Neues bei Gunnar Kaiser…

Kommentar: ‚Sorry, aber diese liberalen Gesellschaften wie sie hier imaginiert werden können in der Form gar nicht existent sein – beziehungsweise widerspricht sich deren Vorstellung doch selbst. Das betrifft genau diese stereotype Konstruktion eines „Anderen“ (other) wie den Amish People und deren (vorgeblich gesonderte) Lebensweise.

Das Beispiel ist gerade nicht überzeugend, denn es behandelt das „Eigene“ als eine nicht weniger verschworene Gemeinschaft.
Einerseits kann das hierzulande etwa jemand sein welcheR in eine Familie aus Zeugen Jehovas geboren wurde, oder auch in eine traditionalistisch katholische wie sie satirisch der Film „Kreuzweg“ gezeigt hat. Der Papa eines solchen „hiesigen“ Menschen kann auch ein veritabler Neonazi sein und schon seinem Kleinkind „den deutschen Gruß“ beibringen wollen – all das sind nicht weniger extreme Beispiele als die Amish, Produkte einer „liberalen“ Gesellschaft welche verschiedene Lebensentwürfe samt Subkulturen (im Sinne des Pluralismus) grundsätzlich vorsieht, eine Gesellschaft die eben nicht totalitär sondern liberal veranlagt ist, also der Wohlfahrtsstaat, diese höchst manipulativen „Auswüchse“ für seine BewohnerInnen, wegen Erziehungsprivilegien der Eltern usw., einer grundsätzlich immer noch vorhandenen Nicht-Einmischungspolitik, im Nachhinein (wenn es zynisch gesprochen vielleicht schon längst zu spät ist) erst wieder korrigieren kann. Es gilt auch für Phänomene wie Armut oder den Analphabetismus. Einerseits. Andererseits kann jemand den Liberalismus so auch als Sozialismus negativ empfinden, etwa wenn antiquierte Geschlechterrollen wie jene der Hausfrauen sukzessive unter Druck geraten sind, gerade im Sinne „liberaler“ Projekte wie einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie Konzepte wie das Hausfrauendasein für Frauen immer weniger offen stehen. Oder in Hinblick auf den Rechtspopulismus der Nativismus: dass jemand ohne dass für diese Person je in einen Arbeitslosentopf eingezahlt wurde bei Arbeitslosigkeit kein Arbeitslosengeld kassiert in vielen liberalen und illiberalen Demokratien wie hier in Österreich ganz selbstverständlich, allein die Vorstellung findet weit in linksliberale Milieus hinein breite Akzeptanz, aber dass zugewanderte Personen nicht dieselben Rechte und Pflichten wie Einheimische haben könnten nicht. Das wird gleich als rassistisch gebrandmarkt. Und das betrifft gerade auch Substantielles wie den Universalismus. TLDR: es kommt immer auf die Sozialisation eines jeden Einzelnen an und nicht ob wer „formal“ in den Liberalismus hineingeboren wurde…
Nicht einmal die Amish-Idee vom promiskuitiven Sündenpfuhl mag für die Restgesellschaft überhaupt zutreffen – die kann doch selbst biederer und verspießerter sein als jede Amish-Familie. Das sind doch nur Klischees – ich denke da insbesondere an das Schlagwort der „reaktionären Linken“ https://en.wikipedia.org/wiki/Regressive_left
Und ehrlich gesagt enttäuscht mich dieser Kanal bereits nach kurzer Zeit doch sehr: in älteren Videos wurde noch behauptet, dass der Liberalismus keine Ideologie sei, hier die Kritik daran einfach übernommen (!?). Den Roman finde ich in der Nachfolge von Umberto Eco immer noch ganz toll, auch die frei zugängliche Lyrik nicht schlecht, aber mir scheint die völlig unreflektierte Rezeption eines Naturalisten wie Peterson mich doch skeptischer hätte machen sollen – deshalb mein Urteil: arrogant, selbstverliebt, oberflächlich und leider nicht gut durchdacht. Wie bei vielen berufsbeleidigenden Hipster-Normies auch der Fall, nur sprachlich wesentlich angenehmer und wirklich selbstironisch.
Also immer noch sehr viel Zustimmung, dennoch: Abonnement schon wieder beendet. Schade.‘ Nachlese

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