Zum Überraschungsmoment: Videospiel-Inhalte als Lotterie(n)?

Kommentar (in Form einer Replik): ‚Abgesehen vom Tand mit Wootboxen hätte es tendenziell auch einen Handel mit digitalen Spielen betroffen.
Etwa die Loots von Green Man Gaming, oder die Pinatas von GOG.com – sogar das Geschäftsmodell auf dem Humble Monthly basiert ist prinzipiell Glücksspiel. Und all diese Dinge werden oft ja auch nur zu „Feiertagen“, also zu besonderen Anlässen, (gezielt) eingesetzt.
Das Problem beginnt in digitalen Spielen weiters schon viel früher: die Sammelkarten der Ultimate Team-Spiele von EA Sports sind prinzipiell nämlich auch nichts anderes als Loot-Boxen. Diese haben allerdings ein analoges Pendant: Panini-Stickeralben und deren Sammelpackungen. Und diese gelten bekanntlich auch nicht als „Glücksspiel“.

Darüber hinaus ist „Glücksspiel“ eben ein viel zu ungenauer Überbegriff – gemeint (mit dem Vorwurf) und (hier bei Videospielen) betroffen ist wohl eher „nur“ das Lotterieprinzip. Und Lotterien sind in Deutschland afaik Ländersache.
Hierzulande (in Österreich) hatte das staatliche Monopol selbst gegen ein besonders perfides Modell wie das der Rubbellose bundesweit nichts, welche dem Vernehmen nach viele PensionistInnen kaufen, und wo bei den allermeisten (leider) nichts rausschaut. Das ist nicht einmal mit dem gewöhnlichem Lottospiel vergleichbar, wo wenigstens Gewinnzahlen vorhanden sind. Während bei Videospielen für gewöhnlich in jedem Fall schon ein Gegenwert drin ist, auch wenn man dann mit dem nicht besonders viel anfangen kann – also etwa der Tauschhandel damit eingeschränkt ist.
Leider kennt die Politik für gewöhnlich auch nur bestimmte Feindbilder, wie etwa die hiesige Sozialdemokratie einen bestimmten Automaten-Konzern (Stichwort „Kleines Glücksspiel“), während das „große Glücksspiel“ – oder eben die Lotterien – völlig unangetastet bleiben. Also so nachvollziehbar die Bedenken sind: da dürfte die Industrie auch noch politisch ein Wörtchen mitzureden haben und müsste es erstmal gelingen das Problem, welches die Branche dabei zweifellos hat, öffentlich überhaupt zu kommunizieren. Hinzu kommt, dass die Ablehnung von Glücksspiel höchst kulturell bedingt ist. Im Westen ist sie vor allem typisch für eine protestantisch-rationalistische Ethik oder eine ausgeprägt calvinistische Tradition (selbst unter vermeintlichen AtheistInnen) – wie eben erfahrungsgemäß in (Nord-)Deutschland, oder den USA. Während in katholisch geprägten Staaten wie in Südeuropa das Glücksspiel immer schon wesentlich beliebter war.‘

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