Verschiedene Jugendgefährdungen und possierliche Umstände

Weitere „Kommentare“: ‚(…)

Woher stammt die Information, dass keine Indizierungskriterien geändert worden seien? Diese werden ja (leider!) nicht öffentlich zugänglich gemacht.

Ich behaupte ja mal salopp: Indizierungskriterien existieren gar nicht, können – vernünftiger Weise – überhaupt nicht existent sein. Für alle die das nicht schon immer gewusst haben…

Und das was da noch (indirekt) als solche betrachtet wird, sehe ich auch nicht als Indizierungskriterien an: ich definiere Indizierungskriterien als Kriterien die explizit „Jugendgefährdung“ in Deutschland feststellen sollen, und keine straf- oder zivilrechtliche Relevanz (die das auch kann). Nur weil etwa das Zivilrecht (als Privatrecht etc.) bislang in Deutschland bei Games keine Rolle spielte, heißt das nicht dass es dahingehend nicht auch greifen könnte – es existieren aus anderen Medienbereichen schließlich genügend Beispiele.
Das ist doch ein so weites Feld, dass darüber so gut wie gar nichts gesagt werden kann – was dann alles möglicherweise ein Indizierungskriterium wäre… Mag sein, dass eine solche Relevanz trotzdem als „indirektes“ Kriterium verstanden werden kann, da liegt eine Fehlinterpretation des Begriffs (aufgrund besimmter, persönlicher Ablehnungen/Zurückhaltungen) aber wesentlich näher.

Genauso halte ich die genannten Strafnormen für beliebig und damit völlig aus der Luft gegriffen: „wir“ wissen es doch nicht genau. Und das ist deshalb nichts anderes als würden gewöhnliche, andere „Gewaltspiele“ plötzlich mit Terrorismus identifiziert werden – oder Umweltverschmutzung (im Sinne eines Spitzers).
Nach dem Motto: da war was mit Gewalt als Terror zuletzt in den Nachrichten, also wird auch das so interpretiert. Und solange es zu keiner Verurteilung in diesem Bereich kam, also ja nicht einmal zu einer Indizierung (!), sind das ganz klar Präjudizierungen – sprechen da nichts anderes als persönliche Abneigungen und Ressentiments.

Würden diese Normen zum Tragen kommen, käme es erfahrungsgemäß zu ganz anderen Ergebnissen – und keinem Herumlavieren zwischen USK-12, USK-18 und keiner Kennzeichnung, aber auch keiner Indizierung (!) – wobei meistens trotzdem weiterhin ein USK-16 erteilt wird. Und in einzelnen Fällen, bei einer nur leicht veränderten Ästhetik, USK-6 oder sogar USK-0.
Also wird es entweder an einer Änderung der „direkten“ Indizierungskriterien, ja (vielleicht!) in Anlehnung an ein verändertes (verschärftes) Strafrecht, oder aber es gibt, als immer noch vorhandene zweite Möglichkeit, spielimmanente Gründe. Und allein über diese Gründe wird die BPjM keine Auskunft erteilen können, wobei sich dann aber schon die Frage stellt wie groß (und regelrecht absurd) der USK-Spielraum aus jugendschutzrechtlicher Sicht eigentlich ist…

(…)

Immer wieder wird bei Gelegenheit diese für mich seit jeher irrige Sicht vertreten. Das widerspricht doch vollkommen jeglichem Ansatz von Jugendschutz (nicht nur in Deutschland), ganz egal was (in Deutschland) konkret unter „jugendgefährdend“ sonst noch so alles verstanden wird: es ist doch ein Grundanliegen jeglichen Jugendschutzgedankens auch (die) Jugend vor Straftaten zu schützen (!). Zudem ist im Jugendschutzgesetz doch ausdrücklich festgelegt, dass strafrechtlich relevante Inhalte zu indizieren sind – und sie sind damit nunmal nichts anderes als (auch) jugendgefährdend. Ich meine da tritt, ähnlich wie bei schwer jugendgefährdender aber legaler Pornografie (mit Erwachsenen), einfach ein Automatismus (noch) ein – vielleicht rührt dieses aus meiner Sicht ganz klare Missverständnis ja von daher.
Ansonsten: worauf stützt sich das? Ich verstehe es einfach nicht.

Die einzige Ausnahme wo ich dem noch wenigstens logisch folgen könnte ist zumindest wirklich die Jugendpornografie unter Jugendlichen (wie beim Sexting-Phänomen), aber auch das ist meinem Rechtsverständnis zufolge ganz klar falsch, da das Gesetz meint dass sich die Jugendlichen durch ihre Selbstdarstellungen auch selbst gefährden würden (in Hinblick auf die Erwachsenenwelt, aber auch in ihrer emotionalen Entwicklung). Und ich persönlich stimme dieser Sichtweise des Gesetzes (in verschiedenen Ländern!) sogar zu.

