Quantic Dream: Nachwehen

Via VDVC-Forum: vor ziemlich genau zwei Jahren befand sich das Pariser Videospiel-Studio Quantic Dream mitten in einem breiten Medienwirbel. Es ging um Arbeitsbedingungen und (wie üblich) Ungleichbehandlung.

Das Studio, respektive die beiden Studiobosse, reagierten damals in einer Art und Weise die kaum umprofessioneller hätte sein können, doch der Spuk war erstaunlicher Weise schnell wieder vorüber: bald darauf im Frühjahr 2018, genauer gesagt im Mai, wurde der letzte (Zeit-)Exklusivtitel für Sony veröffentlicht (Detroit – Become Human), und im Sommer, also ein halbes Jahr später, sah man sich beim Arbeitsgericht. Der Prozess dort ging dem Vernehmen nach in einem Fall sogar verloren, aber die nunmehr wieder als komplett unabhängig gelten dürfende Firma schien das auch nicht zu kümmern: letztes Jahr konnten alle drei Sony-Titel für den Epic Games Store am PC erscheinen, das heißt Quantic Dream zeigte sich auch 2019 alive and kicking, wie man so schön sagt…

Und jetzt erschien zudem ein ellenlanger Artikel, welcher aus der Ferne die Hintergründe revisionistisch zu beleuchten sucht, das Studio als (Medien-)Opfer hinstellt, die Bosse (einmal mehr) als kreative Säulenheilige, sowie deren Kapital in einem gänzlich anderen Licht erstrahlen lässt. Alles zum Schein versteht sich.

Eine Devise gilt demnach immer noch: wer trotz aller widrigen (Zeitgeist-)Umstände die Gelegenheit hat (Branchen-)Medien für sich zu nutzen, ergreift sie. So unerträglich das journalistische Ergebnis von derlei „Recherche“ auch sein mag, selbst wenn es ansonsten sämtlichen Zuschreibungen einer vorgeblich „giftigen“ Welt bei mir nicht anders ergehen sollte:

Unter anderem werden dort vier Fragen zitiert, welche aus den Reihen der betroffenen, sich selbst zweifellos für fortschrittlich haltenden JournalistInnen im Dezember 2017 die Unternehmenskultur betreffend gestellt worden wären und das Studio bereits „alarmiert“ hätten, dahingehend was daraufhin noch folgen wird (müssen). Diese Fragen seien später auch kommuniziert worden und richten sich unter anderem gegen sexuellen Ausdruck.

Bei einem Treffen im Jänner 2018, kurz vor Veröffentlichung der Medienberichte, hätte sich dann dieser Eindruck über den „eigenen Blickwinkel“ dieser Leute noch verstärkt und letztlich zementiert (weshalb vermutlich, wie eingangs beschrieben, zunächst so brüsk und zurückweisend auf die Berichte reagiert worden war). Die Einladung an jemand von der Tageszeitung Le Monde doch eine ganze Woche dort zu verbringen, sei vor den Berichten noch abgelehnt worden. Weshalb das alles jetzt wieder aufbereitet wurde, nachdem über anderthalb Jahre (seit dem Prozess vor dem Arbeitsgericht) von der Sache nichts weiter zu hören war, bleibt jedoch freilich, wie so oft von der anderen Seite her bekannt, fraglich (2, 3).

Verdächtig vor allem das Ausmaß an sentimentalen und selbstbeweihräuchernden Anekdoten das dort, in dem Artikel von Dean Takahashi, zum besten gegeben wird: an einer Stelle wird gegen Ende sogar erklärt, dass jemand von David Cage das Motorradfahren beigebracht worden wäre. Die „wahren Opfer“ seien in der Videospielindustrie jedenfalls andere. Soso.

Ich weiß, eigentlich sollte ich sehr froh sein, dass (endlich) einmal auch diese Seite so prominent behandelt wird, aber der Ton macht dabei (wie schon Anfang 2018 die ersten Reaktionen von Cage & Co.) die Musik. Und diese klingt eindeutig nicht gut.

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