Gamescom 2017 (und „House Party“)

Kommentar: ‚Positiv ist zumindest, dass die Kanzlerin demnächst die deutsche Messe eröffnen wird – was auch immer sie dort (nicht) zu verlautbaren gedenkt. Vertrauen in die Regierung besitze ich zwar ebenfalls keines, aber das brauche ich in Österreich nicht wirklich zu haben ^^ Mir wird schon erzählt, dass hierzulande über die Eröffnung berichtet wird und das hat das Gaming in jedem Fall aufgewertet, das heißt europaweit (!).
Zu Zeiten von Herrn Graff (an vorderster Front bei der SZ) hätte es da einen Riesenaufschrei gegeben – allein dass dieser ausbleiben dürfte ist schon ein Fortschritt, selbst wenn der restliche (jüngere) Journalismus nicht gerade erfreulich ist und kryptokonservativ für gewöhnlich die üblichen Ressentiments bedient (in seinem Marsch durch die Institutionen).

(…)

„Mir ist es jedenfalls recht, wenn vereinzelte Inhalte/Medien auf dem Index stehen oder gar verboten sind. Whatever? Bei Videospielen fällt mir jedenfalls kein kommerzielles Spiel ein, dass diesen Status zu Recht hat. Bei Filmen müsste ich auch sehr lange überlegen.“
Ist das nicht ein Widerspruch in sich 😉 Welche vereinzelten Inhalte/Medien wären das dann: mir wäre es jedenfalls lieber würde endlich die Intention überprüft werden – so ähnlich wie es im Buch- und Musiksektor auch läuft.

(…)

Ja, würde (stattdessen) der jeweilige Hintergrund einer Produktion beleuchtet werden wäre das auch aus meiner Sicht eine wesentliche Verbesserung: da spielt sich dann zwar vielleicht ein Handel als Sittenwacht auf (Stichwort Selbstzensur als Marketing-Tool), aber das was der (deutsche) Staat tut (in Sachen Indizierung und Verbot) wäre dann weitgehend trotzdem nur eine einschlägige Absicht… Das jedenfalls wäre mir lieber. Alles andere bleibt Ressentiment gegen visuelle Medien. Bildersturm.

Ein Land der „Dichter und Denker“ mag das Plakative zwar nicht mögen, doch braucht es nicht gleichzeitig selbst an einer plakativen Beurteilung festhalten und könnte auch dort in die Tiefe gehen – nicht stereotyp oberflächliche Darstellungen wie Anatomie aussortieren.

(…)
Oder welcher „kritische“ Aktivismus/Journalismus hat sich je um Spiele wie „IS Defense“ oder „Prison Architect“ gekümmert – um allein zwei Titel von hier zu nennen -, nur weil ihre potentiell problematischen Inhalte nicht so plakativ sind und etwas Recherche erfordern würden, sich zur Vermittlung von Werten *moralisch* nicht so gut fürs boulevardeske Clickbaiting eignen…
P.S.: vor Anomie sollte sich eigentlich kein Staat fürchten brauchen. Werte und Normen in den aus Individuen bestehenden Gesellschaften selbst entstehen (etwa durch Bildung), das heißt auch ohne dass diese vorher ausformuliert worden wären. Das wäre eigentlich auch ein Grund für den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit, ein Grund weshalb Justitia blind ist etc.‘

„House Party“, 19. August: ‚(…)

Von solchen Inhalten in „House Party“ zu lesen überrascht mich jetzt doch etwas. Wüsste gar nicht wie das dort gehen sollte…
Meinen Recherchen zufolge besteht der Titel eher aus einer Aneinanderreihung von Beleidigungen gegenüber dem (angenommen männlichen?) Spieler, aber dabei doch gänzlich OHNE in Richtung der Female Domination-Nische aus dem BDSM-Bereich zu gehen. Mich erinnerte das was ich gesehen habe eher an übliche US-Sitcoms aus dem Fernsehen: oberflächliche Figuren und häusliche Situationen – gepaart mit den politisch und sozial sonst ja eigentlich höchst erwünschten Bildern „starker Frauen“. Das hatte zwar im Ansatz auch Al Lowe (Leisure Suit Larry) damals zu bieten, zwar nicht die bürgerlichen Lebensumstände – Larry war irgendwie obdachlos -, hatte in den Achtziger/Neunzigern aber mehr Klasse gehabt – entfernte es deshalb von meiner Wunschliste.

P.S.: vor Jahren spielte ich glaub ich sogar mal einen Prototypen davon, falls das möglich sein kann – und schon bei diesem war der sexuelle Ausdruck denkbarst gering.‘

Frage 1/2: ‚Die letzten von Electronic Arts (EA) produzierten Titel ohne USK-Kennzeichen waren 2012 „Syndicate“ und Anfang 2013 ohne Anpassungen das letze „Army of TWO“-Spiel, „The Devil’s Cartel“ (internationale Version).
Das 2011 auch in einer eigenen USK-Fassung von EA herausgegebene „Bulletstorm“ wurde kürzlich von Gearbox Software in seiner internationalen Version auch in Deutschland neu publiziert und ist nicht mehr indiziert.
Zufall, Glücksfall, oder heißt das, dass EA nun keine Spiele mehr entwickeln oder veröffentlichen wird, die möglicherweise die deutschen Indizierungskriterien erfüllen – beziehungsweise orientiert sich EA jetzt schon im Entwicklungsprozess daran?
Und falls ja: ist dies als ethische Entscheidung zu betrachten, in Hinblick auf eine verbesserte Öffentlichkeitarbeit und die angenommene, verbreiterte Akzeptanz von digitalen Spielen in der Gesellschaft, oder könnte etwa eine erhöhte Rechtssicherheit in diesem empfindlichen Bereich des Jugendschutzes und Strafrechts in Deutschland (zum Beispiel durch Schaffung einer die Branche repräsentierenden, entlastenden JuristInnenkommission) auch eine Rückkehr zu potentiell jugendgefährdenden Inhalten bedeuten?‘

Frage 2/2: ‚War eine Änderung der Indizierungskriterien in Hinblick auf sexualisierte Gewalt/Darstellung von Minderjährigen ausschlaggebend dafür, dass „Senran Kagura – Peach Beach Splash“ gegenüber seinen Vorgängern bei der USK von den OLJB strenger bewertet wird, dem Titel am Ende des Jugendschutz-Kennzeichnungsprozesses eine Jugendfreigabe verweigert wurde (Jugendbeeinträchtigung festgestellt worden ist)?

Oder waren dafür eher spielimmanente, das heißt besondere Gründe verantwortlich, die unabhängig (von der BPjM) in den dafür zuständigen Gremien gesehen wurden?
Und wird es in Zukunft womöglich eine Politikänderung in Sachen Transparenz (bei der Entscheidungsfindung) geben können, sodass die Öffentlichkeit unter Umständen auch erfährt wer in solchen Fällen appelliert hat (und letztlich berücksichtigt wurde)?‘

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