Neue Vorschläge in Sachen Antifaschismus

Reddit: ‚Selbst das zweite Zitat kann so oder so aufgefasst werden: bei der GameStar entgegnete mir kürzlich jemand ich hätte den Begriff der Nachhaltigkeit (sustainability) „falsch“ verwendet, weil ich ihn nicht (primär) auf Umweltschutz bezogen hätte.
Ähnlich verhält es sich hier: Erinnerungspolitik braucht keineswegs etwas mit der Shoah zu tun haben, nicht einmal in Deutschland. Die Frage ob eine Betonung der negativen oder positiven Aspekte der deutschen Geschichte irgendwie justiziabel wäre ist regelrecht absurd zu nennen. Im Gegenteil stellt sich mir die Frage ob Geschichte nicht vielmehr eklatant und völlig verantwortungslos missbraucht wird, wenn darüber ideell etwa politische Karrieren und persönliche Selbstverständnisse selbstgerecht begründet werden.
Welche positive Lehre soll das bitte sein, wenn sich daraus die eigene Stellung im Vorteil ergibt? Und mit welchem Gewissen diese vereinbar – als größte Wirtschaftsmacht am Kontinent?

Ähnlich verhält es sich mit den „verdammten 12 Jahre“ (wie es im AfD-Sprech heißt) – im Gegensatz zur Zeit danach: stattdessen könnte auch die kurze Zeit der jungen und überaus fragilen Demokratie davor gefeiert werden, das vielfältige Bild welches sich daraus ergeben kann und die Lehren welche daraus gezogen werden können. Das fiktionale Fernsehen ist da vielleicht schon weiter (und vor allem differenzierter!) als diverse Talk-Runden mit Talking Heads.
Im Grunde handelt es sich bei der Erinnerung selbst um eine Form der Nachhaltigkeit: auch das Niederwald- oder das Völkerschlachtdenkmal sind in Deutschland Ausdruck von Erinnerungskultur, das heißt „waren“ dies politisch nicht einmal nur, sondern sind es – solange sie nicht abgebaut werden – weiterhin. Stattdessen sollten Leute wie Gauland (wenigstens) einmal gefragt werden was denn eigentlich so toll an Bismarck gewesen wäre. Abgesehen von den Heringen. Anstatt reflexartig immer wieder als potentielle „Nazis“ auf die Nazizeit verwiesen zu werden, mit der sie ja ohnehin und sowieso nichts zu tun haben wollen: genau so können sich deren nationale Ideale, die hier so unverständlich zu sein scheinen, nämlich weiter festigen und langsam einsickern. Eine dezidierte Ab- und Ausgrenzung mag zunächst in die Isolation führen, derlei Kränkungen bestätigen deren Opfermythen dann aber auch erst. Das war hier in Österreich mit der Entnazifizierung nach 1945 schon so – Gründungsmythen die später wiederum bis 1848 zurückreichten und zu Identifikationszwecken bei den Deutschnationalen hierzulande jederzeit nach Belieben hervorgeholt werden konnten, die „Schmach“ der kleindeutschen Lösung nach 1871 konsequent ignorierend. Darüber hinaus könnten damit anders sogar jene Zeitalter und Facetten erstmals kritischer beleuchtet werden, welche bislang ansonsten weitgehend ausgeklammert wurden: von der ursprünglichen Nationswerdung über die sehr kurze Spanne des deutschen Kolonialismus bis zum in Westdeutschland größtenteils völlig unreflektierten „Wirtschaftswunder“.

