Kommentar zur (diesjährigen) Bundeswehr-Werbung auf der Gamescom

Replik: ‚Kleiner Tipp: das glauben die gar nicht. Die wissen nur, dass dort viele Jugendliche zugegen sind und deshalb gehen sie – wie anderswo, oder schon zu Games Convention in Leipzig-Zeiten – hin.

Dass es dort um Videospiele geht interessiert die gar nicht – das war schon zur Hochzeit der „Killerspiel“-„Debatte“ klar
Im Gegenteil – der Tweet zur Werbung kann ein ähnlich antiquiertes Unverständnis gegenüber dem Medium deutlich machen, wie die Swastika-Stellungnahme der Familienministerin: „Krieg“ gehöre ebenso wenig in ein Spiel wie Hakenkreuze. Und die Bundeswehr steht sowieso nur für „Frieden“
Die Mär, dass das Medium „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen wäre hat sich parallel dazu verbreitet, dass sich die Wahrnehmung des Mediums eben (trotzdem) nicht verändert hat. Das (allein) kommt darin zum Ausdruck: die Verbreiterung hat nur bewirkt, dass heute vielfältigere Spiele erscheinen und mehr Menschen spielen (können)
Das alles.‘

Auf Twitter – die Bundeswehr selbst erklärt ihre absolut geschmacklosen Botschaften: „Schon unsere Werbung zur #Gamescom gesehen? (…)“

Und lässt dabei, in so wenigen dort möglichen Worten, kein einziges negatives Klischee über das Medium aus: „Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, was wirklich zählt: Krieg spielen oder Frieden sichern?“

Also:

  • Videospiele seien ein Unternehmen der Gedankenlosigkeit? Check.
  • In Videospielen mit Militär „Krieg“ zu spielen hätte keinen positiven Bezug zu Frieden, sondern wäre eine Affirmation des Phänomens des Krieges – im Unterschied zur (militärischen) „Friedenssicherung“? Check.
  • Videospiele zu rezipieren, oder „konsumieren“, „zählt“ nicht „wirklich“ – ist also sinnlos und eine Zeitverschwendung? Check.

Da ist wirklich alles beinander was darüber an Ressentiment überhaupt vorhanden sein kann.

Trotzdem versteht das die versammelte Presse in unzähligen Artikeln dieser Tage  wieder mal überhaupt nicht so wie es gemeint war, sondern meint die Bundeswehr hätte mit ihrem Bezug auf Videospiele den Krieg „verharmlost“ (gibt also glatt Bundeswehr-Denke wieder, denn die glaubt wohl weiterhin eher Videospiele verharmlosen den Krieg – als negativ gedachte „Gefahr“, obwohl traditionelle Militärspiele als „Militaria“ auf der Messe ohnehin kaum mehr vertreten sein werden) – nein, denn insgeheim haben es vermutlich doch viele „Kritiker“ so wieder richtig verstanden…

Lesenswert, wenn auch da leider von einer nicht weniger affirmativen und nicht-performativen Bedeutung, wie dem Topos der Schießbude (statt den Kulissen eines Theaters), ausgegangen wird: „Kriegsspiele sind Erinnerungsmedien

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