Neues zum Anderssein…

… beim Deutschlehrer Gunnar Kaiser. Kommentar: ‚Es handelt sich schlimmstenfalls um postmoderne Äußerungen, aber nicht „die Postmoderne“ an sich. Alle diese austauschbaren Gegenbilder – egal ob „Marxisten“, „Globalisten“ oder „Postmodernisten“ – betrifft das.

Die Postmoderne begann ursprünglich mit Sprach- und Literaturkritik. Deshalb ist sie auch eher nicht-materialistisch veranlagt: sie entwickelte sich aus dem Strukturalismus und keinem (Post-)Marxismus heraus, also auch nicht von Karl Marx her – sondern vielmehr Ferdinand de Saussure. Ich meine die Äußerungen welche heutzutage diesbezüglich zu beobachten sind finden bei Deleuze, Lyotard & Co keinerlei Entsprechung (dasselbe gilt für nicht wenige feministische Texte und dessen was in diesen Tagen als Feminismus so verkauft wird). Fraglich ob Foucault geistesgeschichtlich überhaupt schon dazuzuzählen ist, also zur Postmoderne, er befindet sich eher an der Schwelle noch von der Moderne her.
Gerade von Seiten des Marxismus wurden Foucault als Reaktion(är) zunächst viele Vorwürfe gemacht, etwa dass er sich Gefängnissen (und keinen Fabriken) annäherte. Es stimmt (zwar), dass Foucault einige linksbürgerliche Attitüden von heute vorweggenommen hatte, am Ende stand mit seiner „Sorge um sich“ aber kein Gedanke an Exklusion oder Distinktion, sondern vielmehr Selbstbeschränkung. Konzepte wie Verzicht und Entschleunigung. Deshalb kann Foucault für mich auch längst nicht mehr als Denker der Selbstbefreiung gelten, sondern vielmehr als Wellness-Guru.
Dass „wir“ uns trotzdem mit einiger Begründung an der Schwelle zu einer Ökodiktatur befinden hat einerseits mit Chauvinismus zu tun, Moralchauvinismus nämlich. Der Illusion von Gleichheit welche soziale Medien herstellen, dass etwa manche meinen sie könnten darüber dieselbe Aufmerksamkeit erregen wie Emma Watson oder Meryl Streep. Andererseits dürften dieselben Algorithmen und Technokratien ein latentes Gefühl vermitteln, dass auf einen transhumanen Zustand im virtuellen Raum verweist (der wiederum darüber, so absurd das auch ist, politisiert wird). Vielleicht auch ein Unbehagen oder metaphysisch eine Vorahnung, jedenfalls wird genau das nicht artikuliert.
Dann nämlich, wenn sich sämtliche persönlichen Interessen und Viktimisierungen über den Universalismus „gleich“ wähnen, wird nur mehr ein kollektives Bewusstsein relevant sein. Dort liegt die große Gefahr eines Kommunitarismus der Marke Precht – nicht in der postmodernen Umbenennung des Nicht-Normalen, sondern einer Vernichtung der Unterschiede. Und dementsprechend wird heutzutage, ganz im Gegensatz zur postmodernen Inklusion, gerade über die eigene Sozialisation alles andere, das Andere, mehr denn je benannt und verunglimpft. Für widerlich, unheimlich oder „pervers“ gehalten – als „Hass“, „Nazi“, „Sexist“ oder „Rassist“ beschimpft. Für mich die eigentliche Hassrede.
Ich habe in meinem Leben jedenfalls noch keinen einzigen Menschen angetroffen von dem ich je behaupten hätte können, dass er oder sie „normal“ gewesen wäre – und ich denke das wird auch so bleiben. Nicht einmal bei Robert Musil wäre mir das vermutlich gelungen.‘
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