Nun aber zur Posendarstellung:
die Posendarstellung ist schon seit den Achtziger/Neunziger Jahren relevant und drehte sich von Anfang an um an Pädophile gerichtete, vorgebliche „FKK“-Inhalte. Einerseits, andererseits ging es um Darstellungen in der Kunstfotografie – wie etwa bei den Arbeiten von Jock Sturges – und etwa um die Frage wie groß deren (angenommener) sexueller Gehalt (nicht) ist, wie hoch das Maß der Inszenierung (samt Belastung der dahinter liegenden Intention) und sonstigen vorgestellten Natürlichkeit ist – kurzum: wie „sexualisiert“, im heute üblichen Sprachgebrauch der zwischen einem selbstbestimmten Bedürfnis und einer fremdbestimmten Aufdrängung/Gewalt von Sexualität unterscheidet, die Bilder sind: der springende Punkt ist hier, dass vielfach angenommen wurde dass es auf FKK-Stränden keine Künstlichkeit geben kann, zumal in der zugehörigen (echten) sozialen Bewegung der sexuelle Gehalt von FKK sowieso häufig geleugnet/abgestritten wird.

Soweit ich weiß soll es sich auch bei den irgendwo im Netz versteckten, gekauften oder abonnierten Bildern über welche dieser vielzitierte SPD-Politiker gestolpert ist (und die letztlich die Gesetze änderten/verschärft haben), um Inhalte gehandelt haben, welche an genau diese Tradition anknüpften und sich so einer deshalb – sozusagen – auf einer sicheren Seite wähnte (was auch immer da konkret alles noch gefunden wurde).
Ganz sicher weiß ich, dass es einerseits (bis vor kurzem noch?) Internetseiten gibt (gab?), die – Stichwort „family nudism“ – an Pädophile gerichtete Inhalte anboten die diesbezüglich ganz offen Schlupflöcher ausnutzen wollten. Dort wo die Gesetze diesbezüglich besonders streng sind, wie etwa in den USA, ging es dann etwa darum ob (nackte) Kinder gleichrangig zu (nackten) Erwachsenen dargestellt werden – oder ob die Kinder im Vordergrund zu sehen sind.
Bei „angezogenen“ Inhalten, die andererseits ganz eindeutig sexualisierte Posen aufweisen, gab es eine Seite die 13-17jährige „glamourös“ in Bikinis und Unterwäsche (und der Ästhetik herkömmlicher Kataloge) zeigte. Diese Seite wurde afaik aber jedenfalls erfolgreich bekämpft, zumal sie in der Presse einige Aufmerksamkeit erregte und die Intention ganz unzweideutig sexuell (ausbeuterisch) gewesen ist.

Weiterhin bin ich jedoch der festen Überzeugung dass hier ein grundsätzlicher Denkfehler in der Perzeption und Rezeption von (diesen) Gesetzen vorliegt: es geht einfach nicht darum, ob hier Tatbestände erfüllt sind, sondern ob sich unter Umständen diesen angenähert wird (!). Und erst dann wenn Schwellen überschritten werden kommt der sogenannte Index zum Zug, wenn eine strafrechtliche Relevanz angenommen wird, kommen Gerichte zum Zug.
Doch schon weit davor müssen die Gesetze berücksichtigt werden: das betrifft doch praktisch jede Form von medialem Jugendschutz – egal ob es sich um Darstellungen von Panzerknackern (ein Spiel wo man einen Einbrecher mimt, ein Film wo ein Einbrecher der Held ist, ist mindestens USK/FSK-6 oder USK/FSK-12) handelt, oder ob die Darstellungen selbst strafrechtlich problematisiert werden.
Genauso wie auch die Erfüllung von etwa „Kriegsverherrlichung“ bei einem USK-16-Strategiespiel wie aktuell „Sudden Strike 4“ oder FSK-16-Film wie „Battleship“ (2012) keine Annahme ist, sondern ob die Darstellung des Militärs, der zugehörigen Politik, in Hinblick auf militaristische Tendenzen möglicherweise jugendbeeinträchtigend ist – oder eben sogar jugendgefährdend. Deshalb wurde damals auch einem relativ abstrakten Titel wie „Panzer Corps“ die Jugendfreigabe zum Beispiel verweigert (zumal – verklausuliert – darin nur die Wehrmacht gespielt wurde).
Kurzum: ich kann dieses Schwarz/Weiß-Denken bezüglich der Erfüllung von Tatbeständen einfach nicht nachvollziehen, finde es völlig übertrieben und unsachlich.

Und die USK reagiert da in ihren Entscheidungen auch in Abwägung, das heißt höchst graduell, auf Entwicklungen. Das hat nichts damit zu tun, dass sie (jetzt auf einmal) nicht wüsste was sie tun sollte – weil sie etwa vor neuen Gesetzen steht.

Von „Peach Beach Splash“ hab ich mittlerweile auch schon mehr gesehen und verstehe die Bedenken nun umso besser – bei „Valkyrie Drive“ und „Criminal Girls“ (2) ist es mir sowieso schon klar.
Es ist wohl eine Mischung aus beidem von dem ich schon schrieb: einerseits sind spielimmanente Gründe Schuld, andererseits eine veränderte Gesetzeslage: ja die Posendarstellung dürfte aufgrund einer bestimmten Spielmechanik bei gleichzeitigem Eindruck von Minderjährigkeit der Figuren, eine Rolle spielen, aber längst nicht bis zur Erfüllung des Tatbestandes.‘ Nachlese

Advertisements

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Amerika, Arbeitswelt und Realismen, Ästhetische Belange, BärInnendienste, Biologismus, Chauvis, Denkanstöße, Deutschland, Freiheiten, Kapitalistische Verschärfungen, Post vom Mayer, Wirtschaft und Kulturelles abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s