E3 2018: Nachlese Electronic Arts (EA)

Der AR-Einstieg mit „Anthem“ zu Beginn der Show wies den Weg: in kleinerem Rahmen diesmal überraschend gut, so lässt sich in etwa die diesjährige PK von EA zusammenfassen. Und das obwohl bis auf „Sea of Solitude“ (unten) praktisch keine einzige neue IP vorgestellt wurde, sowie „Anthem“ bei mir nicht unbedingt einen besseren Eindruck als letztes Jahr hinterließ: die Dramaturgie erinnerte mich als passionierten „Destiny“-Spieler noch mehr an Bungie’s Meisterwerk – ein Rollenspiel wird das sicher nicht, die Rollenspiel-Anteile (mit erkennbaren Gesichtern) scheinen auf ein erweitertes Hub-Gebiet beschränkt. Eine Identifikation mit „fremden“ Charakteren wird zeitgeistig so komplett vermieden, dafür allein schon auf vier Typen von „Fähigkeiten“-basierten „Javelin“-Klassen gesetzt die alle Menschlichkeit unkenntlich machen und dafür jede Menge Abstraktion fördern. Ein Ersatz für sonstige „HeldInnen“ (wie in „Overwatch“ und Co.), der, abgesehen von „Destiny“, schon das F2P-„Warframe“ so erfolgreich machte. Loot-Boxen soll es, wie überall gelobt wurde, keine geben, dafür natürlich „Cosmetics“ (wo kein Raunen im Publikum erwartbar scheint). Richtig beeindruckt hat mich dafür die Frostbite-Grafik des Spiels – die mit sehr unterschiedlichen Umgebungen aufwartete, erstaunlich texturiert war und sehr atmosphärische Effekte aufgetischt hatte: dichte Vegetation, wenn da nur nicht das völlig uninspirierte Szenario wäre…

Für mich recht erstaunlich war die Festlegung auf einen Termin Anfang nächsten Jahres, also genau in den Slot den „Mass Effect“ voriges Jahr vermasselt hatte: über „Battlefield V“, das schließlich noch heuer erscheinen wird, wurde dafür nur wenig gesagt. Der Singleplayer wird zweifellos auf ähnliche Emotionalisierungen wie „Battlefield 1“ setzen, dessen Ästhetik das gesamte „Battlefield V“ überhaupt übernimmt, beim Multiplayer aber auch nur abstrakt auf „Customization“ verwiesen, und einen kommerziell wohl unvermeidlichen „Battle Royale“-Modus. Soviel zur eigenen Identität (wohlgemerkt nicht nur der Franchise!). Gezeigt wurden in erster Linie winterliche (Multiplayer-)Bilder: die Frostbite-Engine wurde dahingehend beim neuen Narvik-Szenario von „Battlefield V“ ihrem Namen mehr als gerecht – kein Wunder: bereits „Hoth“ sah im ersten neuen „Battlefront“ (2015) atemberaubend aus. Für den Singleplayer verwies man auf die morgige Microsoft-Konferenz: ein Wink mit dem Zaunpfahl, wie sehr Microsoft auf Third Parties wie EA setzen wird (müssen). Bilder eines neuen „Star Wars“ gab es, abgesehen von weiterem Content für „Battlefront II“, gar keine. Über das Respawn-„Star Wars“ durfte Vince Zampella, ziemlich sympathisch, nur etwas erzählen.

Zum Sport: „NBA“ wird tatsächlich nochmal fortgesetzt, dafür aber auch nur ein Trailer über ein ominöses Basketball-„Squad“ gezeigt. Business as usual. Und „Madden“ wurde diesmal, in meiner Erinnerung erstmals überhaupt auf einer EA-PK, mit E-Sport in Verbindung gebracht. Selbiges galt für ein ominöses Mobilspiel, das live gespielt worden wäre und sich trotz 08/15-Ästhetik schnell als ein weiteres „Command & Conquer“-Experiment entpuppte. Dafür mit ausnahmsweise sehr gutem „Core“-Eindruck, auch wenn nach dem „Live“-Spiel noch ein absolut überdimensionierter Trailer nachgeschoben wurde – genau so konzipiert wie das abstruse Werbematerial mit dem heutzutage diverse Gratisspiele die linearen Fernsehsender überschwemmen (und dem Medium damit meiner Ansicht nach einen Bärendienst erweisen, aber das hat die „Verbreiterung“ halt mit sich gebracht…): am Ende dieses absolut peinlichen Filmchens hatte sogar Kane höchstpersönlich einen kurzen Auftritt – für „eine neue Generation“ sei die Produktion des Handyspiels gewesen, ließ CEO Andrew Wilson noch ausrichten. Aha.

