Zur Videospielindustrie im deutschsprachigen Raum

Kommentar: „Als Historiker würde mich ja brennend interessieren wie der Marktanteil um 1995 so ausgesehen hat. Leider fand ich beim VUD (Verband der Unterhaltungssoftware) früher keine solchen Zahlen.

Zur Hochzeit von „Die Siedler“, nach dem „Patrizier“, als Software 2000 neben dem „Bundesliga Manager“ noch Adventures produzierte, mit dem österreichischen Max Design vor „Anno“ und Neo (Whale’s Voyage) in Wien.

Ob sich da etwas gravierend verändert hat. Meine Vermutung ist „ja“, denn als internationale Produktionen sogar noch häufig indiziert wurden wird es allein deshalb schon weniger Konkurrenz aus dem Ausland gegeben haben. Und die erste Konsole welche in Deutschland breitere Akzeptanz fand war gefühlt sowieso erst in den letzten Jahren die PlayStation 4 – allein in der deutschen Videospielpresse mit ihrer immer noch vorhandenen Dominanz an PC-Publikationen wäre früher niemand auf die Idee gekommen Konsolen-exklusive Titel gleichberechtigt nebeneinander zu besprechen. Sicher war die Dunkelziffer illegaler Kopien damals auch noch ungleich höher, aber mit dem Aufkommen der CD ging das kurzfristig ebenfalls zurück – deshalb meine Frage bezüglich 1995.

Wir wissen aus der Geschichte, dass der Verkauf von Blue Byte an Ubisoft, der Sunflowers-Marke „Anno“ usw., nachhaltige Auswirkungen auf die Produktionsverhältnisse und Möglichkeiten zur Entfaltung hatte. Während gleichzeitig zum frankophonen Ubisoft sich kein deutschsprachiger Konzern längerfristig etablieren konnte: zunächst versuchte es Fishtank (Ravensburger) im großen Stil – mit Einkäufen etwa in Frankreich, beim späteren „Dishonored“-Studio (Arx Fatalis), dann JoWooD aus Österreich mit dem deutschen Aushängespiel „Gothic“ etc., und als sich heuer im Frühjahr Franz Koch verabschiedet hat (an Nordic verkaufte) ist wohl die letzte Hoffnung endgültig gestorben.

Warum hat von der Globalisierung und Verbreiterung der Branche ein skandinavisches Land wie Schweden so sehr profitiert, dass Electronic Arts heutzutage halb schwedisch wirkt, aber nicht das wiedervereinigte und wirtschaftlich vermeintlich so starke Deutschland im Herzen Europas, trotz massiver politischer Unterstützung – wenigstens in den letzten zehn Jahren. Zwar konnten sich kleinere Studios und Publisher wie Daedalic ordentlich profilieren, und manche mit Hilfe aus der deutschen Politik wohl konsolidieren, das große Geld mit Videospielen wird aber weiterhin ganz woanders gemacht – wobei ein (negatives) Lehrbeispiel mitunter Crytek selbst sein kann: erst Konzernen wie Ubisoft, Electronic Arts und Microsoft zuliefern, dann sich auf F2P und die verdeckte Position des Engine-Lieferanten technisch zurückziehen. Ein einziges Trauerspiel: sogar Bigpoint, das wiederum Computerspielpreis-Gewinner wie Radon Labs (Drakensang) auf dem Gewissen hatte, wurde vor zwei Jahren ja von Youzu übernommen und ist heutzutage damit praktisch nur mehr als chinesische Marke existent – wobei schließlich über die Eigentumsverhältnisse selbst nicht einmal diese Statistik, welche der neue, geschlossene Verband jetzt dankenswerter Weise mitteilt, irgendetwas aussagt.‘ Bericht.

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