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Kommentar: ‚Die Probleme bei solchen Äußerungen beginnen wohl eher dort, wenn sich dabei schon die Frage gestellt werden kann an welche „Pluspunkte“, die es in einem GTA ohnehin kaum gibt, da etwa gedacht wird. GTA ist schließlich kein Arcade-Spiel.
Was ist also gemeint? Vermutlich Geld, das dabei aufgesammelt werden kann.
Wieso wird dieser Umstand aber dann so interpretiert und nicht als „Kritik“ am Kapitalismus – wie zweifellos beabsichtigt? Das ist doch völlig abwegig und ignoriert praktisch alles was aus dem Umfeld der Kreativen dieser Spiele je vorgeblich verlautbart wurde, vom restlichen Inhalt von GTA völlig zu schweigen.

Was passiert mit dem Geld? Oder wie schnell kann es im Spiel wieder verloren werden?
Ich würde den GTA-Machern ja vielmehr vorwerfen, dass ihr Antikapitalismus unglaubwürdig ist – dass sie populistisch sind, ihre „Kritik“ nicht überzeugend ist, nicht zuletzt da sie selbst mit ihren Spielen sehr viel Geld gemacht haben, es wahrscheinlich nicht wieder verloren haben, und ihre Karikaturen wiederum so handzahm sind dass sie sich nicht einmal trauen die Orte und Dinge (oder Personen) bei ihren realen Namen zu nennen (im Gegensatz zur No-Budget GTA-Parodie „NotGTA“). Stattdessen flüchten sie sich in ihre Fantasiewelten und kommen sich bei ihrem Zynismus vermutlich noch gut vor, werden sie von der Presse gehätschelt. Ihre rebellenhafte, pseudosubversive (Punk-)Attitüde ist aber nur genau das: Pose, denn im Grunde sind ihre Spiele hoffnungslos politisch korrekt, höchst angepasst, entsprechen voll und ganz dem Zeitgeist usw. Genauso wie im Filmbereich die geschwätzigen Ausnahme-„Gewaltfilme“ eines Tarantino.
Dagegen kann das dünkelhafte Menschenbild von einem Rudolf Hänsel doch nichts ausrichten? Das belächeln die Betroffenen, all jene denen es wirklich anginge und die vielleicht tatsächlich zuhören sollten – was Leute wie Hänsel möglicherweise zu sagen hätten. Zwar nicht unbedingt darüber was in GTA Kindern beigebracht würde, denn Eltern welche so verantwortungslos sind und ihre Kinder in die Nähe von derlei Spielen lassen brauchen nun wirklich nicht dem Staat als Ordnungsmacht die Schuld daran geben, den dürften sie bei ihrer Zeugung schließlich auch nicht gebraucht haben, aber dass die Branche sich wegen der Verbreiterung des Mediums ständig auf die Schultern klopft kann einem schon nachdenklich stimmen, wenn einem alten Hasen wie mir erstmal bewusst wird welche inhaltliche Qualität Menschen stundenlang auf ihren Handys und in ihren Browsern (nicht) spielen. Die Industrie lobt ihre „Indies“ als Arthouse-Erzeugnisse, die aber weiterhin kaum breitenwirksam sind und diejenigen (neuen „Gamer“) welche Videospiele immer noch primär als gedankenlosen Zeitvertreib betrachten keineswegs kennen.
Kurzum: wer soll überhaupt haben wollen, „dass der Spieler möglichst viele Fußgänger mit Autos platt fährt“? Eine solche Annahme, auf ein dermaßen negatives Menschenbild allein sich zu berufen – falls es sich gar um einen begründeten Vorwurf handeln kann -, ist doch einfach nur niveaulos und so etwas streift diese Industrie einfach ab – so ist dieser selbstherrlichen Branche jedenfalls nicht beizukommen: oder was haben solche Äußerungen in den letzten zehn Jahren gebracht? Seit Emsdetten, dem „Kölner Aufruf“ und Winnenden? Voriges Jahr gab es zu München ein kurzes Aufflackern.
Ansonsten alles wieder vergessen – bis auf ein paar Sonntagsreden: heute ist es vielmehr so, dass die Studios bei den fraglichen Corespielen mit der USK im Tandem radeln – die staatlichen Vorgaben dazu geführt haben, dass die BPjM bei den größeren Spielen eben keine Funktion mehr hat, zuletzt nicht einmal mehr bei „Mortal Kombat“. Dort müsste der Moralismus von Leuten wie Hänsel ansetzen, und nicht dasselbe Misstrauen einer Öffentlichkeit ständig in sektiererischer Weise wiederholen – mit einem gewohnt normativen Kulturbegriff auf deren Empörung hoffend – denn das hat nun überhaupt nichts gebracht, sondern vielmehr dorthin geführt wo Merkel letzte Woche war.

Genauso zuletzt bei Herrn Müller: bei Müller war es die alte – uralte – Zitierung des Braunauers (die Internetgenerationen reagieren darauf höchstens mit der Nennung von „Godwin’s Law“, vielleicht noch erklärend mit „wenn einem die Argumente ausgehen“ oder so). Hier, bei Hänsel, scheint es wieder der ach so neue – nur scheinbar junge – „Errorismus“-Vorwurf (Marke „KenFM“) zu sein. Was das alles initiiert: nichts, genau genommen nicht das geringste Umdenken ist dadurch zu erwarten. Hoffnungslos: wenn ich heute nach „Arbeiterfotografie“ google, was schlägt mir die Suchmaschine des Konzerns allen Ernstes als zweiten Begriff vor? „Querfront“.
So weit haben es die Leute um den Herrn Elsässer mit ihrer „Kritik“ am Kapital gebracht, in solche Ecken wurden sie gedrängt: sie haben schlichtweg verloren – sie können kapitulieren.‘

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