen die Seefahrt und Stadtszenen nahtlos ineinander übergehen und wenn mich diese Technik auch nur ansatzweise so begeistert wie vor drei Jahren „Unity“, dann wird diese Fantasie für mich als Fan des alten Ägyptens (und vorrevolutionären Frankreichs) mein großes Spiel der Messe werden.

Stutzig machen konnten dafür die Szenen aus dem dereinst geleakten Material zu „Beyond Good & Evil 2“ im E3-Teaser von Ubisoft bei Sony unten – obwohl es im Mai geheißen hat das Spiel würde nicht gezeigt werden. Und fraglich ist, ob es in diesem Jahr wieder eine ähnliche Überaschung wie letztes Jahr „STEEP“ geben wird: es ist zwar sehr weit hergeholt, aber dieses E3-Wochenende fällt mit den French Open-Finali zusammen. Und wenn es in dieser Generation an einem Videospiel mangelt, dann an einer großen Tennissimulation – wer weiß was Ubisoft EA Sports noch entgegenhalten möchte:

Ein EA/Origin Access-ähnlicher Service bei Sony etwa?

Wie alle Jahre schließt am Dienstag (13. Juni) um 03:00 MESZ dann Sony die Pressekonferenzen ab. Und Sony ist, wie könnte es in dieser Generation eigentlich auch anders sein, wieder mal in der besten Position: zwar dürften sie demnächst nur mehr die eindeutig schwächere Hardware haben, ihre Möglichkeiten mit First Party-Software sprechen allerdings für sich: „Days Gone“, „God of War“ und „The Last of Us, Part II“ sind alles vielversprechende AAA-Titel die Microsoft allesamt nicht aufzuweisen hat. Hinzu kommen längst überfällige Neuankündigungen von Sucker Punch (inFAMOUS) und Ready at Dawn (The Order – 1866). Quantic Dream (Detroit) und Hideo Kojima nur so erwähnt. Und die Möglichkeit einer Fortsetzung zu „Bloodborne“ besteht immerhin auch: einzig an der „Indie“-Front sieht es bis auf Neuigkeiten von thatgamecompany nach dem jüngsten Brachial-Output kleinerer Unternehmen für Sony eher düster aus – da könnte Microsoft (oder Nintendo!) schon eher punkten, etwa mit Neuigkeiten der Moon Studios oder einem Revival der Max Fleischer-Hommage „Cuphead“. Das große Fragezeichen bei Sony ist schließlich wieviel Platz sie PSVR widmen werden – und wer da alles mitzumischen gedenkt.

Beweisen braucht auf Konzernebene jedoch niemand mehr, dass dort auch Herzen für kleine Startups schlagen: unabhängigere Unternehmen sollten sich besser nicht zu sehr an den einen oder anderen lukrativen Vertrag binden lassen. Mittlerweile wissen hoffentlich alle, dass es größere und kleinere Spiele auch auf Konsolen gibt – selbst wenn so manche (politischere) PC-Perle, wie „Papers, Please“ oder die Tale of Tales-Titel, immer noch durch Konsolen-Abwesenheit glänzen und jedeR froh sein kann, wenn es in „Conan Exiles“ dort demnächst (bei Microsoft) keine Lendenschurz-Pflicht gibt.

Dass der Hipster-Publisher Devolver mit seinen affektierten Indie-Produktionen heuer erstmals eine eigene PK abhält, sollte dabei objektiv betrachtet eher als Nachfolge von Konami verstanden werden – anstatt von Fans unkritisch gefeiert: einen guten Grund wird es dafür hoffentlich aber schon geben. Nur welchen? Einer könnte halt schon sein, dass die ehemals großen Drei (Sony, Microsoft und Nintendo) heuer erstmals bereit sind kleineren Spielen wieder weniger Raum zu geben, wobei die kürzliche Flut qualitativ hochwertiger Neuveröffentlichungen auf Konsolen (unter dem Jahr und ohne große Promotions durch die Geräteinhaber) deren Sichtbarkeit meiner Meinung nach zusätzlich noch enorm geschadet hat – von der zunehmend unerträglich werdenden Situation auf wenig bis gar nicht kuratierten Plattformen wie Steam ganz zu schweigen, wo mittlerweile täglich Dutzende neuer Titel erscheinen (und in der Masse dort völlig untergehen): gute Videospiele ohne entsprechendes Marketing zu finden wurde so schon länger zu einem sozialen Problem, zu einer Frage von Mundpropaganda. Wer die vermeintlichen Geheimtipps nicht kennt oder übersehen hat, hat Pech gehabt – die Vielzahl neuer Veröffentlichungen verhindert immer mehr, dass sich Kenntnisse von Spielen in einem kollektiven Gedächtnis festsetzen und verstärkt eigentlich lediglich Partikularinteressen: mit ästhetischen und geschmacklichen Normierungen im Sinne der ungebrochen anpassungswütigen Videospielpresse als logischer Folge. Auch wenn es „die Gamer“ in diesem Sinne nie gegeben haben mag, heutzutage kann es sie aus genau jenem Grund noch weitaus weniger als früher geben: die meisten spielen was komplett anderes.

Ob da noch etwas für einen eigenen dritten Handheld bei Sony abfällt, nicht für den banausenhaften Westen sondern den ungebrochenen Transitmarkt in Japan, oder ob Mark Cerny Zeit finden wird die PS5 für 2018 anzuteasern, wage ich mich da nicht einmal mehr zu fragen – Sony wird auch so (aus der Sicht von Microsoft leider) genug Material für eine lange Show haben.

Bevor Nintendo am Dienstag Nachmittag dann nur mehr erneut eine für die drei regionalen Märkte maßgeschneiderte Sendung nachlegen wird. Der Stream soll hierzulande erst um 18:00 MESZ veröffentlicht werden.

Erwartet werden darf sich wohl ein einziger großer First Party- Titel für die Switch (abgesehen von „Super Mario Odyssey“), gepaart mit einer Myriade kleinerer Drittanbieter. Im Idealfall gibt es noch eine DREIngabe wie damals „Bayonetta 2″… Möglich sind auch ein paar kompatible Portierungen erfolgreicher (PS4-)Titel für die Switch, wie „NiER – Automata“, aber das Gros neuer (japanischer) Switch-Ankündigungen dürfte es erst zur Tokyo Game Show im September geben.

Advertisements

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter Amerika, Freiheiten, In eigener Sache, Kapitalistische Verschärfungen, Retrospektiven, Wirtschaft und Kulturelles abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s