Steam: Freizügigkeit mittels Zensurmaschine umgesetzt

Valve scheint mittlerweile die Umbauarbeit an seinem Store und den öffentlichen Profilen seiner User vorläufig abgeschlossen zu haben: das Ergebnis?

Eine beispiellos umfassende Zensurmaschine.

Und dass gerade darüber die gesamte Videospielpresse unter dem Deckmantel von Jugendschutz und Kinderfreundlichkeit schweigt, das als gegebenes Geschäftsgebaren eines nicht-öffentlichen, das heißt nicht-börsennotierten US-Medienunternehmens, das als Plattform aber nach vor den PC-Spielemarkt massiv mitbestimmt, hinnimmt (oder nicht einmal so wahrnimmt) ist nun wirklich bezeichnend für diese Gesellschaft. Zumal die Änderungen unter dem Vorzeichen einer Liberalisierung und unter vermeintlich libertären Gesichtspunkten (immer noch) westlicher Wertvorstellungen geschahen, nicht etwa weil Valve in autoritären Staaten wie China auch weiterhin etwas verkaufen will, oder der öffentlichen Meinung gefallen – wie in zunehmender Weise die Konsolenhersteller -, UND ausgerechnet diese Situation schon mehr oder weniger hingenommen werden braucht, sollte mangels Alternativen auf derlei Medien „unter einem Dach“ nicht gänzlich verzichtet werden wollen.

Zunächst: wer den Store im WWW aufruft bekommt ohne angemeldet zu sein nur mehr höchst eingeschränkte Informationen darüber welche Spiele auf Steam verfügbar sind. Und es ist auch keine Möglichkeit vorhanden das irgendwie zu umgehen, außer eben ein Profil zu erstellen (Vorsicht! „Pornografie“). Nachlese (Achtung! Noch einmal „Pornografie“).

So zeigt mein öffentliches Profil kein einziges Spiel mehr auf meinem Account an – nur die Widgets scheinen (vorerst) davon nicht betroffen zu sein: weder wird auf der rechten Seite die Anzahl der Spiele mehr erwähnt, noch angezeigt welche ich zuletzt gespielt habe – es könnte ja ein „pornografisches“ darunter gewesen sein.

Früher war es so, dass einfach die IP-Adresse abgefragt wurde und die entsprechende Seite dann überhaupt nicht auftauchte. Jetzt wurde genau das „globalisiert“: „alle“ sehen prinzipiell wohl dasselbe, aber dann auch wieder nicht (zumindest wenn es um „pornografische“ Titel geht). Und wenn es um Staaten wie Deutschland geht kann all das naturgemäß sowieso ständig blockiert werden.

Was noch? Dass die (fehlende) Liste an Spielen auf meinem Account auch angemeldete User betrifft in deren Ländern diese Titel nicht erhältlich sind ist zumindest wahrscheinlich, da etwa in Deutschland ja schon die Anpreisung gewissen Einschränkungen unterworfen ist. Und da stellt sich natürlich die Frage ob das auch die internationale Kommunikation irgendwie einschränkt, also etwa ob „für alle“ wenigstens angezeigt wird wenn ich mich in einem „pornografischen“ Spiel befinde.

Wie dem auch sei bleibt mir nur noch ein Satz festzuhalten…

In jenen Staaten, wie Österreich, in denen der freie Zugang zu „Pornografie“ erlaubt ist, verfügt Steam nun tatsächlich gewissermaßen über den (von wirklich so vielen, gerade in Deutschland, herbeigesehnten?) Alptraum einer „geschlossenen Benutzergruppe“.

Update 29. November: ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass für eine öffentliche Sichtbarkeit der (gespielten) Titel im Profil die Datenschutz-Einstellungen geändert und auf öffentlich gesetzt werden müssen (sofern dies nicht schon geschehen ist). Vielen Dank für den Hinweis!

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