Markt und Verdrängung, jugendfrei und „jugendverbieten“

Kommentar im VDVC-Forum: ‚(…)

Das USK-6 für einen Visual Novel-Genremix auf der PS4 fällt da etwa ein (thematisierte Censored Gaming ebenfalls in einem eigenen Video), wo eine (zensierte) Züchtigungsszene etc. – im krassen Unterschied zur PEGI – nicht berücksichtigt wurde. Schließlich bekam das erste „Idolmaster“ im Westen von der USK sogar eine „0“ spendiert (wurde mit „ohne Altersbeschränkung“ versehen).
Da irritierte es mich am meisten, warum ausgerechnet dort der Vorwurf der Posendarstellung nicht greifen sollte: die jüngste Figur dort ist im Original gerade einmal elf Jahre alt (!), jede einzelne wird im Menü extra inszeniert. Die Problematik um Glamour mit Kindern etc. wird ausgehend von Schönheitswettbewerben in den USA im Westen seit Jahren (in Literatur und Öffentlichkeit) diskutiert, es existiert sogar ein eigener englischsprachiger Wkipedia-Artikel darüber https://en.wikipedia.org/wiki/Sexualization_in_child_beauty_pageants So absurd der Vorwurf der Pädophilie bei den problematisierten Titeln ist, so fragwürdig sind diese positiven Entscheide in Sachen Kinderschutz/Vorbildwirkung wo die nunmehrige Regelung zur Posendarstellung scheinbar überhaupt keine Anwendung findet.

Der Marketing-Repräsentant deutet vielmehr an, dass bei „Peach Beach Splash“ zum Schluss lediglich ein Charakter (und nicht etwa die gesamte Figurendarstellung) problematisiert worden seien.
Vielmehr bleibt weiterhin unklar welche „strafbewährten“ Inhalte bei der Posendarstellung da überhaupt gemeint sein könnten (!). Und bislang kam es ja auch zu keiner Entsprechung (Indizierung, Feststellung tatsächlich strafrechtlicher Relevanz durch die Behörde etc.)
Wahrscheinlicher ist, dass die USK damit darauf reagiert (und unverhältnismäßig abwiegt) dass – was das Alter angeht – wesentlich mehr Titel mit (zumindest im Original) teilweise minderjährigen Figuren auf den hiesigen Markt drängen (nicht zuletzt wegen der zunehmenden Digitalisierung und partiellen Ausdünnung des physischen Retail).
Mich wundert eher wieso in diesen Zusammenhängen nicht über Gewalt gesprochen wird, aber etwa „Unsittlichkeit“: normalerweise gehören als Begriffspaar „Sexualisierung“ und „Gewalt“ zusammen – und das hat fast ausschließlich mit Vorstellungen erwünschter Gesundheit zu tun, um diese (Gewalt – Missbrauch, Ausbeutung oder Übergriffe) etwa von gesunder Sexualität zu unterscheiden. Tatsächlich wird da stattdessen aber „nur“ von „Unsittlichkeit“ gesprochen, wobei die im medialen Diskurs verwendeten Begriffe wie „Objektifizierung“ nicht zur Anwendung kommen weil sie ganz einfach keine rechtliche Grundlage haben.
Und „Unsittlichkeit“ weist in der heutigen Zeit, im krassen Unterschied zum Vorwurf der „Gewalt“, eine eigentlich äußerst schwache Bedeutung auf.

Die ideellen Vorbehalte im Hintergrund scheinen zwar klar zu sein, doch auch ich arbeite beruflich mittlerweile an der Erschließung von Medien (vor allem populärer Kultur): empirische Arbeit mit kulturellen Erzeugnissen kann nur das beurteilen was vorhanden ist und gegebenenfalls auf dieser Basis Bezüge herstellen (das unterscheidet sie nicht von technischer oder naturwissenschaftlicher Arbeit) – ich kann nicht mit zweierlei Maß messen, das Misstrauen nicht zu meinem Lehrmeister machen.
Möglicherweise liegt es ja an der USK-Arbeit selbst: dass dort Leuten wenn dann immer nur etwas selektiv Vorbereitetes vorgeführt wird, eine eigene Beschäftigung der EntscheidungsträgerInnen mit ihrem Gegenstand aber ausbleibt.‘ Nachlese

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