Reminiszenzen an „Schnarri“, schön und gut

(Nicht-öffentliche Steam-)Kommentar(e): ‚(…) Das ist etwas für Rezeptionsforschung und das wäre wiederum eher Literaturwissenschaft. Mediengewaltwirkungsforschung wird diese Wahrnehmung immer ausklammern, sie etwa untauglich für Laborsettings mit Kontrollgruppen etc. halten. Mediengewaltwirkungsforschung eher davon ausgehen, dass Medien „konsumiert“ werden – also so wie Wasser oder Brot – und dann gewissermaßen danach fragen wie etwas das vorher prinzipiell „gleich“ war sozusagen verdaut wird. Was dort als Anomalien höchstens herauskommen kann sind Risikogruppen, welche wiederum mit Gruppen von Allergikern vergleichbar wären.

Soweit die „negativen“ Folgen, das heißt die negativ gedachten „Gefahren“ aus Videospielen – die Suche nach „positiven“ Wirkungen finde ich persönlich sogar noch fragwürdiger, da dort schon ein bestimmter Nutzen (etwa Koordination, oder die Verbesserung von Reflexen) eingeschränkt ist.
(…)
„Nötig“ sind diese Inhalte kaum, da wohl schon immer Medien produziert wurden die ganz bewusst auf derlei Inhalte und/oder Assoziationen verzichtet haben, weil sie deren Integration als unpassend, unangenehm oder schlicht geschmacklos empfunden haben – auch ungeachtet der Gesetzeslage. Vielleicht den Zweiten Weltkrieg aus ihrem Schaffen deshalb komplett ausgeblendet haben, obwohl sie sonst große Freude an „Kriegsspielen“ zeigten. Spontan fällt mir etwa ein Konservativer wie Sid Meier ein, keine Ahnung warum. Es ist meiner Meinung nach nur unnötig sich über diese Inhalte aufzuregen.

@Petra Fröhlich und Co.
Ich verfolge Fröhlichs Karriere seit einem Vierteljahrhundert und sie hat wohl immer die Position vertreten, dass Spiele in erster Linie Unterhaltung sind und solche Sachen dort nichts verloren hätten. Sie vertritt damit meiner Ansicht nach eindeutig die Mehrheitsmeinung innerhalb der deutschen Games-Branche, welche ich grundsätzlich für wesentlich konservativer als etwa die amerikanische halte, und Moden weniger unterworfen.
Wenn es nach Leuten wie ihr ginge wäre die Anerkennung als „Kulturgut“ sicher auch nicht so schnell erfolgt, vor allem nicht in der Art und Weise wie das vonstatten ging, und ich kann ihre Position so auch nur für konsequent halten. Ich mag sie, sehe ihre vordergründig „unpolitische“ Arbeit aber kapitalistisch orientiert und damit politisch motiviert: im Sinne einer bürgerlich-liberalen und damit jedenfalls FDP-nahen Politik. Mich erinnert das an Leutheusser-Schnarrenberger, genannt „Schnarri“, zur Hochzeit der „Killerspiele“.

„Schnarri“, deren Präsenz in der deutschen Innenpolitik der Nullerjahre vielleicht sogar im Alleingang deren Verbot indirekt verhindert hat, obwohl sie sich ganz bestimmt zu keinem Zeitpunkt je „für“ Computerspiele einsetzte. So funktioniert freiheitlich-demokratische Politik. Die Emanzipation von Videospielen in Deutschland hat man trotzdem einer kleinen, aber lautstarken linken Minderheit zu verdanken. Und die wollte auch die Hakenkreuze, jedenfalls als Option. Viel wird sie von denen trotzdem nicht zu Gesicht bekommen, das selbst vermutlich auch überhaupt nur gut finden: sollte es zu keinem richtigen „Wolfenstein 3“ aus Schweden kommen, vielleicht gar kein weiteres „Gewaltspiel“ damit mehr durchkommen. Und bei den restlichen Indie-Produktionen die damit arbeiten wollen wird es auch nicht mehr problematisiert werden, die Rede davon erneut abflauen, diskussionslos, und keine weiteren Debatten darum geben.

Was dafür (in Erinnerung) bleiben wird (in Deutschland) ist der „Rechtsruck“ durch die Gesellschaft: die rechte Kulturpolitik hat sich im Kern trotzdem keinen Deut geändert. Kürzlich konnte von einem „neurechten“ Publizisten, der ehemals der Gothic-Szene/Subkultur anhängte, etwa erfahren werden, dass der maßgebliche rechtsradikale Einsager im Land schon Stephen King für so etwas wie „entartet“ hält und absolut entwürdigend dessen Bücher zu lesen. Eine sinnlose Verwahrlosung und Zeitverschwendung wie Computerspiele, Sache von Trägheit, geistigem Unvermögen und allenthalben der „Verhausschweinung“ des Menschen, können „gute und schöne“ Rechte demnach sicher gleich gar nicht gebrauchen. Doch auch darüber wird leider nicht diskutiert werden.‘ Nachlese

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