Wieder was zu „Anno“ als „historischer Simulation“…

„Was ein anderer Historiker dazu sagt“, zweiteilig: ‚Schon bei „Anno 1404“ gab es ähnliche Vorwürfe: damals waren diese, analog zu „Prince of Persia“, noch einigermaßen berechtigt, da das Spiel tatsächlich viele orientalistische Bilder verwendet hatte.

Das kann ich hier (vorerst) nicht erkennen – es konzentriert sich in seinem Eurozentrismus scheinbar vielmehr auf Europa allein. Aber wie?
Seine Inselwelten waren seit jeher schon relativ abstrakt. Ursprünglich wurden einzelne Fraktionen, entsprechend abstrahiert, sogar nur Farben zugeordnet – im Unterschied zum Gros der Konkurrenz, das tatsächlich viele historische Bezüge aufwies. Es als „historische Simulation“ auszuweisen halte ich schon deshalb für recht absurd und kann ich nicht nachvollziehen: allein das Begriffspaar „Anno“ und eine Jahreszahl deutet doch auf die Verklärung von Geschichte hin. Ich habe in meinem Berufsalltag tagtäglich mit ganz ähnlichen Fantasien zu tun: das Nachkriegsösterreich war schließlich noch immer voll davon.

(…)

Vor allem in der Alt Wiener-Rührseligkeit, mit ihrem nostalgischen Blick auf „die gute alte Zeit“, diesem „Früher“ als dem Sehnsuchtsort in Form einer heilen Welt, wo angeblich so viel Leben besser gewesen wär

Von Robert Stolz bis zu den „Sissi“-Filmen.

Und wie „Jene Grüne Straßenkatze“ schon schrieb, ist die Reduktion auf Authentizität, am Blog plakativ mit gefesselten Händen symbolisiert, eine ziemliche Verkürzung: hierzulande hat die Bauernbefreiung die Industrialisierung sogar erst bedingt. Bleibt einzig und allein, analog zu „Anno 1404“ und den anderen historischen Vorgänger-Titeln, die Frage übrig wie das Spiel mit dem Erbe des Kolonialismus umgeht. Ich vermute aber mal dass auch das erneut komplett ausgespart werden soll und diesbezüglich wieder nur sehr abstrakte Gruppen vorhanden sein werden. Es sind auch einfach nicht nur sehr sensible Themen, sondern deren Integration ist für den romantischen Zweck des Spiels schlicht kontraproduktiv.‘

Nachtrag (Replik): ‚Noch dazu bei der Vorstellung von Geschlechtergerechtigkeit, wenn im Vergleich

zu „Battlefield“ und „Assassin’s Creed“ komplett gegenteilig damit umgegangen wird: hier wird die Leugnung/Ausblendung der rassistischen Vergangenheit „kritisiert“, dort dem Fehlen jeglichen Sexismus applaudiert – gefeiert, wenn plötzlich absolute Ausnahmen exemplifiziert werden sollen, oder gleich zur Regel erklärt. Dasselbe leidvolle Lied bei „Die Siedler“: in früheren Teilen wurde über die fehlenden Frauen dort noch gewitzelt – gestern gerade das Remake des zweiten Teils neu bekommen (aus dem Jahr 2006). Heute würden solche Scherze bereits als sexistisch gelten, obwohl sie im Grunde nur die patriarchale Vergangenheit (korrekt!) darstellen. (jedenfalls „korrekter“ als gegenwärtige Games-Politik mit Bezügen auf dermaßen archaische Welten)‘

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