Zur Zukunft von Videospielen

Replik beim VDVC: ‚Im Forum klang zuletzt ja wieder mal „der Tod der Fiktion“ an. Das wäre bereits ein Hinweis.
Ich denke wir leben schon länger in schwer postfiktionalen Zeiten, vor allem in der sogenannten „Hochkultur“: anders als der „Ego-Shooter“ in Bezug auf „Gewalt“ und „Egoismus“ ist der postfiktionale Ich-Roman in erster Linie durch Ereignislosigkeit gekennzeichnet. Und ein Konstrukt wie Identität wird darin dadurch gewissermaßen unabhängig von Konstanten wie Zeit und Ort gemacht.
Wobei genau dieses Schicksal auch dem Medium Videospiel blühen könnte – vorzeitige Experimente wie „Undertale“ wären dafür erst der Anfang gewesen. Wir hatten jetzt bei der Fantasie vom europäischen Mittelalter ja offenbar schon das Problem, dass dementsprechend inspirierte Spiele (und das betrifft slawische Fantasy genauso wie „historische Korrektheit“) angegriffen werden zu wenig Diversität darzustellen, aber was wäre wenn derselbe Vorwurf noch wesentlich isolierteren Epochen und Zeitaltern gemacht werden würde – etwa dem feudalen Japan.
Es würde so zunehmend schwieriger werden noch konkrete Darstellungen zu finden die selbst in der Videospielpresse breitere Akzeptanz finden könnten. Gleichzeitig wird (momentan noch) natürlich mehr Fiktion denn je produziert: seit Netflix etwa nicht mehr nur zu Hause produzieren lässt, hat sich deren Angebot an Eigenproduktionen deutlich verändert. Nicht in Richtung Narrenfreiheit, aber es existiert anscheinend ein gewisser Vertrauensvorschuss – ein Bonus: wer US-amerikanische, kanadische oder britische Filme und Serien auf Netflix meidet ist in der Lage ein deutlich anderes Netflix zu erleben. Das liegt anscheinend an der Tradition unterschiedlicher Film- und Fernsehindustrien auf der Welt, auf die auch Netflix so angewiesen ist (diese von heute auf morgen nicht verändern, nicht vereinnahmen konnte). Videospiele sehe ich hier deutlich im Nachteil: zwar existieren auch hier unterschiedliche Traditionen, diese resultieren aber eher nur in ökonomischen Unterschieden – wie etwa dass „Gothic“ oder „Die Siedler“ international keine großen Marken wurden. Eine globale Dorfgemeinschaft gab es in den Communities deutscher Entwicklungen wohl trotzdem sehr früh, etwa als Guido Henkel damals nach Amerika ging… Noch relativ unvorstellbar, dass einem Samuraispiel vorgeworfen werden würde es täte Gesellschaft zu wenig abbilden, also abgesehen vom notorischen „Afro Samurai“, aber selbst das wäre (als nächster Schritt) denkbar.‘

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