Neues zu Gewalt- und Verführungsspielen

Alles beim Standard.

Zu Gewalt (Replik): ‚In beiden Fällen wird Negatives als positiv gemeint interpretiert: scheitert eine Verführung, tritt (in der Darstellung) der Fall eines sexuellen Übegriffs ein. Der Unterschied dürfte jedoch in der Grundsituation liegen: die Intention überhaupt

jemanden, noch dazu viktimisierte Frauen, verführen zu wollen, ist demnach schon ein verwerflicher Eingriff in deren persönlicher Freiheit – ungeachtet dessen ob die sich daran eigentlich beteiligen wollen.
Deshalb ist es auch so problematisch wenn hier wieder nach der Aufstellung neuer „gesellschaftlicher“ Tabus gerufen wird – offenbar im Sinne eines Habermasschen Konsensmodells und ganz nach einer vermeintlichen politischen Korrektheit und deren idealisierter Bilder. Eine indivduelle Werturteilsfindung ist dabei schon längst Geschichte – was den Pluralismus ungemein bedroht.
Gewalt als legitimes Mittel zum Zweck betrifft das nicht: stereotyp „starke Frauen“ dürfen in asexuellen „Gewaltspielen“ dagegen durchaus auch zu Täterinnen werden…‘

Ansonsten ist der zusammenfassende Artikel durchaus lesenswert. Sehenswert ist auch dieses neue Video von Censored Gaming, bei dem es um die Anerkennung von Videospielen in den USA geht (über die Anerkennung von Gewaltdarstellungen – im Unterschied zu sexuellen Inhalten):

Hinzugefügt werden könnte lediglich, dass Medienverbote seit jeher nicht nur ein Projekt der politischen Rechten waren (so wie es der links-neoliberale Mainstream neuerdings naturgemäß verstärkt darstellt): mitunter gingen Forderungen nach strengeren Waffengesetzen und eine strengere Regulierung von Medien wie Videospielen durchaus Hand in Hand – wie etwas das Beispiel der Karriere des demokratischen Politikers Leland Yee gezeigt hat.

Und ironischer Weise hat dessen Kampf in Kalifornien letztlich dazu geführt, dass Konservative wie Schwarzenegger (mit der Übernahme demokratischer Forderungen als Gouverneur) und Scalia (als oberster Richter damals) Videospiele in letzter Konsequenz anerkannten.

Yee sollte momentan übrigens, unter anderem wegen illegalen Waffenhandels, sich nicht frei bewegen dürfen  – soviel zur neuen moralischen Mehrheit…

Weiter zu Schönheit: ‚Wirklichkeit „ist“ beides: Realität Gewalt in Videospielen ebenso wie friedliche und zärtliche Szenen, mitunter sogar im selben Titel.
Die Frage ist weiterhin eher warum Gewaltdarstellungen tendenziell affirmativ interpretiert werden, das heißt Negatives positiv gemeint sein soll – während das ästhetische Empfinden dasselbe Modell im anderen Fall nicht anwendet, diese scheinbar erwünschten Bilder tendenziell eher nicht mit Spott und Hohn bedacht werden, zynisch etwa als „Kitsch“ beschrieben usw.
Der „röhrende Hirsch“ tauchte als Feindbild sonst ja auch schon auf Konferenzen auf, nebst diverser Frauenbilder als angeblicher Sexualisierung darwinistisch-sakraler Körper. Und in der Dialektik ist ein Umkehrschluss in der Frage durchaus zulässig.‘

Sowie Verführung: ‚Semantik auf Abwegen: angeblich sind zwar auch viele Mariospiele „gewaltfrei“, in Unterwäsche sich zu befinden heißt aber trotzdem hoffentlich immer noch mindestens halbnackt zu sein. Und ist das (österreichische?) Deutsch (leider nicht nur hier!)

mittlerweile bereits so schlecht geworden, dass jetzt selbst die BBC schon maskulinisiert wird? Und warum wird dabei ausgerechnet das Thema Migration exemplarisch herausgegriffen, um einen misogynen Gehalt dieser Produktion festzustellen? Ist es etwa nicht nur sexistisch, sondern noch dazu rassistisch?
Gamer im Sinne von „Gamergate“ werden dabei aber in jedem Fall kaum das Zielpublikum sein, sondern eher die sonstige „Verführer“-Kundschaft auch. Insofern ist es eher auch ein Beispiel für eine, in dem Fall unerwünschte, Verbreiterung des Mediums. Oder was ist verwerflich daran „den Glauben der Frauen zu verändern“. Manipulation? Bekehrung? Missionierung?
Was kann da mit Glaube überhaupt gemeint sein? Religion?
Fragezeichen über Fragezeichen.‘

(…)

Mit (noch einer) Replik: ‚Sexistisch ist das „Spiel“ allein schon deshalb, weil darin ein Mann mit

der Haltung auftritt wenigstens in der Lage zu sein alle gezeigten Frauen zu „verführen“. Er objektifiziert damit Frauen, während sexuelle Belästigung gleichzeitig zwar einerseits als nicht zielführend beschrieben wird, andererseits aber zur Belustigung des Publikums doch fester Bestandteil der „Verführung“ im „Spiel“ ist. Und sexuelle Belästigung wird damit zumindest verharmlost.
Dass das natürlich eine äußerst primitive Definition ist, die Menschen mindestens ebenso selbst auf Geschlechterrollen reduziert wie vorgibt sie davon zu befreien, sei mal (ausnahmsweise!) dahingestellt. Ihre äußerst eingeschränkte Sicht auf Sexualität (hier leider üblich), mit dem Ziel und dem Bild synchron funktionierender Körper als „echter Erotik“, sowieso.‘

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