Wieder was zu(r Rezeption von) Spitzer

Kommentar: ‚Manfred Spitzer ist ein Autor der glaubt, dass wenn zwei Menschen einen „Western“ gesehen hätten beide denselben Film gesehen haben müssten. Der überhaupt „denkt“, dass alle „Western“ gleich wären, weil er sich darunter selbst offenbar immer dasselbe wertend vorstellt. Und einher geht mit diesen Assoziationen wie „kritisch“ Ideen von Minderwertigkeit eines Gros der Medienwelt, sowie negativ gedachter Gefährlichkeit derselben darin, dann sogar die Begrenzung auf bestimmte Hirnregionen. Mehr noch, dass gewissermaßen alle Kunst – und über Medien hinaus dann sämtliche Umstände, Wahrnehmungen des Lebens als eigentlich zwingende Folge von Kultur (naturalistisch als „Natur“) – empirisch „im Gehirn“ ihren Niederschlag finden würden.

Doch diese Form der wohlwollenden und utilitaristischen „Hirnforschung“ dieser „Gesundheitsgesellschaft“, des Bezugs auf das menschliche Gehirn, ist, absolut „verharmlosend“, bestenfalls fatal zu nennen. Die gewöhnliche Kognitionsforschung oft schon schlimm genug, wenn sie Geistesleben wie Sprache auf chemische und biologische Determinanten reduziert.

Und fatal deshalb, weil es sich im Grunde um nichts anderes als politische Äußerungen handelt: wo dann manipulativ zwischen einem „Segen der Hirnforschung“ und „Deutschland schafft sich ab“ praktisch kein Unterschied mehr vorhanden ist – in beiden Fällen eigentlich nur mehr ein Drang hin zu einem wie auch immer versprochenen Gedeihen, zu einem aus meiner Sicht grauenhaften Leistungsdruck und einer absolut totalitären Bestimmung von „Sinn“ gegeben ist. Auf ein Arbeit wie Freizeit umspannendes Wissen- und Gesellschaftsideal abgestellt wird, dass ich gewissenhaft nur mehr mit Terror assoziieren kann. Mit unabsehbaren Folgen für alles menschliche Leben.
Doch das alles kann wiederum mit (Pseudo-)Wissenschaft eigentlich gar nichts mehr zu tun haben, sondern vielmehr mit der Hieroskopie als antikem Ideal von Welterkenntnis. Sind höchst archaische Vorstellungen, die als Ideen so „mit der Hirnforschung“ in den letzten dreißig Jahren in die Moderne übertragen wurden und „wir“ ansonsten freigelegt mit Forschung wohl überhaupt nicht mehr assoziieren würden.

Nur das hat in den Köpfen vieler Menschen leider einen so großen Erfolg, weil es einfachste, populistische Ideen von „gut“ (Empathie) und „böse“ (Egoismus) beinhaltet, Werte impliziert mit denen sich diese anscheinend erst identifizieren wollen und hernach (völlig unwissenschaftlich!) als „Wahrheiten“ zu verkaufen gedenken. Nur all jene die damit (erst) abgewertet werden sollen, deren Geistesleben und Lebensstil darüber gering geschätzt wird, diese Menschenverachtung und Verantwortungslosigkeit, scheint diese Moral nicht zu betreffen.
Und eine einzige „ethische“ Frage bleibt mir da noch zu stellen: welcher „Egoismus“ hat das Unterfangen dieser „Studien“ befeuert?‘

Weiterlesen (im wöchentlichen Boulevard – von 2016).

Nachtrag: ich lege Wert darauf hinzuweisen, dass ich vor der Abfassung dieses Kommentars keinerlei Kenntnis von der Existenz des neuesten Spitzer-Textes „Die Smartphone-Epidemie“ hatte (der bezeichnender Weise bei Klett-Cotta erscheint, dort wo neben Tolkien auch ein Ernst Jünger angetroffen werden kann). Davon erfuhr ich erst heute Morgen durch eine Zeitung…

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