Bei Google soll es irgendwo schon eine Alpha dafür geben, genau wie im Falle von „Unravel Two“ bei „EA Access“ das fertige Spiel getestet werden kann. Apropos „Unravel“, neben dessen Koop-Fortsetzung (im Geiste des jüngsten Joseph Fares-Hits „A Way Out“), wurde gerade mal ein einziges wirklich neues Konsolen- oder PC-Spiel angekündigt: „Sea of Solitude“, ein allegorischer Plattformer zum Thema Einsamkeit – im Fahrwasser von „Papo & Yo“ -, das an „Gravity Rush“ und „Submerged“ zu erinnern vermochte. Und die sympathische deutsche Entwicklerin hinterließ da ganz nebenbei den mit Abstand menschlichsten Eindruck der gesamten Präsentation.
Am PC soll der dortige Download-Service übrigens erweitert werden und ab dem „Madden“-Sommer optional auch komplett neue Spiele beinhalten – ob Microsoft für die Xbox One da mitmacht, wird sich morgen zeigen. Da Konsolenspiele im Zweifelsfall jedoch immer noch wesentlich mehr wert sind als PC-Spiele, denke ich eher nicht. Man experimentiere darüber hinaus mit einer (eigenen) Streaming-Technik, hat es von Wilson noch geheißen – die vermutet nächste (und orakelt letzte) Konsolengeneration mit fester Streaming-Integration lässt grüßen.

Den Vogel schoss, angesichts soviel erwartbarer Information, die „FIFA 19“-Präsentation ab, welche die größte Überraschung der Sendung beinhaltete, denn Electronic Arts hat sich doch tatsächlich die UEFA-Lizenz von Konami praktisch zurück erstritten. Überhaupt war europäischer Fußball in Hollywood kaum mehr je präsenter. Dasselbe gilt ansonsten nur noch für die ganzen schwedischen Studios, ohne die EA insgesamt heutzutage nicht mehr zu denken wäre – Patrick Söderlund und Andrew Wilson schenken sich auf der Showbühne überhaupt nichts: EA ist und bleibt auf absehbare Zeit vermutlich auch der einzige Videospiel-Konzern, bei dem man spätestens seit heute Abend wirklich den Eindruck haben kann, dass AAA, Indie und Mobil gleichberechtigt existieren (tatsächlich ist „Real Racing 3“ das einzige Mobilspiel das ich seit Jahren regelmäßig spiele).

Was das für das traditionell Lizenz-schwache „Pro Evolution Soccer“ bedeutet, wird sich dabei leider erst zeigen müssen. Und dabei wurde so getan, als wäre die „Champions League“ ganz etwas Neues für EA – ein Schelm wer Böses dabei denkt: früher koppelte EA in EM/WM-losen Jahrgängen die „Champions League“ einfach aus und kreierte schon mal ein eigenes Spiel um den Wettbewerb – was stimmt ist allerdings, dass die europäische Meisterliga in der „FIFA“-Hauptserie bislang vernachlässigt wurde. Und die nunmehrige Integration ist klar und deutlich ein Hinweis für Fußball-Fans, dass es in Zukunft kein einziges eigenes EM/WM- oder gar „Champions League“-Spiel mehr geben wird: die Losung „Videospiele als Service“ ebnete (nicht bloß da) politisch den Weg.

Note: B-

 

 

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter Almrausch-Urteile, Almrauschen, Amerika, Arbeitswelt und Realismen, Ästhetische Belange, BärInnendienste, Denkanstöße, Die Welt wird auf der Erde verteidigt, Kapitalistische Verschärfungen, Retrospektiven, Wirtschaft und Kulturelles abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s