„The Surge“ (2017)

Meisterwerk der Abkupferung ****

Dass mir manch abgekupfertes Videospiel besser gefällt als das Vorbild weiß ich zwar bereits seit dem allerersten „Desperados“, jetzt hat mich aber auch Deck 13 überzeugt – schon „Lords of the Fallen“ wusste 2014 technisch unglaublich zu beeindrucken (zumindest am PC), nur dieses Spiel weist zusätzlich noch jede Menge weiterer Vorzüge auf: wer wie ich seit dem ersten „Transformers“-Film ein Faible für am Computer erschaffene, metallische Oberflächen hat, kommt um „The Surge“ jedenfalls nicht herum. Das Szenario ist hier zudem ein ganz anderes als bei den „Souls“-Spielen (inklusive „Bloodborne“) – so kommt hier stellenweise eher das Gefühl japanischer Mech-Spiele auf, etwa wie in der „Armored Core“-Reihe (die ja ebenfalls von „Souls“-From Software stammt).
Hinzu kommt, dass „The Surge“ der erste herkömmliche Titel zu sein scheint, welcher wie für den Steam Controller entwickelt wirkt: die analoge Gliedmaßen-Ansteuerung über das Touchpad könnte damit jedenfalls kaum besser funktionieren. Das Gameplay ist und bleibt bei „The Surge“ dabei weiterhin eine Spur anspruchsvoller als in der zuletzt etwas abgeschwächten „Dark Souls“-Trilogie und geht immer noch eher in Richtung von „Demon’s Souls“: ob jemand wie ich je das Ende von „The Surge“ erleben wird, werde ich deshalb beim besten Willen noch lange nicht sagen können. Genauso wie ich demnach auch später erst leibhaftig erleben werde, weshalb „The Surge“ in Deutschland ein Jugendverbot erhalten hat…
Inhaltlich liefert „The Surge“ (im Fahrwasser von „Lords of the Fallen“) zwar wieder einen trivialen Genre-Hintergrund mit, nach dem massenkompatibel-atmosphärischem Einstieg – ein Rollstuhlfahrer („Avatar“ lässt grüßen) erhält eine entsprechende Mech-Rüstung verpasst – bleibt seine Welt aber weitgehend mysteriös und rätselhaft. Ganz ähnlich also wie bei den abstrakt-minimalistischen Fiktionen von From Software: die Folge ist, dass auch „The Surge“ einen leicht spirituellen Touch aufweist, welcher dem Gameplay entgegenkommt: Selbstreflexion statt Hast. Ein nach den Bungie-Titeln („Marathon“, „Halo“, „Destiny“) weiteres Core-Videospiel das, seiner Oberfläche zum Trotz, zu Nachdenken und zur Entschleunigung einlädt – wie hier vor allem dem ständigen Scheitern sei Dank.
Nebst den kaum vorhandenen Charakteren, den wenigen Dialogen und der allgemein geringen Information. Und angesichts dermaßen uninspirierter Konkurrenz wie „Elex“ für mich schon jetzt ganz eindeutig das beste deutsche Computerspiel 2017.

Advertisements

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ästhetische Belange, Deutschland, In eigener Sache, Wirtschaft und Kulturelles abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s