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Beim VDVC: ‚Na ja, wenigstens ein Journalist wehrt sich. Oder?
Einer derer welchen die Ministerin indirekt ausgerichtet hat, sie bloß „verkürzt“ wiedergegeben zu haben. Und wer das geglaubt hat, dem ist meiner Meinung nach sowieso nicht mehr zu helfen…
Aber ich hätte nicht einmal einem Journalisten das zugetraut und bin deshalb höchst positiv überrascht: sehr erfreulich – bessert meine Meinung über die Zunft wieder um eine Nuance.

Auf mich wirkt dieser Friedrich (einer der Devs) jedenfalls absolut nicht integer, um nicht zu sagen verantwortungslos: alles was mit diesem Titel diesbezüglich zusammenhängt immer mehr wie ein abgekartetes Spiel – erst wird diese Veranstaltung mit dem Kulturrat durchgezogen, entsprechend moderiert, dann funkt die Ministerin dazwischen, und schließlich wird dieses Bild veröffentlicht, wo die Ministerin neugierig auf den Bildschirm blickt – mit allen „Verantwortlichen“ in der versammelten Runde daneben. Während die Ministerin ihre Ressentiments behalten darf bleiben ansonsten nur Beteuerungen und Gelöbnisse übrig, doch immer nur in ihrem Sinn gehandelt zu haben – was auch sonst…
Und das alles (fast) in der Messewoche, während vorher mit den OLJB noch die „rechtliche“ Sache geregelt wurde. Österreichisch formuliert: na no na ned.

Denn im Grunde ist es doch so, da sollte sich nun wirklich niemand etwas vormachen: dieses Spiel hätte auch ein Ministerium selbst herausgeben können (genau wie damals „Dunkle Schatten“!). Ähnlich wie beim „Bundesfighter“ ansonsten auch die öffentlich-rechtliche „Kritik“ an der AfD betroffen gewesen wäre, regelrecht absurd anzunehmen war, dass dieses öffentlich-rechtliche Werbespiel auch nur in irgendeiner Form dauerhaft angegriffen worden wäre – allein schon wegen der Pressefreiheit. Von Wolfgang Menge und Co. weiß ich, dass auch Fiktion dort traditionell als Journalismus gelten kann – und nicht etwa als Kunst.
Ich ärgere mich zwar noch immer, dass so ein Spieleprojekt keine Hilfe einer deutschsprachigen Uni zusammenbringt (zumal es mittlerweile auch eine VR-App mit Spielgrafik vom Anne-Frank-Haus gibt, die nur nicht als „Spiel“ vermarktet wird), aber dafür machen es dann halt so hippe Startups – mit entsprechender Unterstützung. Und das ist dann halt auch wieder schon so eine fragwürdige Form des Neoliberalismus, dieses Outsourcing von Erinnerungsarbeit (die Privatisierung staatlichen Gedächtnisses).
Eigentlich kann ich das nur perfide und höchst unanständig finden.

Da (auch nur ansatzweise) so zu tun als hätte da jemand etwa ein mutiges Spiel in einer „schwierigen“ Situation gemacht ist einfach nur peinlich – um nicht Max Liebermann zu zitieren.

(…)

