Zum heutigen Release von „Ni no Kuni II“

Bei Eurogamer: ‚Unfair ist vor allem, dass diese immer-noch Großproduktion im Text auf die Fortsetzung eines Disney-„Klassikers“ abgestellt wird. Dem Autor sollte nämlich bewusst sein, dass sämtliche dieser Filme in erster Linie direct-to-video produziert wurden und in keinem Fall auch nur annähernd die Qualität des Originals erreichten, oder inhaltlich auch nur irgendwas an Relevanz hinzufügten – nicht einmal „Bambi 2“, der wenigstens hier in Österreich sogar in die Kinos kam.
Das waren alles Arbeiten für „Fans“, streng kalkuliert für das jugendliche Zielpublikum. Und das weiß der Disney-Konzern wohl selbst.

Dass „Ni no Kuni II“ redundant werden würde, war eher schon aus ganz anderen Gründen abzusehen: beim ersten Teil wurde noch die Kooperation mit dem Studio Ghibli vorangestellt, suggeriert das Spiel stünde (vermeintlich erstmalig für ein Videospiel) in der Tradition von Hayao Miyazaki. Jetzt hörte man davon überhaupt nichts mehr, vermutlich weil im Studio die meiste Zeit während der Produktion des zweiten Teils eine Schaffenspause eingelegt wurde, oder entsprechende Marketing-Verträge ausliefen.
Wie dem auch sei: die Assoziationen bedeuteten für „Ni no Kuni“ zunächst eine melancholische Grundstimmung, verbunden mit einer eher an „Dragon Quest“ orientierten, sympathischen „Feind“darstellung inklusive charakterlicher Zwischentöne – und um dem Humanismus der Vorlagen weiter gerecht zu werden wurde für den Story-Arc noch dazu der melodramatische Überbau in einer nostalgisch aufbereiten „realen“ Welt gewählt, als Ergänzung hinzugefügt.
Dort sollten dann die traumatischen Ereignisse in der Kindheit stattfinden, die aber in der fantastischen Spielwelt nur in Form von Allegorien auftauchten: und die „Realität“ wurde bei denen dann halt systematisch ausgeblendet, konsequent verdrängt. Wo den meisten Videospielen für gewöhnlich immer vorgeworfen wurde eskapistisch zu sein, handelte dieses gleich von eben jener emotionalen Strategie – dem politisch spätestens seit den Tagen der McCarthy-Ära im Westen so gern diffamierten Eskapismus.

Das Geniale an „Ni no Kuni“ war jedoch, dass je mehr sich mit seiner Fantasiewelt beschäftigt wurde, desto mehr wurde alle „Realität“ vergessen (die Realität um die kindliche Spielfigur ebenso wie die Realität um den Spieler, die Spielerin) – was ein ungemein starker Kommentar zur Ausdrucksform gewesen ist und den sonst (in punkto Gewaltdarstellung und in der AAA-Größe) eigentlich nur noch ein „Shadow of the Colossus“ von Fumito Ueda zustande brachte.

Und im zweiten Teil wird dasselbe Spiel der ausgeblendeten Realitätsebenen offenbar wiederholt: an die Stelle von Krankheit und Tod als Alltagssorgen treten nun nur gleich Krieg und Verderben, wo eine Rückkehr in die „Realität“ von Vornherein ungemein schwieriger werden wird, eher keine romantisch-nostalgischen Eigenschaften mehr aufweist. Darüber sollte der Autor nachdenken.
Das Konzept des Spiels und das Spiel selbst haben sich damit jedenfalls nicht geändert.‘

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Eine Antwort zu Zum heutigen Release von „Ni no Kuni II“

  1. Jun schreibt:

    Wirst du auch was zum kingdom com delivience schreiben?

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