Videospiele: das eigenständige Medium?

Kommentar: ‚Unklassifiziert blieben im Vorjahr (2016) doch etwa die beiden Fälle von „Valkyrie Drive – Bhikkhuni“ und „Criminal Girls 2“. Bei 4 Uncut hieß es in einem Beitrag gewissermaßen, dass dies bei ersterem ein Vorgeschmack auf die bevorstehende Indizierung des zugehörigen Animes (Mermaid) wäre – doch auch diese (Indizierung) blieb afaik bislang (Dezember 2017) aus.
Naiv wie ich bin sehe ich in einer USK-Kennzeichnung als (bezahlter) Dienstleistung ein Produkt, dessen Verweigerung erst (gut) begründet werden bräuchte. Und die Kennzeichnung durch die OLJB dann sogar als „Recht“ an, das der/die KundIn der USK hat.
Und eine solche Begründung liefert eben eigentlich wirklich nur die Erfüllung eines Indizierungskriteriums. Leider ist in der Realität und Praxis der „Jugendschutz“ jedoch wohl viel zu sehr mit der Öffentlichkeitsarbeit von Industrieseite verzahnt, sodass jede Entscheidung der OLJB (etwa auch die in Hinblick auf Hakenkreuze) tendenziell akzeptiert werden wird und das macht den Jugendschutz dann halt (leider) schon auch zu einem nicht zu unterschätzenden Marketing-Faktor, wenn etwa Appellationsverfahren „seltene Vergnügen“ bleiben – wie Felix Hilgert einmal (einigermaßen fragwürdig, natürlich aus Sicht der Branche) schrieb: AntragstellerInnen werden eher nur selten wahrhaft unabhängig sein, sondern gehören dann ihrerseits wahrscheinlich schon eher selbst zum BIU – ganz zu schweigen wer (!) in einer solchen Situation eigentlich die Kosten für die ganzen Prüfungen trägt.
Und das problematische Selbstverständnis der Videospielindustrie bleibt sowieso nur eine Sache, eine ganz andere (und viel komplizierter) ist wie mit politischen Moden gegen bestimmte Videospiele als Missbrauch über den sich heutzutage (auch videospielende) Familienväter empören überhaupt umgegangen werden kann – wenn etwa auf der anderen Seite die Verbreitung von David Hamilton-Bildbänden (vor allem im Antiquariat) weiterhin unbehelligt bleibt. Manch musealisierte Obszönität (wie viele Werke von Egon Schiele) schon aus dem (internationalen) Kulturbetrieb weiterhin kaum wegzudenken sind, auch nicht so schnell Gefahr laufen aus anderen Gründen für minderwertig (Kitsch oder krankhaft) gehalten zu werden.
Es ist mittlerweile zwar üblich geworden Videospiele (als „digitale Spiele“) nicht mehr vergleichend zu betrachten, sondern als Ausdruck von Idealvorstellungen politisch zu isolieren und jeden performativen Charakter darin so gering wie möglich zu halten, gegenüber etwa dem Buchhandel hat das die Situation dennoch keineswegs verbessert: vermutlich weil das Medium, abgesehen programmatischer Serious Games, ohnehin immer noch nicht ernst genommen wird, größtenteils selbst innerhalb der Industrie nur als Wiederholung des ewig ähnlichen Sport-, Shooter- und Simulationskrams wahrgenommen wird – reflexartig konservative Entrüstung der Core-„Gemeinde“ über Mechanismen/Monetarisierungen die sie in ihren Lebenswelten einfach nicht begreift aber (ausnahmsweise) irgendwie halt doch mitkriegt, wie zuletzt bei „Battlefront“ – aber im krassen Unterschied zu virtuellem Schmuck à la „NBA 2K“, den im Unterschied zum befürchteten Leistungsverfall (Geld gegen Zeit bei EA) scheinbar niemand kümmert, inklusive.‘

Zitierter Artikel. Update – Nachtrag: per Meldung vom 2. Dezember wurde bekannt, dass „Mermaid“ jetzt nächstes Jahr auch in Deutschland erscheinen soll und die (über das Label KSM Anime veröffentlichte Serie) hat dafür von der FSK anscheinend sogar eine Jugendfreigabe (!) erhalten. Dass die Produktion von Seiten der Anbieterin dafür (massiv) zensiert werden musste ist nicht anzunehmen, zumal solche Animes in Deutschland auf Trägermedien nur sehr hochpreisig für ein Special Interest-Publikum angeboten werden und sich dann kaum verkaufen würden. Mittlerweile wurde dieser Umstand auch bei 4 Uncut berücksichtigt.

Die begrenzte „Valkyrie Drive“-Franchise (des „Senran Kagura“-Produzenten) handelte von Frauenfiguren, die, mehr oder weniger, während des Orgasmus ein gesteigertes Selbstbewusstsein samt Superkräften entwickeln und lässt sich am ehesten als psychoanalytische Parodie des Superhelden-Genres beschreiben. Die Fernsehserie „Mermaid“ war zudem gespickt mit jeder Menge phallischer Objekte im Décors. Nachlese.

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