Erstens ist das hier glaub ich politisch nicht erwünscht, und zweitens, wenn schon Jason Schreier höchstpersönlich gegen den Typen vorgeht, ist das eher eine IGN-interne Angelegenheit: IGN gilt sowieso nicht als seriöse Games-Postille und agiert für „SJW“ viel zu „unkritisch“.
Drittens wäre dieses Zitat eines EA-Produzenten etwas ganz was Neues – da musst Du fast etwas falsch verstanden haben: ich weiß nur, dass Patrick Söderlund alle die etwas gegen die Darstellung hätten gleich als „ungebildet“ beschimpft hatte, bevor er seinerseits dem Konzern den Rücken kehrte.
Ansonsten sei wohl alles korrekt, selbst die Frauen auf der nur leicht verfremdeten Wehrmacht-Seite, und Wissen ist bekanntlich Macht.
Dennoch hat am Montag in Köln der Onkel der AMD-Chefin, der zufällig Boss ihres nach Intel zweitgrößten Konkurrenten Nvidia ist, verlautbart, EA sei im Geschäft der „Zeitreise“: das hat selbst einen Ungebildeten und Unbelehrbaren wie mich zum Nachdenken gebracht. Offenbar hat man sich das so vorzustellen, dass Electronic Arts die Identitäten der Gegenwart in ihrem Battlefield-Multiplayer einfach auf „Zeitreise“ schicken will. So gerecht repräsentieren.
Und ich fürchte auf genau solche Geschichten wird man sich auch in Hinkunft noch vorbereiten dürfen (von der Steinzeit bis zum Mittelalter), erst einstellen müssen – da war die bisherige politische Entwicklung mit ihrem Verzicht auf Pin-ups und sexualisierter Werbung noch gar nichts: den Tag an dem da jemand irgendwen Unbelehrbaren die Schuld gibt, wenn etwas wider Erwarten doch kein kommerzieller Erfolg wurde, werde ich aber vermutlich nicht mehr erleben dürfen – denn das käme ja einem Schuldeingeständnis der Produzenten gleich und würde dem „Mythus“ der Verbreiterung, der gebetsmühlenartig wiederholt wird, widersprechen.
Wo hast Du das wieder her? Die „Gamer“ von einst existieren in dieser Öffentlichkeit und politischen Situation doch sowieso längst nicht mehr.‘

Update vom 28. August – Söderlund-Replik: ‚Das Zitat kannte ich eben auch. Das bedeutet aber gerade ja nicht, dass sie Kampagnen gegen das Spiel eine Schuld geben werden – im Gegenteil würden sie gegebenenfalls auf den Verkauf einiger Exemplare VERZICHTEN – für den „guten“ Zweck sozusagen.
Und im diffizilen Verhältnis zwischen PR und Journalismus wird auch die Videospielpresse da einerseits keinen Spielern eine Schuld geben – was andererseits aber natürlich wiederum nicht bedeuten mag, dass sie sich insgeheim nicht doch so ihre Gedanken machen, ob das mit der Verbreiterung, den vielen weiblichen Spieler, und ihrer Form von Historizität (auf Seiten der Guten, im Multiplayer die Menschen vor den Bildschirmen repräsentierend den Faschismus ausblendend) wirklich so richtig war.
Ich bin aber noch das Zitat schuldig: (…) (die schlechte Tonqualität bitte ich zu entschuldigen)‘

„part history, part travel, part time-travel, part running for your life, part destruction, real-time destruction, you’ve never seen destruction like there is destruction – isn’t that right guys? (…)“ Na ja: erstens erinnert mich so zu sprechen eher an Donald Trump, als an Steve Jobs. Und zweitens – Zerstörung? Ja, Zerstörung historischen Übels – Geschichtsrevisionismus (im wahrsten Sinne des Wortes, und nicht bloß in der pseudo“kritischen“ Einbildung), Beschönigung historischen Sexismus durch gegenwärtige „Geschlechtergerechtigkeit“ usw. Oder wie heißt es jetzt schon vor „Tom & Jerry“ etc.: „(…) may depict some ethnic and racial prejudices that were once commonplace in (…) society. Such depictions were wrong then and are wrong today. While not representing the (…) view of today’s society, these (…) are being presented as they were originally created, because to do otherwise would be the same as claiming these prejudices never existed.“ Tja: no period piece without a purpose anymore – lautet da wohl die Devise.

‚Nachtrag: als Hinweis könnte die Integration von Frauen in „FIFA 16“ dienen. In „FIFA 16“ war das damals eine große Sache – bei „FIFA 17“ und „FIFA 18“ kümmerten sie sich aber kaum mehr darum. Sie blieben zwar (mit ein paar neuen Trophäen/Erfolgen und einem kleinen Multiplayer-Modus) erhalten, wurden aber kaum ausgebaut. Erst heuer bei „FIFA 19“ werden die weiterhin marginalisierten Frauen wieder etwas stärker berücksichtigt.‘

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