Machine-„Wolfenstein“: lieber „zensuriert“!

Nachlese. Vorhin erhielt ich eine Mail, wonach ich meine Vorbestellung von „Youngblood“ (oder heißt es nun doch „Young Blood“?) problemlos anpassen könnte – selbst meine in Deutschland getätigte Bestellung wohlgemerkt – nachdem Zenimax/Bethesda die internationale Version zunächst auch für ÖsterreicherInnen wieder überall blockiert hatte, entschloss sich der Konzern jetzt diese ebenfalls hierzulande zu veröffentlichen.

Mit einem – jedenfalls für mich – riesengroßen Haken, oder sollte ich besser schreiben Kalkül/Testballon: das Spiel, oder dann besser die Spiel-Versionen, unterscheidet sich offenbar so sehr voneinander, dass man sich außerstande sieht den deutschen Ton mitzuliefern. Also heißt es: entweder oder. Und da sage ich ganz klar: nein danke.

Nachdem ich vor einiger Zeit die englischen Stimmen von „The New Order“ (2014) erst nachträglich hörte, war für mich schnell klar: das wäre keine Liebe mit mir geworden. Und auch jetzt bei den Töchtern im Trailer, dem neuerlichen Umstieg von der Xbox auf den PC (wegen der RTX-Unterstützung) war das nicht anders – gute englische Sprachausgabe ist meiner Meinung nach tatsächlich immer seltener zu hören und befindet sich wenn dann nur mehr in Produktionen aus in erster Linie nicht-englischsprachigen Ländern. „Detroit“ fällt mir da letztes Jahr ein, dank Gaststars wie Clancy Brown und Lance Henriksen – überhaupt sämtliche Quantic Dream-Titel -, aber auch „Call of Cthulhu“ (2018). Heuer natürlich „A Plague Tale – Innocence“. Wobei ich aktuell große Hoffnungen in „The Sinking City“ setze, nachdem ich schon die „Sherlock Holmes“-Vorgänger zu den sprachlich besten Spielen zählen würde.

Umso düster die Situation im Mainstream-Bereich. Die Industrie vertraut dort seit über fünf Jahren auf wenig mehr als eine Handvoll SprecherInnen, die immer wieder mit ihren selben Typen in höchst unterschiedlichen Rollen zu hören sind und damit einfach nicht aufhören wollen: Nolan North, Troy Baker, Laura Bailey und Ashly Burch. In übelst amerikanisierter Stromlinienform wird so ein Schaulaufen der überheblichen und selbstverliebten Eitelkeiten veranstaltet, zu allem Übel dazu allzeit bereit noch die nichtigsten Inhalte politisch korrekt zu verbrämen versteht sich, während wirklich talentierte Leute – wie Courtnee Draper – die Branche schnell wieder verlassen haben. Und vielleicht liegt es nicht einmal an den Menschen hinter den Mikrofonen, sondern an der (nicht vorhandenen) Regie, wenn in meinen Ohren alles gleich klingt: es ist keine eigene Handschrift (mehr) zu erkennen.

Auch wenn ich wohl nicht jene der göttlichen Andrea Romano heutzutage mehr erwarten darf – ich behaupte trotzdem eine neue Netflix-Serie allein anhand der Intonation ihrer Charaktere (zwecks politischer Indoktrination) schon erkennen zu können…

Niemand kann mir etwa ernsthaft vermitteln, dass die englische Version von „The Elder Scrolls Online“ besser wäre als die phänomenale deutsche, schon gar nicht was deren Liedgut anbelangt. Gut, es existieren trotz allem immer noch auch weniger gelungene deutsche Fassungen – etwa „Horizon – Zero Dawn“ fällt mir da ein – aber diese sind deutlich seltener geworden als früher noch der Fall, wo in den Anfangstagen diese etwa Sierra ernsthaft in den USA hergestellt hat (und trotzdem erst bis ein halbes Jahr später erschienen sind). Wenigstens teilweise, vergleiche „Torin’s Passage“ (1995):

Mit natürlich „The Beast Within“ (1995/96), dasselbe Ensemble (und fragliche Tonstudio):

Hier das ganze zweite Spiel in der Originalversion:

Einer der Darsteller daraus, Peter J. Lucas (Von Glower), spielte über zehn Jahre später sogar in David Lynch’s „Inland Empire“ mit.

Wie dem auch sei: Sony hat vor einiger Zeit hier in Österreich bereits beide Versionen von „The New Colossus“ im PlayStation Store (CUSA07377 und CUSA07379) veröffentlicht – aber wohl immer tunlichst darauf geachtet keine davon preislich zu übervorteilen. Ein mitunter mühsames und verwirrendes Unterfangen, also wenn es wirklich nicht gelingt ein und dasselbe Spiel mit zwei Vertonungen auszustatten…

Ob der deutsche Handel auf den deutschsprachigen Keys liegen bleibt wird deshalb spannend sein zu beobachten. Was zählt mehr: negativ die Zensur, oder positiv die deutsche Sprachwahl?

Welche (Vorstellung von) Authentizität, und welche Verballhornung?

Kommentar 25. Juli: ‚Also ich sehe das doch etwas anders und habe die deutschen Versionen der Machine-Spiele über die Jahre richtig schätzen gelernt: im Unterschied zu Activision früher hat Zenimax hier Inhalte sicher nicht nur zensuriert, sondern übertragen. Und damit deren Charakter ausgebaut: dass die Bösewicht-Typen da wie Schauspieler antanzen schadet deshalb nicht unbedingt. Im Zentrum stehen sympathische Helden im Sinne eines Joss Whedon.
Manche Aspekte gewannen für mich dadurch sogar eindeutig an Bedeutung – etwa der Bezug auf das (spätere) Wirtschaftswunder (und indirekt die Adenauer-Jahre) in der Musik.
Sicher existiert zusätzlich auch noch ein melodramatischer Aspekt mit dem Tom Berenger-Verschnitt in der Hauptrolle, insgesamt dominiert aber schriller Humor – keine Tabubrüche im engeren Sinn, keine wirklich dunklen und düsteren Dinge. Nichts übel Spekulatives oder völlig Abstruses wie Hexen, oder ein Staatsoberhaupt aus Metall etc. Die Roboter, sogar die lieben Hunde, sind als SF-Elemente eher nachvollziehbar.
Im Grunde handelt es sich um eine Splattervariante von Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ – mit Verweisen auf „The Producers“ und in den nachdenklicheren Szenen nicht weit weg vom „Großen Diktator“. Es ist so, als eine Farce, auch nicht mehr wirklich Nazisploitation, so wie früher – selbst „The Old Blood“ war eher eine Hommage und konzentrierte sich auf kein altes Kernthema mehr, wie den Okkultismus. Historische Korrektheit wäre in dieser Situation einfach falsch. So wie manche Spencer/Hill-Filme im italienischen Original auch eher verlieren, wenn darin die sozialen Missstände derer Gegenwart weitaus eher zum Tragen kommen. Nein, darauf kann ich wahrlich verzichten und das betrachte ich eindeutig als künstlerischen Nachteil. Irgendwie finde ich es deshalb sogar schade, dass vermutlich ab der nächsten Produktion nichts mehr „angepasst“ werden wird.‘

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