Und inhaltlich geändert wird da gar nichts geworden sein. Das Geschichtsbild dieser Leute ist so klar und eindeutig, dass es regelrecht langweilig zu nennen ist – bis auf die paar zugekauften Texte (meist Übertragungen aus dem Englischen oder Französischen) manch rabiater Typen finden sich in diesem und vergleichbaren Verlagen des Spektrums kaum Sachen darunter die so „grenzwertig“ wären, dass sie über die üblichen „Skandale“ hinaus irgendwelche Konsequenzen zu Tage fördern würden. Da müsste der „Kampf gegen rechts“ schon die Gesetze ändern, oder würde die Bundesprüfstelle gleich viel mehr noch untersuchen müssen, wenn ein einzelner Titel von denen indiziert werden würde, damit sich wieder ein einheitliches Bild der Jugendgefährdung von rechts ergibt.‘

Steam: ‚Die Leute um Kubitschek, wozu ich auch Höcke zählen würde, stehen eindeutig in der Tradition Armin Mohlers. Vorwürfe des „Faschismus“ prallen an denen ganz einfach ab.
„Das dritte Reich“ hat bei ihnen höchstens in der Variante Arthur Moeller van den Brucks irgendeine große Bedeutung – ähnlich wie anderswo auf der Rechten Georges Lyrik. Dort hängt dann, etwa bei Dieter Stein im Büro, Stauffenberg an der Wand: andere „Volksverhetzer“ wie dieser „Stürzi“ sehen sich gar in der Tradition von Leuten wie Sophie Scholl. Etwas Recherche über den aktuellen „Diskurs“ in Deutschland täte schon gut – nicht erst seit „Killerspiele“ und Ego-Shooter.
Das elitäre, autoritäre, kulturpessimistische, gegen die Moderne und den Universalismus gerichtete, jedenfalls tendenziell antidemokratische Denken dieser Leute wird durch diese Zuschreibungen überhaupt nicht tangiert – ebenso nicht deren häufige Theoreme auf Basis durchaus „respektabler“ Autoren wie Konrad Lorenz.

Sondern eher „nur“ der Nationalsozialismus, welcher innerhalb dieses Weltbildes, dieser Weltanschauung, als Ausfluss, als Gelegenheit, als Opportunismus in Erscheinung tritt, unverantwortlich verharmlost. Selbst ein „Nationalismus“ wird in diesen Kreisen erfahrungsgemäß breit abgelehnt, auch weil sie Ismen vielfach als „unnatürlich“ ansehen.
Bei mir hier am zweiten Schreibtisch steht auch Jüngers „Der Arbeiter“, das macht mich aber noch lange nicht zu einem „Nazi“: etwas Beschäftigung mit der deutschen Geistesgeschichte schadet jedenfalls nicht. Auf gut Deutsch aus demselben Verlag wie „Der Herr der Ringe“ übrigens, aber dazu gab es ja auch schon so diverse „Meinungen“. Beschämend und tatsächlich die Demokratie gefährdend alles zusammen, jedenfalls irgendeine (noch vorhandene Form von) Pluralismus.‘

Nachtrag: ‚Im Verlagswesen deutet eine „verbesserte“ Auflage doch eher darauf hin, dass Satzfehler korrigiert wurden. Vielleicht wurde sie auch nur noch einmal lektoriert. Früher nannte man das dann „neu durchgelesen“ oder so, wobei so ein Kleinverlag ja zweifellos schon froh sein darf, wenn überhaupt eine zweite zustande kommt. Die Verlage hatten zwar auch ihren „Hit“, „Finis Germania“ https://de.wikipedia.org/wiki/Finis_Germania , aber einer mehr schadet denen ja nicht. Also gut möglich, dass da gar nicht viel geändert wurde, sondern sich diese nur besonders bemüht zeigen wollten. Und eher werden wenn dann auch verfängliche Titel geändert, wie damals bei Hänsel und seinem „Game Over“ beim Elsässer.

Diesen bildenden Künstler als Co-Autor kenne ich zwar (auch) nicht, aber ich gehe täglich zur Sezession und las damals das Antaios-Marketing für das Buch. Allein Höcke-Reden halte ich für zu geschliffen für Manipulation. Und als der Verleger mit ihm durch den Wald lief hatte ich vor allem den Eindruck, dass es Kubitschek eine Ehre war: der Oberleutnant und der Geschichtslehrer verstanden sich auf Augenhöhe.‘

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